| 20:26 Uhr

Konzert in der Stadtkirche
Mit der Bach-Toccata in den Advent

Querflötistin Tatjana Ruhland, Moderator Roland Kunz und Organist Christian Schmitt (von links) gaben am Sonntag ein Konzert in der protestantischen Stadtkirche in Homburg.
Querflötistin Tatjana Ruhland, Moderator Roland Kunz und Organist Christian Schmitt (von links) gaben am Sonntag ein Konzert in der protestantischen Stadtkirche in Homburg. FOTO: Sebastian Dingler
Homburg. In der protestantischen Stadtkirche erwartete die Gäste am ersten Advent ein Konzerterlebnis auf höchstem Niveau. Von Sebastian Dingler

Zur Einstimmung in die Adventszeit ist es in Homburg eine schöne Tradition, dass Querflötistin Tatjana Ruhland, Organist Christian Schmitt und Moderator Roland Kunz ein Kirchenkonzert gestalten. In diesem Jahr war die protestantische Stadtkirche in der Altstadt als Stätte ausgewählt worden. Etwa 120 Besucher waren bei freiem Eintritt gekommen und erlebten klassische Musik auf höchstem Niveau.



Während Ruhland Soloflötistin beim SWR-Symphonieorchester und Dozentin an der Saarbrücker Hochschule für Musik ist, kann der Saarländer Christian Schmitt sowohl auf seinen Echo-Klassik-Preis als auch auf einen Auftritt in der Elbphilharmonie in Hamburg verweisen.

Der musikalische Schwerpunkt des Abends lag ganz klar auf dem Werk von Johann Sebastian Bach. Dessen berühmtes Toccata und Fuge in d-Moll, wohl das bekannteste Orgelstück der Welt, kam mit dem markanten Beginn und den strahlenden Akkorden am Ende sehr schön zur Geltung auf der Steinmeyer-Orgel. Bei Charles Gounods Bearbeitung von Bachs C-Dur-Präludium übernahm Ruhlands goldene Querflöte das Ave Maria — ein weiterer Klassik-Hit. Dazwischen sorgten die manchmal launigen, manchmal besinnlichen Ansagen von Roland Kunz für gute Unterhaltung. „Christian Schmitt hat seine Ski-Unterwäsche dabei, die hat er aber nicht gebraucht, weil es hier so schön warm ist“, plauderte der Radiomoderator aus, ehe er tolle Formulierungen für die Musik Bachs fand: So könne diese nur mit einem Wort beschrieben werden, nämlich „Reichtum“. Oder: „Die Melodiebögen rollen wie Ebbe und Flut ans Ohr heran.“

Als Weihnachtsgeschichte hatte Kunz „Eine vorweihnachtliche Betrachtung“ von Erich Kästner gewählt: Darin öffnet der Ich-Erzähler, ein Journalist, dem Nikolaus die Tür. Der lässt sich auf ein Interview ein und gibt unter anderem preis, dass er im Sommer Bademeister sei und Schwimmunterricht erteile. Leider fehlen am Ende des Besuchs, typischer Kästner-Sarkasmus, einige Wertgegenstände in der Wohnung des Journalisten, sodass das Ganze eine unerwartete Wende nimmt – für die manchmal vor Besinnlichkeit triefende Adventszeit hatte Kunz da eine ganz schön pfiffige Geschichte ausgewählt. Für eine Flötensonate von Bach kamen Ruhland und Schmitt nach vorne, wobei Letzterer die kleine Orgel am Altar bediente – eine gute Idee, denn so konnte man die Interaktion der beiden Musiker auch optisch verfolgen.

Für jene, die Roland Kunz nicht kannten, dürfte sehr überraschend gewesen sein, was er plötzlich nach einer Zwischenmoderation veranstaltete: Da holte er zwei so genannte Klangspiele hervor, erzeugte durch Schütteln dieser meditativen Instrumente sphärische Klänge und begann zu singen. Aber nicht in der normalerweise für Männer vorgesehenen Tonlage, sondern mit Kopfstimme weit darüber. Der vielseitige Kunz ist nämlich auch Countertenor und im Saarland durch seine einstige Band Orlando und die Unerlösten vielen ein Begriff. Fast schade, dass das die einzige Gesangseinlage blieb, aber: „Ich singe nur ein Stück, denn es ist ja eigentlich das Konzert von Orgel und Flöte“, so Kunz.

Überaus begeistert war Gretel Christmann von dem Konzert: „Das war hervorragend, also absolut hochklassig. Wir waren schon ein paar mal da. Wir kommen von Schönenberg extra hierher. Es war einfach ganz toll, besinnlich und große Klasse“, so die Konzertbesucherin. Margit Schmidt aus Homburg erlebte das Adventskonzert von Ruhland, Kunz und Schmitt zum ersten Mal. Sie fand den Auftritt „wunderbar“. Auch hätte sie nicht erwartet, dass so hochklassige Musiker nach Homburg kommen - „da war ich positiv überrascht.“