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Woche
Martin teilt seine Funktionskleidung

FOTO: Robby Lorenz / SZ
red

Anlässlich des Martinstages gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder es ist  richtig kalt oder es regnet und stürmt. Auf einen goldenen Herbsttag braucht man am 11. November nicht mehr zu hoffen. Angesichts dieser Witterung hat man  Verständnis dafür, was ein warmer Mantel für einen frierenden Bettler bedeutet. Allerdings ist  die Geschichte mit dem Mantel heute in die Jahre gekommen, denn bei dem derzeitigen Wetter hätte der gute Martin anstatt eines römisch-kratzigen, handgeweben Wollstoffes besser ein Stück Funktionskleidung gespendet. Außen mit einer luftdurchlässigen, wasserabweisenden high-tech-Schicht und innen mit Daunen aus einer Biogänse-Farm versehen. So etwas lässt sich aber schlecht mit einem plumpen römischen Schwert zerteilen. Daran sieht man, wie die Neuzeit und die Legenden auseinanderdriften. Vor rund 60 Jahren bestieg Edmund Hillary noch mit kratziger, handgestrickter  St-Martin-ähnlicher Wollkleidung den Mount Everest. Und jedes Kind fand noch vor 50 Jahren ein Stück Mantel gegen Kälte prima. Doch was über 2000 Jahre lang unverändert galt, hat sich innerhalb von 30 Jahren völlig gewandelt. High-Tech-Kleidung ist nur ein kleiner Teil dieser schnellen Veränderung.