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Friedhofsschließung bewegt die Gemüter

Homburg. Aufgrund von Sparmaßnahmen soll es zukünftig auf den Friedhöfen in Altbreitenfelderhof und Websweiler keine neuen Erdbestattungen mehr geben. Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind sprach darüber mit den Bürgern. Bernhard Reichhart

Aufgrund der angekündigten Sparmaßnahmen für mehrere kleine Friedhöfe in Homburg regt sich in der Bevölkerung seit Wochen starke Kritik. Betroffen von einer Teilschließung sind auch die in Altbreitenfelderhof und Websweiler. Am Freitagabend stellte sich Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind dort den Bürgern und erläuterte die Gründe für die geplanten Teilschließungen. Seine Ankündigung, die Friedhöfe im Betrieb einzuschränken und keine Erdbestattungen mehr zuzulassen (abgesehen von Beisetzungen in bereits bestehenden Familiengräbern und in Urnenstelen), sorgte für Unverständnis und Verärgerung. In der emotional ziemlich aufgeladenen Veranstaltung, zu der der Jägersburger Ortsvorsteher Jürgen Schäfer eingeladen hatte, sah sich Schneidewind teilweise sehr heftigen Vorwürfen ausgesetzt.

Trotzdem versuchte er, die Kosten für den Erhalt der Friedhofsanlage, die Notwendigkeit deutlicher Sparmaßnahmen struktureller Art sowie die Auflagen der Kommunalverwaltung als Gründe für den Entschluss einer Teilschließung der Friedhöfe sachlich zu erläutern: "Wir müssen die Gesamtstruktur der kostenintensiven Friedhöfe überdenken", betonte er. Es werde keine neuen Erdbestattungen geben, doch seien Urnenbestattungen in Stelen weiterhin möglich. Seine Ausführungen stießen aber auf wenig Verständnis. "Eine verrückte Idee, bei den Toten zu sparen. Wir brauchen keine Stelen", erklärte Ute Stalter: "Niemand kann uns eine Urnenbestattung vorschlagen, das ist eine Entmündigung der Toten, eine Schande" meinte Elke Bernd.

"Die Friedhofskultur ist eine Spiegelbild der Gesellschaft". Mit höhnischem Lachen begleitet wurden die von Schneidewind angeführten Kosten von 30 000 Euro sowie die Arbeitsstunden, die der Baubetriebshof für den Einsatz auf dem Friedhof in Altbreitenfelderhof angebe. Schneidewind wies die Vorwürfe zurück, gestand jedoch ein, dass er an der Effizienz des Baubetriebshofes (aber auch in anderen Bereichen), sprich Stellenabbau, arbeite. "Wir müssen den von der Kommunalaufsicht geforderten Anteil von 65 Prozent an den Aufwendungen für Bestattungen erreichen", erklärte Schneidewind. Derzeit liege der Kostendeckungsgrad bei 37 Prozent. Heini Glaser, der dem Oberbürgermeister eine Unterschriftenliste gegen die Schließung übergab, forderte die Offenlegung der Unterhaltungskosten und "genaue Zahlen für unseren Friedhof, denn wir sehen hier keine sichtbaren sofortigen Einsparungskosten".

Auf Zustimmung bei den Bürgern stieß der Vorschlag von Andrea Ingrao, über die Möglichkeit einer Übergangslösung für Erdbestattungen für einen bestimmten Zeitraum nachzudenken. Ortsvorsteher Jürgen Schäfer regte die Gründung einer Stiftung an, in die die Bürger einzahlen und damit auf Honorarbasis Ehrenamtliche für die Unterhaltung des Friedhofes bezahlen könnten. "Dann entstehen für die Stadt keine Kosten ", betonte er. Er werde die beiden Prüfungsaufträge "ohne Versprechen" mitnehmen und sie prüfen, kündigte der OB an. Im Anschluss stand Schneidewind den Websweilern in der Hubertusklause in einer etwas sachlicheren Veranstaltung Rede und Antwort.