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Neue Jugendbroschüre
Mit Broschüre Vorurteile überwinden

Als erste Kinder im Homburger Stadtgebiet erhielten gestern Schülerinnen und Schüler von zwei dritten Klassen der Grundschule Langenäcker in Erbach die neue Broschüre „Gemeinsam geht es besser“, mit der der Verein „Homburger wollen helfen“ die Integration fördern will.
Als erste Kinder im Homburger Stadtgebiet erhielten gestern Schülerinnen und Schüler von zwei dritten Klassen der Grundschule Langenäcker in Erbach die neue Broschüre „Gemeinsam geht es besser“, mit der der Verein „Homburger wollen helfen“ die Integration fördern will. FOTO: Thorsten Wolf
Erbach. Verein „Homburger wollen helfen“ erstellt 1000 Bröschüren mit dem Titel „Gemeinsam geht es besser“.

Kaum ein anderes Thema beschäftigt derzeit die Politik auf allen Ebenen des Geschehens so, wie das der Integration. Wie bindet man Menschen mit Migrationshintergrund in die Gesellschaft ein, wie schafft man einen Ausgleich zwischen den Kulturen, wie macht man aus „verschieden“ nicht „gleich“, aber „gemeinsam“? Die Suche nach Lösungen hier gestaltet sich alles andere als einfach, mitunter scheitert der Wunsch nach Integration an denen, die integrieren und an denen, die integriert werden.


Manchmal ist der Weg zu einem gemeinsamen Miteinander aber auch ein ganz einfach – gerade dann, wenn vor allem Kinder schon früh lernen, mit kultureller und ethnischer Vielfältigkeit ganz natürlich umzugehen. Ein gutes Beispiel ist hier die Grundschule Langenäcker in Erbach. Der Anteil von Kindern mit Migrationshintergrund ist hier hoch, mit am höchsten im Stadtgebiet Homburg. Doch die damit verbundenen Herausforderungen habe man gut im Griff, war sich die stellvertretende Schulleiterin Annabelle Herzog gestern am Rande eines ganz besonderen Termins an ihrer Schule sicher.

Bei eben dem übergab Professor Heinrich Zankl vom Verein „Homburger wollen helfen“ gemeinsam mit Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind und der hauptamtlichen Beigeordneten Christine Becker die ersten von insgesamt 1000 Broschüren mit dem Titel „Gemeinsam geht es besser“. Das kindgerechte Werk, gestern verteilt an Schülerinnen und Schüler von dritten Klassen der Grundschule, soll den Mädchen und Jungen mit einer Geschichte und vielen Zeichnungen verdeutlichen, dass Ausgrenzung von anderen am Ende alle trifft – und das Gemeinsamkeit als Gegenentwurf alle voranbringt.

Der Text der Geschichte selbst stammt aus der Feder von Zankl, die Bilder zeichnete der syrische Künstler Ahmad Alghorani. Erzählt wird die Geschichte der Flüchtlingskinder Saba aus Eritrea und Ahmad aus Syrien. Beide sind neu an ihrer Schule und haben Schwierigkeiten, von der Schulgemeinschaft aufgenommen zu werden. Doch mit einem gemeinsamen Theaterprojekt, einer Idee von Saba und Ahmad, werden die Grenzen zwischen den einzelnen Ethnien schließlich überwunden, am Ende wachsen die Schülerinnen und Schüler zu einer multikulturellen Gemeinschaft zusammen. Eben die Botschaft Zankls an die Kinder: „Gemeinsam geht es besser“.

Doch wird hier ein lebensfernes Ideal gezeichnet? An der Grundschule Langenäcker zumindest scheint das nicht der Fall zu sein. So erzählte Obama, einer der Schüler, die gestern die Broschüre als erste in den Händen halten konnte, dass seine Herkunft von der Elfenbeinküste an der Erbacher Grundschule kein Problem sei – und das mit einer charmant kindlichen Art. „Ich bin der dunkelste unter meinen Freunden, als ein bisschen dunkler alls alle anderen“, lachte Obama. An der Grundschule Langenäcker habe er aufgrund seiner Herkunft keine Probleme. Im Kindergarten allerdings sei das noch anders gewesen, gestand er ein, „da haben die mich immer wegen meiner Hautfarbe geärgert“.



Annabelle Herzog machte klar, dass es, und dafür stand auch Obamas eigenes Erleben, an der Grundschule Langenäcker Ausgrenzung aufgrund von Migrationshintergrund nicht gebe, „weil wir eine unglaublich bunte Schule mit unglaublich vielen Nationalitäten sind“. Schwieriger sei die Situation vielleicht an den Schulen, an denen Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund nur einen kleinen Teil ausmachten - so ist ihre Meinung.

Herzog lenkte den Blick aber auch auf Probleme bei der Integration. Und die lägen nicht selten im Elternhaus. Herzog: „Die Vorstellung und die Art von Schule ist in anderen Ländern anders als in Deutschland. In vielen Ländern ist es nicht üblich, dass Eltern in die Schule kommen, es ist nicht üblich, dass Eltern Schule mitgestalten dürfen und mithelfen dürfen. Deswegen ist es nach wie vor ein großes Problem, Eltern dazu zu motivieren, zu uns zu kommen und sich mit uns auszutauschen.“

Zudem müsse man feststellen, dass in vielen Haushalten nach der Schule wieder die jeweilige Muttersprache gesprochen werde. Die erschwere, bei allem Engagement der Lehrerinnen und Lehrer, die Vermittlung der deutschen Sprache. „Dass es an unserer Schule aber so gut klappt, das hat vor allem eben mit diesem Engagement der Lehrer zu tun, die einen guten Job machen.“