| 13:44 Uhr

Heringsessen
Heute ist der Heringstag des Jahres

Homburg. Die Fischgründe sind am Aschermittwoch nicht leer gefischt, denn die Heringe sind schon längst eingelegt und präpariert worden. Normalerweise bevorzugen die Feinschmecker Matjes, aber auch der alte Salzhering kommt wieder. Von Christine Maack

Heute steht in Kantinen, Gaststätten, Vereinsheimen und privaten Küchen hauptsächlich ein Traditions-Gericht auf dem Speiseplan: Hering! Wir fragten nach, was die ernüchterten Fastnachter heute bevorzugen. Oftmals sind es sogar wieder die alten Salzhering-Rezepte aus Omas Küche.


Hering gibt es heute nicht nur in den Kantinen und Vereinshäusern, sondern auch bei politischen Veranstaltungen und in Feinschmecker­restaurants. Für den Hering am Aschermittwoch gibt es zwei Gründe. Zum einen stehen die salzigen und in eine leicht säuerliche Soße eingelegten Heringe in dem Ruf, dem Körper nach dem Alkoholgenuss wieder die notwendigen Mineralien zuzuführen und damit den
dicken Kopf zu beheben.

Zum anderen haben Fische als Fastenspeise eine lange Tradition, denn nach der katholischen Fastenregel sind nach Aschermittwoch für 40 Tage weder Alkohol noch Fleisch von warmblütigen Tieren zum Verzehr erlaubt, daher hat sich als Alternative das Fischgericht verbreitet. Schnaps und Bier dürfen übrigens am Aschermittwochstag zum allerletzten Mal noch getrunken werden, das Bier soll für das Gedeihen der Gerste sorgen, der Schnaps die Mücken vertreiben.



Die Fischgroßhändler halten ihre Herings-Kontingente jedes Jahr schon für die Karnevalszeit vor. Wie immer hat Melanie Flatter vom gleichnamigen Homburger Fischgeschäft vorgesorgt und bei ihrem bewährten holländischen Händler rund 3500 Matjes bestellt, denn sie beliefert mehrere Kantinen und Restaurants in der Region, die das Traditionsgericht geordert haben. „Manche Kunden aus dem Umkreis haben die Heringe schon am Rosenmontag abgeholt“, erklärt sie, „die wollen sie selbst einlegen.“

Die Menge, die in diesem Jahr bestellt wurde, sei etwas mehr als 2016, aber eine Tendenz hat Melanie Flatter seit einigen Jahren festgestellt: „Viele jüngere Kunden haben Lust, die Heringe wie früher selbst einzulegen, sie fragen sogar nach dem klassischen Salzhering, den man in der ursprünglichen Form ja kaum noch findet.“

Zumal man früher unter einem eingelegten Hering einen Salzfisch aus dem Fass verstand, der streng roch und den man selbst ausnehmen und wässern musste. Diese Arbeit wollen sich die wenigsten noch machen, „doch es gibt ab und zu mal Nachfragen, vor allem, wenn man die Rezepte von der Oma hervorholt“, betont Melanie Flatter. Dennoch sind und bleiben die leicht gesalzenen, dickfleischigen Matjes die Renner, sie machen weniger Arbeit, betont die Fisch-Expertin: „Und sie kommen ohne Konservierungsstoffe aus und sind deshalb bekömmlich.“

Melanie Flatter hat ihre speziellen Rezepte für die Soßen, besonders beliebt ist die klassische Sahnesoße mit Zwiebeln, Karotten und Gurken, Äpfel gibt es auf Anfrage, „wegen der Allergien“. Aber auch Dillrahm-Soße, Senfsoße oder Rote-Beete-Soße werden stark nachgefragt, sogar eine laktosefreie Soße kann man ordern: „Ich bin auf alles eingerichtet.“

Am heutigen Aschermittwoch findet wieder um 19.30 Uhr auf Einladung von Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind das Heringsessen der Stadt Homburg im Saalbau statt. Neben Gästen aus Politik und Unternehmen sowie Ehrenamtlern soll dies auch eine Veranstaltung für alle Bürgerinnen und Bürger sein. Da der Platz im Saalbau jedoch begrenzt ist, hatte die Stadt Homburg – wie schon in den vergangenen Jahren – 100 Plätze für das Heringsessen im Vorfeld verlost. Bis zum 5. Februar konnte man an der Verlosung teilnehmen, wer heute Abend kommt, muss also seine Karten dabei haben.

Auch Ortsvertrauensmann Gerhard Wagner lädt für den heutigen Aschermittwoch um 8.30 Uhr, zum 22. Beeder Heringsessen in die Sporthalle ein. Wagner wird dabei wieder zu aktuellen Beeder Themen Stellung nehmen. Ein Höhepunkt des Abends wird die Verleihung der von ihm gestifteten Beeder Bürgermedaille an Personen sein, die sich durch ihr ehrenamtliches Engagement im Stadtteil verdient gemacht haben.

Zum Aschermittwoch wird nicht die Nordsee leergefischt, denn die meisten Matjes werden nach der Filetierung tiefgefroren. Dadurch bleibt der optimale Genusszustand über lange Zeit erhalten, so dass der Matjes „holländische Art“ das ganze Jahr über in gleichbleibender Qualität erhältlich ist. Wer fangfrischen Matjes möchte, muss bis zum Juni warten, erst dann ist die echte Matjes-Zeit.
Zum Aschermittwoch wird nicht die Nordsee leergefischt, denn die meisten Matjes werden nach der Filetierung tiefgefroren. Dadurch bleibt der optimale Genusszustand über lange Zeit erhalten, so dass der Matjes „holländische Art“ das ganze Jahr über in gleichbleibender Qualität erhältlich ist. Wer fangfrischen Matjes möchte, muss bis zum Juni warten, erst dann ist die echte Matjes-Zeit. FOTO: picture alliance / dpa / Stefan Sauer