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Hirschhausen am Uniklinikum
„Die späte Rache der Mittelbegabten“

Mittendrin statt nur dabei: Eckart von Hirschhausen nahm sich am Donnerstag bei seiner ganz speziellen Vorlesung im Hörsaal der Anatomie des UKS viel Zeit für die fast 500 begeisterten Studentinnen und Studenten.
Mittendrin statt nur dabei: Eckart von Hirschhausen nahm sich am Donnerstag bei seiner ganz speziellen Vorlesung im Hörsaal der Anatomie des UKS viel Zeit für die fast 500 begeisterten Studentinnen und Studenten. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Der Arzt und Kabarettist Dr. Eckart von Hirschhausen begeisterte in Homburg mit einer Vorlesung die Medizin-Studenten. Von Thorsten Wolf

Er gilt als Deutschlands bekanntester Mediziner: Dr. Eckart von Hirschhausen. Was den gebürtigen Frankfurter aber so berühmt macht, ist nicht das rein Medizinische. Tatsächlich hat es von Hirschhausen geschafft, seine Berufung als Arzt zu transformieren und als Antrieb für seine Arbeit als Moderator, Comedian, Kabarettist und Schriftsteller zu nutzen. Und so gibt es inzwischen kaum eine Woche, bei der er nicht im Fernsehen zu sehen ist oder bundesweit Auftritte auf großen Bühnen hat.


Ohne Zweifel, Eckart von Hirschhausen ist der deutsche Megastar der Medien-Mediziner. Und eben diesen Megastar hatte die Fachschaft Medizin der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni am Donnerstag in Homburg zu einem Auftritt bewegen können. Zwei Stunden lang gab von Hirschhausen fast 500 Studenten eine Vorlesung, die sie wohl nicht vergessen werden.

Das Faszinierende an „Dr. Feelgood“: Wie kaum ein anderer versteht er es, ernste und wirklich wichtige Themen der Medizin und des Berufs des Mediziners in einer humoristischen Art und Weise zu verpacken, die den Effekt nie über das Ziel setzt. Dass er dieses Talent in seiner Stiftung „Humor hilft heilen“ institutionalisiert hat, das passt wie Deckel auf Topf. Und Eckart von Hirschhausen hat eine Mission: Er will die Medizin zu den Menschen bringen.



Mit einem kurzen Rückblick auf seinen eigenen Werdegang verdeutlichte der Mediziner, was ihn aus dem Arztzimmer hinaus ins Rampenlicht getrieben habe. „Medizin ist in weiten Teilen eine soziale Kunst. Deswegen dachte ich mir: Mach Medizin populär.“ Nach einem Aufbaustudium „Wissenschaftsjournalismus“ habe er dann „weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit“ fünf Jahre lang eine Gesundheitssendung beim Hessischen Rundfunk moderiert. „Da sagte ich jeden Donnerstag sinngemäß, egal was das Thema war, zusammengefasst: Nicht rauchen! Bewegen! Gemüse!“ Mit der Zeit sei ihm dann klar geworden, dass Menschen, die rauchen, sich nicht bewegen und Pommes Frites für Gemüse halten, wohl kaum ARD-Gesundheitsmagazine einschalten würden. Von Hirschhausen mit einem süffisanten Grinsen: „Und deswegen mache ich jetzt Kabarett bei RTL.“

So sei die große Frage in der medizinischen Kunst, wie man an die Leute rankomme, die es bräuchten. „Da sind wir schlecht drin. Wir warten quasi in der Notaufnahme, bis die Leute kommen, und gehen in Deutschland zu wenig raus in die Community.“ Warum dies so sei? „Weil es anders wirtschaftlich nicht belohnt wird. Wir leben in einem System, bei dem man an Krankheiten sehr viel verdient und in dem ein gesunder Mensch für uns erstmal unattraktiv ist. Das ist pervers.“

Von da aus schlug von Hirschhausen dann den Bogen auf seine ganz eigene Bewertung des aktuellen Gesundheitssystems in Deutschland – ein durchaus ernstes Thema, verpackt in mitunter beißenden Humor. So hätten zu seiner Zeit die Besten eines Jahrgangs Medizin studiert, „und die nicht so ganz hellen Kerzen im Leuchter in meiner Klasse, die haben BWL studiert. Wer aber hat heute das Sagen im Gesundheitswesen? Die BWLer. Da ist was schrecklich schief gelaufen, das ist die späte Rache der Mittelbegabten.“

Denn, so von Hirschhausen, die würden heute den Ärzten diktieren, was zu machen sei und was entsprechend hohe Fallpauschalen bringe. Dies sei ein Bruch mit den Grundsätzen der Medizin: „Bemühe Dich, mehr zu nutzen als zu schaden“ und „Das Wohl des Kranken ist das höchste Gut“. Das Gesundheitswesen sei aber kein Selbstbedienungsladen, „sondern es geht darum, dem Menschen, der leidet – und das ist ein Patient und kein Kunde – zu fragen, wie ich ihm helfen kann. Und nicht: Wie mache ich mit Deinem Leid 20 Prozent Rendite.“

In diesem typischen Duktus verabreichte von Hirschhausen wohldosiert ernste Themen jenseits einer wohlfeilen Placebo-Gabe – sehr zu Freude auch von Dennis Huynh aus der Fachschaft Medizin. Er hatte von Hirschhausens Gastspiel, der hatte später am Donnerstag noch einen Auftritt in Saarbrücken, in Homburg ermöglicht und organisiert. Mit seinem Engagement habe er gerade den Studierenden ein hochwertiges kulturelles Angebot bieten wollen, sei die Stadt Homburg doch aus seiner Sicht da für Studierende insgesamt eher ein „bisschen mau“ aufgestellt.