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CC-Club kochender Männer
Männer mit der Leidenschaft fürs Kochen

Nicht immer verderben viele Köche den Brei. Hier fachsimpeln Raimund Konrad, Wolfgang Vogelgesang, Peter Schwarz, Manfred Hettinger und Gerhard Blumenröther (von links) über Leckeres aus der Pfanne.
Nicht immer verderben viele Köche den Brei. Hier fachsimpeln Raimund Konrad, Wolfgang Vogelgesang, Peter Schwarz, Manfred Hettinger und Gerhard Blumenröther (von links) über Leckeres aus der Pfanne. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Die Küche ist längst nicht mehr reine Frauensache. Immer mehr Männer üben sich im Braten und Backen – und das auf hohem Niveau. Von Thorsten Wolf

Kochen liegt zu 100 Prozent im Trend. Kaum ein Fernsehsender kommt heute noch ohne ein Format rund um Topf und Löffel aus. Es wird um die Wette gekocht, es wird verglichen, bewertet, abgeurteilt oder angehimmelt. Daraus hat sich quasi sogar das „Berufsbild“ des Fernsehkochs entwickelt. Und bei manchem Herdplatten-Künstler muss man sich da angesichts fortwährenden TV-Präsenz schon fragen, ob er oder sie tatsächlich noch ohne Kamera-Begleitung zeitlich ein Drei-Gänge-Menü hinbekommt.


Vor diesem Hintergrund wirkte das, was da am vergangenen Samstag in der Küche des Christlichen Jugenddorfs in Schwarzenbach stattfand, schon liebevoll anachronistisch: Der „CC-Club kochender Männer in der Bruderschaft Marmite“ hatte seine Mitglieder aus der Region Mosel-Saar-Wasgau zu seinem Ordensprovinz-Fest eingeladen. Nun mag schon diese erste Beschreibung dieses Zusammenschlusses, der sich als Bruderschaft versteht, für den Unkundigen etwas erklärungsbedüftig vorkommen. Tatsächlich „wimmelt“ es beim diesem Zusammenschluss von Strukturen und Begriffen, die einer Erläuterung bedürfen: „Der ‚CC-Club kochender Männer in der Bruderschaft Marmite‘ ist eine Vereinigung von Hobbyköchen in Deutschland. ‚CC‘ steht dabei für ‚Confrérie Culinaire – Bruderschaft im Zeichen der Kochkunst‘“, so Raimund Konrad, Homburgs Kulturbeigenordneter und einer der „kochenden Männer“ in Homburg. Und: „‚Marmiten nennen sich die Mitglieder in Anlehnung an das französische Wort ‚la marmite‘ für Kochtopf“.

Gegründet wurde die Bruderschaft im März 1959, da fand in Zürich die Gründungsversammlung des „Schweizerischen Clubs kochender Männer“ statt, um die Liebe zur Kunst des Kochens und festlicher Tafelfreuden nebst guter Tischsitten zu verbreiten und zu wecken. Im März 1960, also nur ein Jahr später, hat diese Idee in Oppenheim zur Gründung des deutschen „CC-Clubs kochender Männer in der Bruderschaft Marmite“ geführt. „Die Bruderschaft kennt weder politische, ethnische, nationale, konfessionelle oder standesgemäße Vorbehalte, noch besteht die Absicht mit den Aktivitäten der Bruderschaft Gewinne zu erzielen“, so Konrad. Allerdings: Mitglied werden können nur Männer.



Am Samstag nun feierte man mit dem Ordensprovinz-Fest die hohe Kunst des Kochens. Als Gastgeber fürs Ausrichten und die Organisation verantwortlich: Die Mitglieder der „Chuchi Karlsberg Homburg“ . Moment, was ist ein „Chuchi“? So werden die quasi Ortsgruppen der Bruderschaft genannt, der Begriff ist dem Schwyzerdütsch entlehnt und steht so ungefähr für „heimatliche Küche“. In Homburg gibt es zwei solcher „Chuchis“, die „Chuchi Karlsberg Homburg“ mit zehn Kochbrüdern unter Führung von Chuchileiter Wolfgang Vogelgesang und „Gourmet 72“ mit neun Kochbrüdern, Chef ist hier Chuchileiter Manfred Gantner. Noch eine Besonderheit: Der Club verfügt quasi auch über „Dienstgrade“, die, symbolisiert mittels eines Hummers an entsprechend unterschiedlich farbigen Halsbändern, über die geprüfte Kochkunst des Trägers Auskunft geben.

Wer sich nun einen solchen Organisations-Rahmen gibt, der muss schon was aus der Pfanne und dem Topf abliefern können. Und das dies die Club-Köche ohne Zweifel und auf höchstem Niveau können, das bewies der Samstag. Auf der Menü-Karte zum sich Appetit-Anlesen: „Feigen im Schinken“ der Chuchi Gourmet 72 Homburg, „Saté Spieße vom Grill“ der Landgrafen Chuchi Pirmasens, „Thai-Curry-Süppchen“ der Chuchi Trier, „Fisch-Involtini“ der Paul-Ricard-Chuchi Ensdorf, „Kalbskotelette vom Grill mit warmen Beilagen“ der Karlsberg Chuchi Homburg, dreierlei Salate der Chuchi Saarbrücken und zum leckeren Schluss noch „Weinberg-Pfirsich Crêpes“ der Chuchi Lebach.

Also: Kochen können die Männer und Stil im französchen Gewand haben sie auch. Aber was macht den „CC-Club kochender Männer“ darüber hinaus aus? Die Antwort darauf gaben am Samstag Landeskanzler Gerhard Blumenröther, Chuchi-Leiter Wolfgang Vogelgesang von der „Chuchi Karlsberg Homburg“ und Raimund Konrad, selbst ein waschechter „Maitre de Chuchi“. Und diese Antwort der drei nannte über den Kochtopf hinweg vor allem Begriffe wie Gemeinschaft und auch Kommunikation. Kochen ist eben mehr als Kochen. Und viel mehr, als dekoratives Pfannen-Schwingen vor der Kamera.