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Laubholzmiste
Laubholzmistel bedroht Streuobstbäume

Streuobstwiesen haben ihren besonderen Charme und bald werden die Bäume auch wieder blühen. Damit sie aber so erhalten bleiben, müssen sie gepflegt werden, rät der Verband der Gartenbauvereine Saarland/Rheinland-Pfalz. So lässt sich auch eine Ausbreitung der Laubholzmistel vermeiden.
Streuobstwiesen haben ihren besonderen Charme und bald werden die Bäume auch wieder blühen. Damit sie aber so erhalten bleiben, müssen sie gepflegt werden, rät der Verband der Gartenbauvereine Saarland/Rheinland-Pfalz. So lässt sich auch eine Ausbreitung der Laubholzmistel vermeiden. FOTO: Monika Lambert-Debong
merzig-wadern. Der Befall wird durch viele Faktoren beeinflusst und führt bis zum Absterben eines Baums, wie der Verband der Gartenbauvereine Saarland/Rheinland-Pfalz informiert. Zudem bietet der Verband Hilfe bei der Bekämpfung an. red

Der Halbschmarotzer Laubholzmistel konnte sich in den vergangenen Jahren so stark ausbreiten, dass die Streuobstbestände in unserer Kulturlandschaft in Gefahr geraten. Sie entzieht dem Wirtsbaum Nährstoffe und schwächt diesen somit über Jahre hinweg bis zum Absterben des Baumes. Auf dieses Problem weist der  Verband der Gartenbauvereine Saarland / Rheinland-Pfalz  hin.


Gerade im Winter falle die Mistel vielerorts ins Auge. Alte Obstbäume wirkten als wären sie immergrün, da die Krone bei starkem Befall fast gänzlich mit Misteln durchsetzt ist. Dass sich die Mistel so stark in den Obstwiesen unserer Region ausgebreitet hat, sei  auf die zu geringe Pflege von alten Obstbäumen zurückzuführen, hieß es weiter.

Zahlreiche Mythen und Legenden ranken sich um diese Pflanze. Schutz gegen das Böse, Heilmittel in der Medizin oder als Symbol des Friedens. Die Erzählungen und Überlieferungen über die Mistel sind vielfältig und sehr interessant zu betrachten. So groß ihr Nutzen für viele Menschen und Tiere auch ist, so gefährlich sei sie für das Kulturgut „Streuobstwiese“ und die damit verbundenen ökologischen Faktoren, so der Verband weiter.  Durch die regelmäßigen Schnitte an Obstgehölzen, wie sie früher üblich waren, wurde die Ausbreitung der Mistel automatisch verringert, erläuterte Felix Ackermann, beim Verband im Thema  Streuobstkoordination tätig.



Das Ausbleiben dieser Obstbaumschnitte sowie die klimatischen Veränderungen bildeten die Grundlage für die nun vorhandene Problematik des Mistelbefalls. Milde Winter verleiteten Zugvögel dazu, länger in unserer Region zu verweilen. Durch sie werde die Mistel von Baum zu Baum übertragen und somit eine zeitlich längere Verbreitungsphase generiert. Zudem begünstigten mildere Temperaturen die Anwachsrate der Mistel auf ihrem Wirtsbaum.

Den Mythos, die Mistel sei geschützt  und dürfe nicht entfernt werden, will er endgültig aus der Welt schaffen. Die Laubholzmistel (Viscum album L. subsp. album), eine Unterart der Weißbeerigen Mistel, stehe eben gerade nicht unter Artenschutz und sei nicht auf den Apfelbaum als Wirt angewiesen. Ein weites Spektrum an Wirtspflanzen sichere somit den Fortbestand der Mistel, die für viele Vogelarten wie zum Beispiel die Misteldrossel (Turdus viscivorus) essenziell ist, „auch wenn wir sie aus den Streuobstwiesen entfernen“.

Weiterhin würden auch Birken, Pappeln oder Weiden von der Mistel befallen und erhöhten somit den Befallsdruck ohnehin.

Die Mistel gilt als Halbschmarotzer. Sie dringt in den Ast ein und entzieht dem Wirtsbaum, durch ein so genanntes Haustorium, photosynthetisch hergestellte Assimilate sowie Wasser und schwächt den Baum bis hin zum Absterben des Wirtes.

Durch die ungeschlechtliche Fortpflanzung der Mistel im Rindengewebe (Kambium) des Baumes könnten sich mehrere Sekundärsprosse aus der Primärpflanze entwickeln. Dies bedeutet, dass ein Teil der Mistel im Ast wächst und somit nicht sichtbar sei.

Werde der Ast, an dem die Misteln sichtbar sind, nun abgeschnitten, sei unbedingt auf die Sekundärwurzeln der Mistel im Rindengewebe des Wirtsbaumes zu achten. Werden nicht alle Teile der Mistel entfernt, treibt diese wieder aus und reagiert mit einem mitunter noch stärkeren Austrieb am Baum.

Jeder Baum, der von Misteln befallen ist, sollte geschnitten werden, um eine Weiterverbreitung der Mistel zu unterbinden, rät Ackermann. Nur wenn jeder Obstbaumbesitzer diese Tatsache ernst nehme, könne die Verbreitung im Streuobstbau eingedämmt werden. Man sollte nicht wahllos drauf losschneiden, sondern versuchen, didas Entfernen der Mistel mit einem sinnvollen Pflegeschnitt zu kombinieren.

Man sollte Äste ableiten, und auf die Sekundärwurzeln der Mistel in den Schnittflächen unter der Rinde achten. Im besten Fall verblieben keine Teile der Mistel im Baum. Sollte dies nicht möglich sein, so müssen in den folgenden Jahren immer wieder neue Jungpflanzen entfernt werden. Hierbei kann auch mit Kerbschnitten gearbeitet werden.

Auch sehr alte Bäume mit Mistelbefall sollten geschnitten werden. Auch wenn die Bäume nicht mehr in Gänze von den Misteln befreit werden können, verringere diese Maßnahme den Befallsdruck im Bestand und beugt somit dem Befall von jüngeren Obstbäumen vor. In den kommenden Monaten bieten viele Obst- und Gartenbauvereine Schnittkurse für Obstgehölze an.

Hier werde gezeigt, wie Streuobstbäume gepflegt und von Misteln befreit werden können. Eine Liste dieser Schnittkurse, sowie Bücher über den Obstbaumschnitt, findet man auf der Internetseite www.gartenbauvereine.de unter der Rubrik Obstwiesen. Diese Liste wird auch auf der Facebookseite (Verband der Gartenbauvereine SAL / RLP e.V.) aktualisiert.

Informationen zu Kursen und Lehrgängen im Bereich Obst- und Gartenbau beim Verband der Gartenbauvereine Saarland/Rheinland-Pfalz gibt es unter Telefon (0 68 87) 9 03 29 99 oder per E-Mail an sal-rlp@gartenbauvereine.de. Wer eine Obstwiese besitzt, diese aber nicht mehr bewirtschaften kann oder auch generelle Infos zum Obstanbau braucht, kann sich an die Streuobstbörse des Verbandes wenden, Infos ebenfalls im Internet und beim Streuobstkoordinator Felix Ackermann, Tel. (0 68 87) 90 32 99 9 oder E-Mail ackermann@gartenbauvereine.de.

So sieht es aus, wenn ein Baum auf extreme Art und Weise mit dem Halbschmarotzer, der Laubholzmistel, befallen ist.
So sieht es aus, wenn ein Baum auf extreme Art und Weise mit dem Halbschmarotzer, der Laubholzmistel, befallen ist. FOTO: Monika Lambert-Debong