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Intensive körperliche Erfahrung auf dem Rücken des Pferdes

Anke Recktenwald (Mitte in Rot) zeigt den Teilnehmern, wie sie sich zentrieren können. Foto: Cordula von Waldow
Anke Recktenwald (Mitte in Rot) zeigt den Teilnehmern, wie sie sich zentrieren können. Foto: Cordula von Waldow FOTO: Cordula von Waldow
Einöd. Dass Reiten eine komplexe und sensible Wechselbeziehung zwischen Mensch und Pferd ist, kann man auf dem Berghof Einöd erfahren. Hier bietet Reitausbilderin und Pferdewirtschaftsmeisterin Anke Recktenwald Kurse an. cvw

"Wenn Ihr es nicht erfühlt, Ihr werdet's nie erjagen ...": Dieser uralte Spruch der Reitlehre hat bis heute seine Gültigkeit bewahrt. Und mehr als das: Erst gilt es, sich selbst und den eigenen Menschenkörper zu erspüren, zu reflektieren, wie er auf das Pferd einwirkt, um dann zur gemeinsamen Harmonie zu finden. Das ist das Ziel, das die Reitausbilderin und Pferdewirtschaftsmeisterin Anke Recktenwald ihren Kursteilnehmern seit vielen Jahren näher bringt. Und diesem Ziel streben auch die sechs Reiterinnen und ein Reiter am Wochenende auf dem Berghof Einöd nach. Jaclyn Wollscheid ist dabei, ihre siebenjährige, noch fast rohe Traberstute Vinaka einzureiten. "Ich will es ihr so leicht wie möglich machen und sie auf gesunde Weise reiten, die sie unterstützt und auf keinen Fall blockiert", erklärt die 36-jährige Freizeitreiterin. Sie nimmt seit vielen Jahren immer wieder einmal die Hilfestellung von Anke Recktenwald in Anspruch, um "mich selbst zu fühlen, in Balance und damit eine neue Harmonie zu finden". Das Faszinierende sei die Vielfalt, über welche die international gefragte Saarländerin verfüge. "Wenn man es auf die eine Weise nicht versteht, erklärt Anke es nach einem ganz anderen Prinzip, bis man seinen persönlichen Weg gefunden hat", bestätigt Vanessa Klein, die den Lehrgang für die RSG Berghof-Einöd organisiert hat. Recktenwald lädt dabei die Teilnehmer ein, zu experimentieren, mit dem eigenen Körper zu spielen, um in eine neue Bewusstheit zu finden. Daraus fällt es leichter, verständlicher, harmonischer und wirkungsvoller mit dem Pferd zu kommunizieren. Ein Beispiel ist das Abwenden des Pferdes. "Wann macht die Hilfe Sinn? Welches Bein muss gerade abfußen, damit das Pferd die Anweisung auch umsetzen kann?". Ein Selbsttest ergibt: Drehe ich mich als Mensch aus dem Geradeaus-Gehen nach links, wenn ich meinen linken Fuß abhebe, ist es am einfachsten. Dasselbe gilt für das linke Hinterbein des Pferdes. Unter dem Po im Sattel die Bewegung von Pferdebeinen und eigenem Gesäßknochen erspüren, und dann den richtigen Moment zum Abwenden abpassen zu können, ist eine spannende Übung für mehr Leichtigkeit, Harmonie und Reitfreude. Die Pferde honorieren jeden Fortschritt sofort durch entspannte, zufriedene Gesten. "Wir machen oft viel zu viel und das auch noch im falschen Moment", erkennen die Reiter. "Krass" empfinden die Teilnehmer auch die Demonstration, was die Hand am hinteren Sattel beim Pferd beim Aufsitzen verursacht: Der Sattel rückt völlig schief und zieht das Pferd aus dem Gleichgewicht, was zwei Hände vorne verhindern. Ein sehr anregendes Körperspiel war auch das Bandagieren von Schulter, Hüfte und Beinen. Rein die Bandagen regen das körpereigenen Nervensystem so an, dass Schulterverspannungen vorgebeugt werden kann. "Da man selbst spürt, was man beim Reiten erreichen möchte, und die Zusammenhänge versteht, kann man sich auch ohne Trainerin nachhaltig kontrollieren und weiterentwickeln", strahlt Vanessa Klein.