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Jugendfeuerwehr
Jugend gedenkt den Opfern der Kriege

Auf einem der zahlreichen Soldatenfriedhöfe bei Verdun legten die Jugendwehren aus Homburg-Mitte und Rohrbach les Bitche im Gedenken an die Toten des Ersten Weltkriegs Kränze nieder.
Auf einem der zahlreichen Soldatenfriedhöfe bei Verdun legten die Jugendwehren aus Homburg-Mitte und Rohrbach les Bitche im Gedenken an die Toten des Ersten Weltkriegs Kränze nieder. FOTO: Hans Fehr/Feuerwehr
Homburg. Es ist eine Freundschaft über den Tellerrand hinaus. Denn nicht nur die Feuerwehr ist Thema bei den jugendlichen Feuerwehrleuten aus Homburg und Rohrbach les Bitche. Gemeinsam wurde jetzt in Paris den Kriegstoten gedacht. Von Thorsten Wolf

Wer in diesen Tagen nach Paris schaut, der sieht eine Stadt im zeitweisen Aufruhr. Die Proteste der „Gelben Westen“ hat gerade wieder am Wochenende die Innenstadt um den Triumphbogen in ein Schlachtfeld verwandelt. Nun mag man sagen, dass diese Vorkommnisse von Homburger Warte aus betrachtet weit weg sind – für die Jugendfeuerwehr des Löschbezirks Homburg-Mitte allerdings hatten die schon seit Wochen andauernden Protestaktionen in der französischen Hauptstadt durchaus negative Auswirkungen.


 Anlässlich eines Besuchs in Paris sollte der Feuerwehrnachwuchs am 24. November gemeinsam mit der Partner-Jugendwehr aus Rohrbach les Bitche an der täglichen Gedenk-Zeremonie am Grab des Unbekannten Soldaten am Triumphbogen teilnehmen. „Leider kam es durch die Demonstrationen und den nachfolgenden schweren Krawallen und Auseinandersetzungen am Arc de Triumph und auf der Champs Elysees nicht mehr dazu“, so Hans Fehr, der Beauftragte der Jugendfeuerwehr Homburg-Mitte, einige Tage nach Rückkehr der Jugendlichen aus Paris im Gespräch mit unserer Zeitung. „Die Lage spitzte sich so zu, dass der Marsch und die Kranzniederlegung abgesagt werden mussten.“ Zum Hintergrund: Jeden Abend wird um 18.30 Uhr die Flamme am Grab des Unbekannten Soldaten neu belebt, Abordnungen von Veteranen, aber auch Vertreter ganz verschiedener Organisationen aus ganz Frankreich und dem Ausland legen Kränze nieder und zollen den Opfern des Ersten Weltkriegs Respekt. In diesem Jahr, und vor dem Hintergrund des Weltkiegsendes vor 100 Jahren als Impuls für die deutsch-französische Jugendfeuerwehr-Reise nach Paris, wären nun eben auch die Homburger Jugendlichen mit dabei gewesen – hätte es nicht die Proteste der „Gelben Westen“ gegeben. Walter Seibert, Betreuer bei der Jugendfeuerwehr Homburg-Mitte, mit einigem Bedauern: „Es wäre das erste Mal gewesen, dass eine französische und eine deutsche Jugendwehr gemeinsam an dieser Zeremonie teilgenommen hätten.“

Doch auch wenn man hier ein Opfer des Zeitgeschehens wurde, für die 13 Kinder der Jugendfeuerwehr Homburg-Mitte und ihre 25 Freunde von der Jugendfeuerwehr aus Rohrbach les Bitche lohnte sich der Aufenthalt vom 23. bis zum 25 November in Paris auch so auf jeden Fall. Untergebracht in der Kaserne der Berufsfeuerwehr von Paris im Stadtteil Marssena gab‘s jede Menge zu erleben. Hans Fehr: „Wir bekamen einen Vorstellung davon, wie die Pariser Feuerwehr strukturiert ist, erfuhren etwas über ihre Organisation und die Arbeitsweise. Dabei muss man wissen, dass die Berufsfeuerwehr von Paris und Marseille militärisch aufgebaut ist.“ Auch von diesem militärischen Hintergrund konnten sich die Teilnehmer des deutsch-französischen Besuchs in Paris ein gutes Bild machen. „Die Angehörigen der Pariser Berufsfeuerwehr machen fünf Stunden am Tag Sport“, zeigte sich Fehr sichtlich beeindruckt. „An denen ist kein Gramm Fett.“ Tatsächlich ist die Pariser Berufsfeuerwehr in der „Brigade de sapeurs-pompiers de Paris“ (BSPP) organisiert. Bei diesem Verband handelt es sich um eine Pioniereinheit des französischen Heeres, die über den Polizeipräfekten von Paris dem Innenministerium unterstellt ist. Der Verantwortungsbereich erstreckt sich auf die Stadt Paris selbst, drei umliegenden Departments und den europäischen Weltraumbahnhof in Franözisch-Guayana.



Es gab also jede Menge zu erfahren und zu erleben – allerdings fehlte nach den Vorkommnissen am Arc de Triumphe natürlich noch etwas ganz Wesentliches: Das Gedenken an die Opfer des Ersten Weltkriegs. Am letzten Tag des Besuchs in Frankreich machte sich die deutsch-französische Gruppe deswegen auf nach Meaux. Das Ziel: Das „Museum des großen Krieges“, das „Musée de la Grande Guerre du Pays de Meaux “. Eben in der Region von Meaux tobte im September 1914 die erste von insgesamt zwei Marneschlachten (die zweite fand im Jahr 1918 statt). Diese erste gilt dabei heute als mit entscheidend für den Kriegsverlauf im Westen, konnten die Franzosen doch hier den deutschen Vormarsch stoppen – nach Kriegsende wurde der Begriff des „Wunders an der Marne“ geprägt.

Doch mit diesem Besuch auf historischem Boden sollte es für den Feuerwehrnachwuchs noch nicht zu Ende sein. „Um den vielen getöteten Soldaten zu Gedenken, besuchten wir dann einen der vielen Soldatenfriedhöfe bei Verdun. Hier wurden in einer feierlichen Gedenkminute Kränze niedergelegt und der Soldaten gedacht“, schilderte Hans Fehr den Abschluss des dreitägigen Besuchs im Nachbarland Frankreich.