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Jeder ganz anders und doch zusammen

Menschen mit intensiven Blicken, zum Teil mit noch einem spielerisch verborgenem Auge zeigt Reham Abo Al Nojoom.
Menschen mit intensiven Blicken, zum Teil mit noch einem spielerisch verborgenem Auge zeigt Reham Abo Al Nojoom.
Homburg. Quiltkunst, Porträts, Landschaften, mit Ornamenten verzierte Stücke: Syrische und saarländische Künstler zeigen in einer gemeinsamen Schau in der Homburger Innenstadt ihre Arbeiten – zu sehen noch am 27. und 29. Dezember. Ulrike Stumm

Sie haben viel erlebt in diesem Jahr 2016 - und am Ende steht nochmals eine kleine, feine Werkstattschau in einem Hinterhaus-Atelier in der Homburger Innenstadt. Ein Jahr ist es her, da nahm das, was mittlerweile zum großen Projekt geworden ist, seinen Anfang. Damals, bei der Weihnachtsausstellung 2015, hatten sich sechs Künstler zusammengeschlossen - aus Syrien und aus dem Saarland. Gemeinsam zeigten sie hier ihre Arbeiten, verschiedene Stile vereint in einer intensiven Schau. Jetzt ist das erneut so - und auch wieder nicht. Denn sie waren in unterschiedlicher Besetzung und mal in größerer, mal in kleinerer Zusammenstellung an vielen Orten. Am spektakulärsten war vielleicht die Eröffnung der Schau in der Arbeitskammer in Kirkel, zu der auch Justizminister Heiko Maas kam. Dort ein wesentlicher Bestandteil des Dialogs der Kulturen: das Fotoprojekt "Faces of us" mit Porträts von Flüchtlingshelfern aus Limbach, aufgenommen von den Brüdern Omar und Khaled Al Mouqdad. Später ging es dann nach Saarbrücken, nach Ottweiler, in kleiner Ausführung nach Paris und schließlich nach Berlin. Und jetzt also wieder in Homburg zur Weihnachtsschau - ohne das Fotoprojekt, aber mit Porträts von Reham Abo Al Nojoom, einer Arbeit von Amer Ramadan , beide waren Studenten an der Universität der schönen Künste in Damaskus. Dazu kommt der aus Damaskus stammende Saarbrücker Maler Nour Jaafar, Hany Ya, ebenfalls aus Damaskus, der besondere Ornamente präsentiert. Auf der saarländischen Seite stehen die Homburger Quiltkünstlerin Pia Welsch und die Bildhauer Astrid Hilt und Ralf Jenewein.



Viele Namen, viele Stile - und doch harmoniert das im kleinen Atelierraum in der Saarbrücker Straße 22: Die leuchtenden Farben der Kimonos in Quiltkunst von Pia Welsch, die ein bisschen im Raum zu tanzen scheinen, die auf einer Seite mit bunten Ornamenten geschmückte Stele, die auf der anderen Seite schlicht weiße Verzierungen aufweist. Er habe, sagt Hany Ya, der die Muster geschaffen hat, seinen ganz eigenen Stil gefunden - ein Stempel sozusagen für das, was er so schmückt vom Möbelstück bis zur Wand, übrigens schon seit er 15 Jahre alt ist.

Dazu kommen die Porträts von Reham Abo Al Nojoom, auf denen junge und alte Menschen mit ihren Blicken den Raum zu beherrschen scheinen. Der im vergangenen Jahr typische Balken über den Augen ist nur noch bei einer Frau auszumachen, bei anderen bleibt jetzt ein Auge spielerisch verhüllt. Daneben steht Amer Ramadans zartes Bild, ein Weihnachtssack, Schnee ist fast auszumachen, aber eben auch fallende Objekte, Bomben (?), die nicht zur vermeintlich friedlichen Stimmung passen wollen. Farbintensive Landschaften hat Nour Jaafar mitgebracht, dazu kommen Reliefs und ein Kopf in Stein aus der Bildhauerwerkstatt von Hilt und Jenewein.

Das ist das Jetzt und fürs Morgen gibt's auch schon Ideen und Pläne, die sogar etwas mehr sind als das. 2017 wolle man auf die Straße gehen, sich Sparten übergreifend zeigen von Theater über Film, Bildende Kunst, Musik bis zur Literatur. Immer auf der Grundidee fußend, das darzubieten, was in der Zusammenarbeit von Geflüchteten und Einheimischen entstanden ist. 2018 soll es sogar ein Festival geben. Das trägt schon einen Arbeitstitel: "Art in exile" - mehr verrät Astrid Hilt noch nicht.

Geöffnet ist die Schau am 27. und 29. Dezember von 15 bis 18 Uhr. Man kann auch einen Termin vereinbaren, Tel. (0177) 2 26 69 96 oder Tel. (0178) 4´ 51 11 61. Die Adresse des Ateliers, in dem die Schau zu sehen ist, lautet Saarbrücker Straße 22 in Homburg . Der Eingang liegt in der Kirchenstraße, dann geht's über den Hof und Treppen hinauf ins Obergeschoss.

Noour Jaafar präsentiert farbintensive Landschaften.
Noour Jaafar präsentiert farbintensive Landschaften.
Hany Ya hat diese Stele mit teils plastischen Ornamenten verziert.
Hany Ya hat diese Stele mit teils plastischen Ornamenten verziert.
Hany Ya
Hany Ya
Auch Astrid Hilts Frauenkopf gehört zur Schau in Homburg. Fotos: Stumm/SZ-Redaktion
Auch Astrid Hilts Frauenkopf gehört zur Schau in Homburg. Fotos: Stumm/SZ-Redaktion
Astrid Hilt
Astrid Hilt