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Hebammenschule feiert Geburtstag
Hebammenschule feiert Geburtstag

Eine Hebamme untersucht auf unserem Symbolfoto eine schwangere Frau. An der Hebammenschule am Uniklinikum in Homburg gibt es 36 Ausbildungsplätze für diesen Beruf.
Eine Hebamme untersucht auf unserem Symbolfoto eine schwangere Frau. An der Hebammenschule am Uniklinikum in Homburg gibt es 36 Ausbildungsplätze für diesen Beruf. FOTO: Fredrik von Erichsen / dpa
Homburg. Im Herbst 1957 wurde die Hebammenschule am Uniklinikum in Homburg gegründet. Die Leiterin Susanne Mack spricht vor der Feier zum 60. Geburtstag über die Faszination des Berufs und über Schwierigkeiten, die es gibt. Von Ulrike Stumm

„Viel wissen und wenig tun. Beobachten, ohne dass sich die Frauen beobachtet fühlen. Und wenn es darauf ankommt, schnell und richtig handeln.“ Susanne Mack kann das Wesen des Berufs der Hebamme in wenigen Sätzen auf den Punkt bringen. Obwohl das nüchtern klingt, schwingt da deutlich die Faszination mit. Denn schließlich darf man bei einer Geburt dabei sei. „Es ist ein Wunder, immer wieder“, sagt sie. Dabei weiß sie natürlich auch, dass man es mit Grenzsituationen zu tun bekommt, nichts sei gleich. Doch dadurch erhalte man spannende und tiefe Einblicke ins Menschsein.



Susanne Mack ist seit etwa zweieinhalb Jahren Leiterin der Hebammenschule am Universitätsklinikum des Saarlandes (UKS) in Homburg, hat nach ihrer Ausbildung sieben Jahre lang als Hebamme im Kreißsaal gearbeitet, studiert, an vielen Schulen gelehrt. Jetzt freut sie sich über einen besonderen Festtag: Die Hebammenschule, in der es ja grundlegend um Geburten geht,  feiert ihren eigenen Geburtstag, den 60., am Samstag, 25. November, mit offenen Türen und vielen Informationen (siehe Infobox). Sie wurde am 22. Oktober 1957 als staatlich anerkannte „Hebammenlehranstalt“ gegründet. Die Leitung der Schule hatte Oberschwester Ottilie Schlehdorn und ärztlicher Leiter war Professor Hans Limburg. Soweit die Geschichte.

Die heutige Hebammenschule steht unter der ärztlichen Leitung von Professor Erich-Franz Solomayer. 36 Ausbildungsplätze in zwei Kursen gibt es an der UKS-Hebammenschule. Drei Jahre dauert es, bis man hier einen Abschluss in der Hand hält. Die Einrichtung kooperiert mit der katholischen Hochschule in Mainz, an der ein paar Schülerinnen aus Homburg pro Jahrgang während der Ausbildung bereits ihr Studium beginnen können, Ziel: ein Bachelorabschluss. Mittlerweile gebe es in Deutschland auch Hochschulen, an denen man direkt Hebamme studieren kann, vier Jahre dauere dies. Ohnehin sei es die Zukunft, dass künftig jeder diesen Beruf studiere, führt Mack aus.

Wer derzeit die Hebammenschule besuchen möchte, der braucht den Abschluss der Mittleren Reife, wer einen Hauptschulabschluss hat, muss zusätzlich eine mindestens zweijährige, erfolgreich abgeschlossene Berufsausbildung vorweisen. In der Praxis haben die meisten mittlere Reife, Abitur oder Fachabitur, sagt Mack. Auch wenn die Schule offiziell nicht nur Hebammen, sondern auch Entbindungspfleger, die „männlichen Hebammen“, ausbildet – Männer, die hier lernen, gibt es nicht. Bundesweit soll es gerade einmal sechs solcher Entbindungspfleger geben, informiert Mack.

Trotz Geburtstag: Es ist nicht alles rosig in der Hebammenwelt, heftig diskutiert wird derzeit über die steigende Belastung in Kreißsälen. Das liege, so Mack, zum einen daran, dass kleinere Kliniken geschlossen werden. Größere verzeichnen im Umkehrschluss dann mehr Geburten. Zudem gebe es keinen Personalschüssel, wie viele Hebammen es brauche, um Frauen unter der Geburt angemessen zu betreuen. „Wir wünschen uns, dass eine Hebamme die ganze Zeit bei einer Frau bleibt, die gerade ein Kind zur Welt bringe, und nicht drei gleichzeitig betreut – aber so sieht die Wirklichkeit oft aus. Und die Tendenz sei steigend.“ Das sei für die Frauen unschön und für die  Hebammen auch unbefriedigend. Die Folge: Es fehlten Hebammen im Kreißsaal. Eigentlich „bilden wir genug aus“, wenn sie im Beruf bleiben würden, gäbe es genug, sagt Mack.

Neben der Belastung, die einigen zu hoch wird, gingen auch viele der Frauen irgendwann selbst in die Familienpause – und steigen danach nicht wieder ein. Der Beruf müsste attraktiver werden von der Bezahlung und von den Arbeitsbedingungen in den Kreißsälen. Dennoch ist Mack sicher, dass man sich hier etwas einfallen lasse – im Sinne der Frauen.

In einer Klinik Geburten zu betreuen, ist nur eine Facette des Berufsfeldes. Es gibt dabei die angestellten Hebammen und solche, die als so genannte Beleghebammen arbeiten, die „ihre“ Frauen in die Klinik begleiten. Darüber hinaus sind Hebammen aber zum Beispiel auch in Geburtshäusern, Hebammenpraxen, in der Geburtsvorbeitung, der Schwangerenvorsorge tätig. Zudem betreuen sie Frauen zu Hause, die gerade aus der Klinik kommen. Heute entlasse man die Frauen nach einer Geburt möglichst schnell. Doch dann stellten sich erst die Fragen. Eine Hebamme helfe dabei, mit der neuen Situation zurecht zu kommen.

Generell sei es ein sehr selbstständiger Beruf, einer, der sehr nah dran sei am Leben. Das mache ihn für viele Frauen attraktiv. Und einer mit viel Verantwortung. Das macht etwa dieses Beispiel deutlich: Eine Hebamme sei berechtigt, eine normal verlaufende Geburt zu leiten, auch wenn in einer Klinik dann  ein Arzt hinzukomme. Aber ein Arzt dürfe nie eine Geburt allein machen. Es muss immer eine Hebamme dabei sein.

Auch wenn die Faszination, bei einer Geburt dabei zu sein, sie immer wieder begeistert: An Kliniken wächst die Belastung der Hebammen, das wird von vielen Seiten kritisiert. Allerdings gibt es auch andere Möglichkeiten, den Beruf auszuüben. So bieten Hebammen auch Kurse an und helfen Mutter und Kind in den ersten Tagen zu Hause
Auch wenn die Faszination, bei einer Geburt dabei zu sein, sie immer wieder begeistert: An Kliniken wächst die Belastung der Hebammen, das wird von vielen Seiten kritisiert. Allerdings gibt es auch andere Möglichkeiten, den Beruf auszuüben. So bieten Hebammen auch Kurse an und helfen Mutter und Kind in den ersten Tagen zu Hause FOTO: Angelika Warmuth / picture alliance / dpa