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Mundart-Musik über das Leben

Vor der historischen Kulisse der Jägersburger Gustavsburg erwiesen sich Blues-Himmel um Bandleader Michael Wack (Mitte) nicht zum ersten Mal als Garant für stimmungsvollen und facettenreichen Mundart-Blues. Foto: Thorsten Wolf
Vor der historischen Kulisse der Jägersburger Gustavsburg erwiesen sich Blues-Himmel um Bandleader Michael Wack (Mitte) nicht zum ersten Mal als Garant für stimmungsvollen und facettenreichen Mundart-Blues. Foto: Thorsten Wolf FOTO: Thorsten Wolf
Jägersburg. Michael Wack und sein aktuelles Ensemble Blues-Himmel handeln nach bewährtem Wack-Rezept: Blues-Musik zu Mundart-Texten. So wurde es ein abwechslungsreicher Abend im Hof der Gustavsburg in Jägersburg. Thorsten Wolf

Was passiert, wenn man einen Blues rückwärts spielt? Ganz einfach: Die Frau ist wieder da, der Geldbeutel ist wieder voll und die Gitarre ist wieder gestimmt. Das hört sich schwer nach Blues-Klischees an. Dass dieser wunderbare Musikstil doch viel mehr zu bieten hat, als das gekonnte Klagen über die Unbill des Lebens, das bewiesen am Donnerstagabend die Musiker von Blues-Himmel um Sänger, Bluesharper und Gitarrist Michael Wack im Hof der Gustavsburg in Jägersburg .


Dieser Auftritt war nicht das erste Gastspiel von Wack in der historischen Kulisse am Schlossweiher. "Ich habe schon vor 30 Jahren hier mit meiner ersten Bluesband Chicago Bound gespielt, damals vor Abonnenten-Publikum. Denen mussten wir den Blues erklären", lachte Wack. Mit den Jahren hat Wack eine musikalische Wandlung vollzogen, heute ist seine Muttersprache Pfälzisch der Blues-Duktus des gebürtigen Zweibrückers. Kann man Blues und Mundart zusammenbringen? Für Wack auf jeden Fall. "Das ist die Sprache, mit der ich aufgewachsen bin. Das ist die Sprache, in der ich denke und in der ich fühle. Und ich der ich deswegen logischerweise auch Lieder schreibe. Warum soll ich in Englisch singen, nur weil es jeder macht?"

Diese Frage von Wack könnte man natürlich mit der Gegenfrage beantworten, ob es zwischen Englisch und Mundart mit Hochdeutsch nicht einen Mittelweg gegeben hätte. Hier gestand Wack ein, dass ihm das mit Sicherheit Vorteile gebracht hätte, "dann hätte ich deutschlandweit mit Sicherheit mehr Zuspruch, das habe ich schon gemerkt. Aber ich bleibe meiner Linie treu, das ist mein Ding und das zieh' ich durch".

Wack nannte es auch deswegen seine "Mission in Sachen Mundart ". Und bei der zeigt sich der Pfälzer Wack weltoffen und grenzenlos, gerade wenn es um das frotzelnde Gegeneinander von Pfalz und Saarland geht. "Wir leben als Zweibrücker in einem Grenzgebiet. Nach Frankreich haben wir 13 Kilometer, ins Saarland fünf. Für mich sind das nur politische Grenzen."

Angesprochen darauf, ob der Blues eine Musik der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft sei, ließ Wack ein bisschen in die Szene blicken. "Viele junge Bands sind heute im Blues unterwegs und touren erfolgreich, auch deutsche Formationen. Es findet ein Generationswechsel statt, der Blues erfindet sich gerade neu." Seinen eigenen Stil und den des Blues-Himmels beschrieb Wack als einen abseits des klassischen Klischees von der vertonten Klagemauer, "das werden die Gäste heute auch hören. Wir sind total vielfältig. Und genau das ist es, was ich selbst auch auf einem Konzert hören will. Ich möchte eben nicht drei Stunden lang ähnliche Songs erleben. Ich freue mich, wenn die Stimmungen wechseln".



Und genau diese Stimmungswechsel lieferte Blues-Himmel in der Besetzung Michael Wack, Vinzenz Wolf (Gitarre/Gesang), Thomas Girard (Saxofon), Andrea Tognoli (Bass), Philip Freyer (Violine) und Benjamin Pfahler (Schlagzeug) am Donnerstagabend - auch mit der leckeren Erkenntnis vom "Michel aus der Palz": Der Blues ist "Im Kimmelweck die Worscht".