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Unsere Woche
Mahnmal muss an eine zentrale Stelle

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Warten, bis Gras über die Sache gewachsen ist: Mit dieser Haltung begegnen Menschen gerne mal Dingen, die unangenehm sind. Wenn die Jahre, die Jahrzehnte verstreichen, dann vergisst man eben. Außer dann, wenn irgendjemand gräbt. Oder wenn man buchstäblich über eine Erinnerung stolpert, im Alltag mit ihr konfrontiert wird. Von Ulrike Stumm

Der Holocaust, der Mord an den Juden, ihre Verfolgung, Vertreibung in der Schreckenszeit der Naziherrschaft, ist beileibe keine unangenehme Sache. Er ist ein Verbrechen. Vergessen und verdrängen ist keine Option. Schon gar nicht für eine Stadt wie Homburg, die sich gerne geschichtsbewusst gibt. In der einst Menschen jüdischen Glaubens lebten, arbeiteten, zur Schule gingen.


Ein Denkmal, ein Mahnmal für die Opfer ist ein berechtigtes Anliegen. Die Tafel an der ehemaligen Synagoge war da nur ein erster Schritt. Und damit es aufrüttelt, darf es nicht versteckt werden. Das sieht nach Pflicht­übung aus, nicht nach ehrlichem Interesse daran, an diejenigen zu erinnern, denen so unermessliches Leid zugefügt wurde. Ein Mahnmal gehört an eine zentrale Stelle. An einen Platz, an dem man im Alltag damit konfrontiert wird, den man nicht eigens suchen muss.

In vielen Städten wurden inzwischen Stolpersteine in den Boden eingelassen. Sie erinnern an die Menschen jüdischen Glaubens, die einst in einem Haus wohnten, bevor sie verfolgt und ermordet wurden. Die messingfarbenen Steine haben Kritiker. Einer ihrer berechtigten Punkte: Sie sehen eine Erniedrigung darin, wenn die Namen der Opfer mit Füßen getreten werden. Es gibt auch Gründe, die dafür sprechen: Der Erinnerung kann man nicht ausweichen, man wird im Vorüberlaufen darauf gestoßen. Das ist der Sinn eines Mahnmals, gleich in welcher Form es sich nun präsentiert. Homburg sollte sich damit keine Zeit lassen – es ist eine Pflicht, keine Option.