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IG Metall
Wenn Roboter immer mehr Jobs übernehmen

Die IG Metall-Gewerkschaftssekretäre Dennis Faupel (links) und Robert Wycislo informierten über robotergesteuerte Prozessautomatisierung, kurz RPA.
Die IG Metall-Gewerkschaftssekretäre Dennis Faupel (links) und Robert Wycislo informierten über robotergesteuerte Prozessautomatisierung, kurz RPA. FOTO: Sebastian Dingler
Homburg. Ein Vortrag in Homburg beleuchtete, wie die Digitalisierung zunehmend die Arbeitswelt verändert.

Die Digitalisierung ist bekanntermaßen fast an jedem Arbeitsplatz angekommen. Natürlich verwenden Arbeitnehmer heute schon Software in vielen Bereichen. Was aber passiert, wenn aus Digitalisierung Automatisierung und damit Rationalisierung wird? Wenn Computerprogramme so geschickt werden, dass sie selbst viele Arbeiten einfach übernehmen? Über eine neue Generation dieser digitalen Helfer, die sich „robotergesteuerte Prozessautomatisierung“, kurz RPA, nennt, ging ein von der IG Metall organisierter Vortrag.


Ins Kardinal-Wendel-Haus hatte man dazu den Gewerkschaftssekretär und Digitalisierungsexperten Dennis Faupel aus Frankfurt eingeladen. Er erzählte den etwa 30 Interessierten, größtenteils Arbeitnehmer von Bosch, Schaeffler oder John Deere, wie weit die RPA schon vorangeschritten ist. Im Bürobereich übernehme sie beispielsweise das Ausfüllen von Formularen oder das Kopieren, Einfügen und Verschieben von Daten. Häufig seien das jene einfachen Arbeiten, die immer wieder gleich ablaufen und die dadurch den Arbeitnehmer von höherwertigen Aufgaben abhielten.

Die RPA sorge also für eine Entlastung am Arbeitsplatz. Die Risiken liegen dabei natürlich auf der Hand: In erster Linie ist das dann der Fall, wenn Arbeitnehmer ihren Job verlieren, weil eine Software ihn günstiger erledigt. Wie ein Teilnehmer meinte, streike die Software nie, arbeite 24 Stunden am Tag und sei darüber hinaus nie krank. Faupel riet den Zuhörern als Maßnahme gegen drohenden Stellenabbau, dass sie ihre Mitbestimmungsrechte nutzen sollten. Dabei ginge es auch darum, die eigene Qualifizierung sicherzustellen und sich mittels Weiterbildung die Beschäftigung zu sichern.



Der Homburger Gewerkschaftssekretär Robert Wycislo, der in den Vortrag einführte, appellierte daran, das im Vortrag Gehörte „in die Betriebe mitzunehmen“. Davon konnte man bei der regen Beteiligung der Zuhörer an der Diskussion ausgehen. Daniel Hasenfratz aus Wiesbach, der bei John Deere arbeitet, sagte hinterher: „Ich fand die Veranstaltung gut, weil man vor Augen geführt bekam, was mit der Digitalisierung alles angestellt wird. Da sind wir auch gefragt als Betriebsräte um Regelungen zu finden, dass nicht gerade jeder Arbeitsplatz einfach so abgebaut wird durch die Automatisierung, sondern dass sich die Arbeitsplätze verändern. Auf jeden Fall müssen wir mitwirken bei dem Prozess, wie sich die Arbeitswelt verändert. Wir müssen dabei mitgestalten und sollten nicht blockieren.“

Jean-Louis Blondel sitzt für die IG Metall im Betriebsrat bei Schaeffler. Er meinte:„Man macht sich wenig Gedanken, wie das irgendwann mal in den Betrieb kommen kann oder wie weit wir da schon sind. Man denkt, man sei sehr weit weg von dem Ganzen. Aber wenn man sich mit den Kollegen unterhält, merkt man, dass man doch schon näher dran ist. Die Roboter übernehmen Sachen, die alltäglich sind, die man gar nicht mehr wahrnimmt. Deshalb muss man wachsam sein, wie man mit der Thematik umgeht. Als Interessensvertreter muss man da seine Werkzeuge nutzen.“

Susanne Meyer, die ebenfalls bei Schaeffler, und zwar im Wareneingangsbüro arbeitet, sagte: „Ich glaube, wir sind schon mittendrin in dem Ganzen. Man kriegt schon Angst, wenn man mitkriegt, was alles automatisiert läuft. Wir machen im Büro noch vieles von Hand zu Fuß, eine Software könnte das wohl auch. Ich möchte aber gern demnächst noch weiterarbeiten!“

(sedi)