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Tag der offenen Tür in der Ausbildungswerkstatt
Berufsinformationen aus erster Hand

Am Tag der offenen Tür im Michelin-Werke demonstrierte die 21-jährige Auszubildende Nicole Wrobel unter den fachmännischen Augen von Ausbilder Wolfgang Ludwig vom TÜV Nord (rechts) den interessierten Gästen das sogenannte Schmelz-Schweißen.
Am Tag der offenen Tür im Michelin-Werke demonstrierte die 21-jährige Auszubildende Nicole Wrobel unter den fachmännischen Augen von Ausbilder Wolfgang Ludwig vom TÜV Nord (rechts) den interessierten Gästen das sogenannte Schmelz-Schweißen. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Erste Einblicke in das zukünftige Arbeitsleben erhielten interessierte Jugendliche beim Tag der offenen Tür im Homburger Michelin-Werk. Von Thorsten Wolf

Wie schafft man es, ein komplexes System in einem sehr kurzen Zeitraum anschaulich zu vermitteln? Wenn es da um das Thema Ausbildung geht, empfiehlt sich für Unternehmen immer, sich mal ein bisschen in die Karten schauen zu lassen.


So macht es auch das Homburger Michelin-Werk in jedem Jahr mit einem Tag der offenen Tür in der Ausbildungswerkstatt. Genau dort werden in Zusammenarbeit mit dem TÜV Nord ganz unterschiedliche technische Berufsbilder gelehrt, vom Zerspanungsmechaniker über den Industriemechaniker und Betriebstechniker Elektro bis zum Mechatroniker. Zusätzlich bietet Michelin in Homburg auch die Ausbildung von kaufmännischen Angestellten an. Zudem läuft auch noch ein grenzüberschreitendes Ausbildungsprogramm. Insgesamt erlernen derzeit 38 junge Menschen im Werk einen Beruf.

Am vergangenen Samstag war es bei Michelin nun für das Jahr 2018 wieder soweit: Ausbilder und Lehrlinge unterschiedlicher technischer Berufe zeigten ganz praktisch und auch in vielen Gesprächen, was eine Ausbildung bei Michelin ausmacht.



Doch wie bringt man diese wichtige Botschaft komprimiert an den potenziellen Nachwuchs? Michael Metzen, Leiter Bildungs und Organisationsbetreuung bei Michelin in Homburg: „Wir zeigen zum einen die eigentlichen Ausbildungsinhalte, aber auch das, was ganz praktisch auf Jung-Facharbeiterinnen und -Facharbeiter im eigentlichen Arbeitsumfeld zukommt.“

Wer also am Samstag den Weg zu Michelin gefunden hatte, der bekam einen durchaus tiefen Einblick in den Ausbildungs- und Berufsalltag. Damit gab es beim Tag der offenen Tür so einiges zu sehen und zu erfahren rund um ein Berufsfeld, das vielen vor allem vor dem Hintergrund des immer wieder angemahnten Facharbeitermangels gegenwärtig ist. Gibt es diesen Facharbeiter-Mangel wirklich? „Ja, er ist wirklich da“, bestätigte Metzen, „vor allem im Bereich Elektro.“

Doch kollidiert das Streben der Unternehmen im Bereich Metall und Elektro nach dringend benötigtem Nachwuchs nicht mit dem immer wieder als Zukunftsszenario prognostizierten Verlust von Arbeitsplätzen in dieser Branche unter dem Vorzeichen von „Industrie 4.0“? Nein, war sich Metzen am Samstag sicher. „Ein Automat übernimmt nicht die Arbeit.“ Vielmehr gehe es bei „Industrie 4.0“ vor allem für den Dialog zwischen Mensch und Maschine. Damit würden sich vor allem in Zukunft die Ausbildungsinhalte verändern und modernisieren.

Die besten Botschafter für den Ausbildungsbetrieb Michelin waren am vergangenen Samstag natürlich die Lehrlinge selbst, so wie Nicole Wrobel aus Blieskastel, angehende Industriemechanikerin im dritten Lehrjahr. Zusammen mit den anderen Azubis gab sie am Samstag interessierten Besuchern Einblick in den Ausbildungsberuf. Gefragt, warum sie sich gerade für diesen Beruf entschieden habe, war Nicoles Antwort entwaffnend einfach: „Das Interesse war einfach da. Der Beruf hat mich einfach angesprochen und da hab ich mir gesagt: Das will ich machen.“

Dass sowohl Vater als auch Bruder als Elektroniker und Industriemechaniker in der gleichen Branche beruflich tätig sind, habe die Entscheidung natürlich auch beeinflusst. „Und mein Freund ist auch Industriemechaniker.“

Mit dem Umstand, dass sie in ihrem Lehrjahr die einzige Frau ist, habe sie keine Probleme. „Ich kann mich gut durchsetzen, ich komme mit den anderen gut klar.“ Die Ausbildung, so Nicoles knappes Fazit, „ist für mich genau das Richtige.“ Selbstbewusstsein verdeutliche Nicole Wrobel auch beim Blick in die Zukunft. „Man kann sich ja weiterentwickeln, in Richtung Studium, Techniker oder Meister. Ich bin noch jung, da geht noch was“, so die 22-Jährige bestimmt.

Was sie dann schon alles so drauf hat, bewies Nicole dann, als es um die praktische Vorführung des so genannten Schmelz-Schweißens ging. Unter den Augen von Ausbilder Wolfgang Ludwig vom TÜV Nord ging es mit heißer Flamme ans Werkstück – solche und andere praktische Vorführungen sorgten so bei den Besuchern am Samstag für einen guten und plastischen Eindruck davon, wie facettenreich sich eine Ausbildung im technisch-gewerblichen Bereich gestaltet.