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Filmteam auf König Stanislaus' SpurenZwei Stäbe gehen auf große Reise

Homburg. Er war wohl ein bemerkenswerter Mann, dieser Stanislaus Leszczynski. Der polnische König schmiedete Allianzen, um seinen Thron zurückzuerobern, musste immer wieder fliehen und verbrachte viele Jahre im Exil, kam dadurch aber auch in der Welt herum. Er wurde dabei sogar Herzog von Lothringen Von SZ-Redakteurin Ulrike Stumm

Homburg. Er war wohl ein bemerkenswerter Mann, dieser Stanislaus Leszczynski. Der polnische König schmiedete Allianzen, um seinen Thron zurückzuerobern, musste immer wieder fliehen und verbrachte viele Jahre im Exil, kam dadurch aber auch in der Welt herum. Er wurde dabei sogar Herzog von Lothringen. Dazu war er an Philosophie interessiert, prägte die Architektur, galt generell als hochgebildeter, den schönen Künsten zugewandter Mensch - und auch als Lebemann. Das sind nur einige Eckpunkte aus der Welt des Königs, der Anfang des 18. Jahrhunderts einige Jahre im schwedisch regierten Herzogtum Pfalz-Zweibrücken strandete und dadurch in unserer Region aktiv war. Wenn Iwona Wiemer und Gernot Waldner von dieser historischen Persönlichkeit erzählen, ihn sozusagen als "einen der ersten Europäer" würdigen, dann bekommt man richtig Lust, ihn näher kennen zu lernen - so gut das aus der zeitlichen Entfernung geht. Alle, die das tun möchten, haben es mit den beiden gut getroffen, denn sie bemühen sich mit Vorträgen, Kunstwerken und vielen weiteren Aktionen um die Stansilausschen Spuren. Nun sind gleich zwei spannende Projekte um den Polenkönig gestartet, von denen die beiden beim Besuch in der Homburger SZ-Redaktion berichten.Zum einen sollen zwei Stäbe, die Gernot Waldner geschaffen hat, an wichtige Stationen des königlichen Lebens geschickt und dort fotografiert werden. Zum anderen soll ein Film entstehen, der sich in zwei bis drei Teilen der Beziehung zu Polen und seinen europäischen Spuren widmen wird. Verwirklicht werde dies mit dem polnischen Fernsehsender "Telewizja Leszno" und mit Hilfe von Spenden, berichtet Wiemer, die selbst ursprünglich aus Polen kommt. Vor einigen Jahren war sie selbst in der polnischen Stadt Leszno, die Stammsitz der Familie Leszczynski ist. Dort hat die Idee ihren Ursprung. Die Dreharbeiten in unserer Region haben gestern begonnen. Geplant sind Interviews, gefilmt werden sollen auch Plätze, an denen Stanislaus wirkte. In Zweibrücken etwa an der Fasanerie, die er einst als Lustschlösschen Tschifflick anlegen ließ. In Homburg wird die alte Synagoge Drehort sein. Hier nämlich befand sich einst die Franziskanerkirche, in der Stanislaus mit seiner Familie häufig an Gottesdiensten teilgenommen haben soll. Auch Gräfinthal werde in dem Film vorkommen, denn hier sei seine älteste Tochter Anna begraben. Ziel des Projektes ist es, den König bekannter zu machen. Hoffentlich, so Iwona Wiemer, werde der Film von möglichst vielen Sendern gekauft und ausgestrahlt. Fertig sein soll er Ende des Jahres. Hier in der Region erhalte das Zweibrücker Stadtmuseum eine Kopie für nicht-kommerzielle Zwecke. "Er ist wirklich eine interessante Persönlichkeit", sagt Wiemer. Schon bei ihren Vorträgen über ihn sehe sie, dass die Leute "echtes Vergnügen haben". Und viele seien hinterher positiv überrascht, dass Geschichte so interessant sein kann.Homburg. In Sachen Polenkönig Stanislaus ist der Künstler Gernot Waldner kein Unbekannter. Nun hat er sich erneut etwas Besonderes ausgedacht: Ausgangspunkt ist seine abstrakten Skulptur an der Fasanerie in Zweibrücken "Der Wanderer - Stanislaus", zu der auch die Schriftplatte mit einem Text von Wolfgang Ohler gehört. Mantelform und Wanderstäbe dienten hier als Sinnbild für den ruhelosen Wanderer zwischen Polen, Bessarabien, Zweibrücken und Lothringen. Nun hat Waldner zwei Stäbe geschaffen, genauso groß wie die in Zweibrücken, zusätzlich wurden diese mit dem in Bronze gegossen Wappen des Königs versehen. Die sollen nun als Wegmarken Stationen von Stanislaus Lebensweg nachzeichnen, werden dafür in die Städte geschickt, die für ihn entscheidend waren. Gebannt werde dies in Fotos, bei denen die Stäbe von Politikern und Kulturbeauftragten oder auch von Touristen vor markanten Gebäuden gehalten werden. Und diese werden dann in einer Foto-Ausstellung zusammengefasst, die in Polen, Nancy oder Lunéville, Zweibrücken und Homburg zu sehen sein soll. Am liebsten würde Waldner die Foto-Schau in Homburg in der alten Synagoge zeigen. Dort soll auch eine der Säulen nach ihrer Rückkehr montiert werden, die andere werde in Zweibrücken aufgestellt. ust