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Infotermin am 12. September
Kaputtes reparieren statt wegwerfen

Defekte elektronische Geräte von der Kaffeemaschine bis zum Radiogerät, aber auch andere kauptte Dinge sollen im neuen Reparatur-Treff in Erbach unter Mithilfe von Freiwilligen, wenn irgend möglich, repariert werden. So soll weniger auf dem Müll landen.
Defekte elektronische Geräte von der Kaffeemaschine bis zum Radiogerät, aber auch andere kauptte Dinge sollen im neuen Reparatur-Treff in Erbach unter Mithilfe von Freiwilligen, wenn irgend möglich, repariert werden. So soll weniger auf dem Müll landen. FOTO: dpa / Jens Kalaene
Erbach. Handwerklich versierte Renter werden ebenso gesucht wie computeraffine junge Menschen oder erfahrene Näherinnen. In Erbach soll im September ein Reparatur-Treff aus der Taufe gehoben werden. Von Thorsten Wolf

St. Ingbert hat einen, Saarbrücken hat einen – und bald soll auch Homburg einen „Reparatur-Treff“ bekommen. So zumindest die aktuellen Pläne der Stadt. Um was geht es beim von der hauptamtlichen Beigeordneten Christine Becker angestoßenen Projekt? In aller Kürze: Beim Reparatur-Treff können Klein- und Kleinst­artikel wie beispielsweise elektronische Kleingeräte, Textilien oder Stofftiere mitgebracht werden, an denen unter Mithilfe von Freiwilligen Reparaturversuche unternommen werden. Dabei soll, so die Stadt, unter dem Motto „Reparieren statt Wegwerfen“ nicht nur der Geldbeutel, sondern auch die Umwelt geschont werden.


Nun benötigt man für einen solchen Reparatur-Treff natürlich nicht nur Dinge, die repariert werden können und sollen, sondern auch Menschen, die genug Wissen, Talent und Kompetenz besitzen, um von der Kaffeemaschine über den PC bis zum Handföhn alles wieder in Ordnung zu bringen. Deswegen ruft die Stadt alle interessierten Bastler und Bastlerinnen, ehemalige und aktive Handwerker und Handwerkerinnen aller Berufssparten und alle weiteren, handwerklich-technisch Begabten, egal ob jung oder alt, egal ob noch im Beruf oder schon in Rente als engagierte Freiwillige dazu auf, sich bei dem Eröffnungstermin am Mittwoch, 12. September, ab 15 Uhr in der Cafeteria der Awo-Ausbildungswerkstätten in der Lappentascher Straße 100 in Erbach (hinter der Musikschule) über das Projekt zu informieren. Dabei, so die Stadt, soll die verantwortliche Ansprechpartnerin vorgestellt und weitere Details erläutert werden.

Am darauf folgenden Tag, am Donnerstag, 13. September, um 15 Uhr wird dann der erste aktive Termin des Reparatur-Treffs durchgeführt. Dieser soll anschließend einmal monatlich stattfinden. „Die Kreisstadt Homburg und das Sozialpädagogische Netzwerk der Arbeiterwohlfahrt freuen sich über jede Form der Unterstützung dieses Projekts, sei es in Form von aktiver Mitarbeit bei der Reparatur und der Organisation des Treffs oder von Spenden wie Kuchen oder auch Werkzeug“, so Pressesprecher Jürgen Kruthoff .



Gestern nun wollten wir ein bisschen mehr darüber erfahren, was in der Lappentascher Straße 100 ab Mitte September los sein soll. Ein solches Mehr an Fakten gab es allerdings nicht. So ist gegenwärtig noch nicht klar, welche Rechtsform der neue Reparatur-Treff als gemeinsames Projekt verschiedener Partner haben soll, ob nun getragen von einem Verein oder in eine andere Form gegossen. Auch die eigentliche und praktische Struktur des Treffs ist noch nicht abschließend definiert, die klassischen Fragen „Wer macht was, wie und wann“ scheinen derzeit noch nicht abschließend beantwortet. Klar scheint immerhin, dass der Reparatur-Treff auf Dauer nicht am aktuell gewählten Standort bleiben soll, wo er allerdings dann in Erbach sein endgültiges Zuhause finden wird – auch das stand gestern noch nicht fest.

Sebastian Rensch, als Quartiermanager im Stadtteilbüro „Lebendiges Erbach“ im Dienste der Arbeiterwohlfahrt mit im Boot beim neuen Reparatur-Treff, machte gegenüber unserer Zeitung gestern aber deutlich, dass Projekte in anderen Städten und Gemeinden vor allem eines gezeigt hätten: „Solche Reparatur-Treffs sind Projekte, die sich in einem Prozess entwickeln müssen.“

Dass sich auch Homburg in Erbach diesem Prozess stellen will, kommt zu einer Zeit, in der vor allem Dokumentationen wie „Welcome to Sodom: Dein Smartphone ist schon hier“ international für Furore sorgen. Der Film zeigt in fast schon apokalyptischen Bilder das Leben von Menschen in Agbogbloshie, einem Stadtteil der Millionenmetropole Accra im westafrikanischen Ghana. Dieser Ort gilt als die größte „Müllhalde Europas mitten in Afrika“. Unter unvorstellbaren Bedingungen werden dort aus dem Schrott der europäischen Wegwerfgesellschaft Rohstoffe zurückgewonnen – verbunden mit Leid, Krankheit und Tod.

Kuscheltiere müssen von ihren kleinen Besitzern so einiges aushalten, gehen sie dennoch kaputt, ist die Trauer groß. Wieder hergestellt werden können sie künftig womöglich im neuen Reparatur-Treff.
Kuscheltiere müssen von ihren kleinen Besitzern so einiges aushalten, gehen sie dennoch kaputt, ist die Trauer groß. Wieder hergestellt werden können sie künftig womöglich im neuen Reparatur-Treff. FOTO: gms / Jens Schierenbeck