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Homburg
Im Fandorf bleibt riesige Enttäuschung

Alles Fahnenschwingen und alles Motivieren half gestern nix, vor rund 2500 Zuschauern im Fandorf auf dem Christian-Weber-Platz schied die deutschen Nationalelf von Jogi Löw mit einem historisch schlechten Ergebnis aus der Fußball-WM aus.
Alles Fahnenschwingen und alles Motivieren half gestern nix, vor rund 2500 Zuschauern im Fandorf auf dem Christian-Weber-Platz schied die deutschen Nationalelf von Jogi Löw mit einem historisch schlechten Ergebnis aus der Fußball-WM aus. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Rund 2500 Besucher verfolgen beim Public Viewing auf dem Christian-Weber-Platz das deutsche WM-Ausscheiden. Von Thorsten Wolf

Es gibt historische Momente, die möchte man eigentlich gar nicht erleben. So wie den gestern, als in Kazan nach satten 100 Minuten das Spiel der deutschen Nationalkicker gegen Südkorea abgepfiffen wurde – und die 0:2-Pleite die Heimreise von Jogis Truppe besiegelte. Damit ist zum ersten Mal eine deutsche Elf in der Vorrunde einer Weltmeisterschaft ausgeschieden – wie gesagt: ein historischer Moment, auf den man gerne hätte verzichten können, auch die rund 2500 Fans beim Public Viewing auf dem Homburger Christian-Weber-Platz.


115 Minuten zuvor hatte dort noch alles gepasst, die Laune war gut, aus den Boxen hämmerte der inoffizielle WM-Song von Fanta 4. „Zusammen“ sollte es auch diesmal wieder klappen, vielleicht sogar wieder mit einem ganz „Kroosen“ Moment. „Ich bin sicher, dass wir heute ganz klar gewinnen, 3 zu 0, ohne Hektik, ohne Stress“, war sich DFB-Fan Max Wronkel noch Minuten vor dem Anpfiff sicher. Und sein Kumpel Steffen setzte noch einen drauf: „Wir hauen die Südkoreaner mit vier Toren weg.“ Für diese Prognose ernteten die beiden im Kreis der anderen umstehenden Public-Viewer nur Zustimmung.

Ein paar Meter weiter zeigte man sich etwas zurückhaltender, einen Sieg trauten Jasmin, Elena und Marie den deutschen Kickern schon zu, doch „das wird harte Arbeit“. Am Ende waren es die drei Mädels, die im repräsentativen Vergleich der Fußball-Fans im Homburger Fandorf damit die Nase leicht vorn hatten, falsch lagen am Ende aber beide. Und nicht nur, dass es mit einem deutschen Tor weder in den ersten, noch in den zweiten 45 Minuten, noch in der Nachspielzeit klappen sollte – das Spiel war auch noch streckenweise so unansehnlich, dass sich Moderator Béla Réthy nach 30 Minuten zum Kommentar „das Beste ist bis jetzt, dass die Deutschen nicht zurückliegen“ hinreißen ließ. Es sollte nicht besser werden, auf dem Christian-Weber-Platz wie im fernen Kazan schleppten sich Fans und deutsche Kicker in Richtung Pause.



Nach eben der stieg zwar die Spannung sowohl im fernen Russland als auch im nahen Homburg. Doch aus Spannung wurde schnell Frust, hier wie dort. „So was hab ich noch nicht gesehen. Die spielen doch nur gegen Südkorea, nicht gegen Brasilien oder Belgien“, machte ein sichtlich angesäuerte Fans seinem Ärger Luft. Und von diesem Ärger hatte er so viel, dass er schon nach fünf Minuten nach Wiederanpfiff das Fandorf verließ. „Den Rest guck ich mir zu Hause an.“ Daran tat er gut, gut beraten war auch der, der den Fernseher oder den Besuch im Fandorf gegen ein bisschen Gartenarbeit oder ein Nickerchen eintauschte. Wer sich so entschied, dem blieb ein tragisches Ende erspart, ein Ende, das die Elf von Jogi Löw mit dem 0:2 nicht nur aus dem Turnier, sondern auch noch hinter Südkorea auf dem letzten Gruppenplatz warf – schön ist anders. Immerhin mochte das erklären, warum sich die Fans und die Spieler des asiatischen Landes nach dem Schlusspfiff freuten, als hätten sie den Titel gewonnen. Den amtierenden Weltmeister geschlagen und im Turnier hinter sich gelassen, da konnte man sich schon mal ausgiebig freuen.

Was noch vor dem Anfang vom Ende bemerkenswert war: Trotz der angeblich fehlenden WM-Euphorie glich die Saarbrücker Straße in Richtung Ortsausgang nach Kirkel vorm Anpfiff eher einem Parkplatz als einer Straße, bis zur Kreuzung Bexbacher Straße/B423 staute sich der Verkehr um 15.30 Uhr – da versuchten viele, noch vor dem Anstoß zu Hause und vor dem Fernseher zu sein. Und während der 100 Minuten konnte man vom letzten deutschen Auftritt bei der Fußball-WM in Russland durchaus von einem Straßenfeger sprechen – eben die waren wie leergefegt. Nun ist alles aus für die deutschen Nationalkicker. Und damit wird sich auch das Programm im Homburger Fandorf, dieses feiert bei dieser Weltmeisterschaft seine Premiere, ändern. Nach dem Ausscheiden der Deutschen werden dort jetzt wohl nur noch die beiden Halbfinal-Spiele und das Finale übertragen werden. Wie es dann mit dem Zuspruch ausehen wird, das werden Stadt und privater Betreiber sehen.

Es war der vom früheren SPD-Spitzenpolitiker Peer Steinbrück geprägte Satz „Hätte, hätte … Fahrradkette“, später sinnfrei umgetextet von Lothar Mathäus in „Wäre, wäre Fahrradkette“, der den Tag gestern auf dem Christian-Weber-Platz und in Kazan wohl am besten beschreibt und eben die Frage offen lässt: Was wäre gewesen, wenn …?