| 00:00 Uhr

Feste stehen auf dem Prüfstand

Homburg. Homburg schaut kritisch auf seine Feste, möglicherweise soll eines gestrichen werden. Klar ist aber noch nichts. Derzeit ist eine Arbeitsgruppe dabei, alles genau zu überprüfen. Auch externe Fachleute sollen mitwirken, heißt es aus dem Rathaus. Ulrike Stumm

Dass am Homburger Stadtfest geschraubt wird, ist ja an sich nichts Neues. So lange ist es zum Beispiel noch nicht her, dass das Oktoberfest sich eben ins Stadtfest wandelte. Damals, 2010, wurde es noch an die Kirmes gekoppelt, die ihrerseits in die Innenstadt zog. Als Gründe nannten die Verantwortlichen bei der Stadt: Das Oktoberfest sei bei den Besucherzahlen ohnehin auf dem absteigendenden Ast gewesen, und die Kirmes am Forum liege im Sterben. Das neue Konzept war zunächst ein Erfolg, dann ging es für die Kirmes etwas hin und her - zuletzt auf den Scheffelplatz. Und im vergangenen Jahr gab's zu dem ganzen Feierkonzept wieder durchaus kritische Anmerkungen.

So richtig zufrieden scheinen die Verantwortlichen nicht zu sein. Jedenfalls wird zurzeit der Homburger Festereigen, zu dem neben den städtischen auch die Partys anderer Veranstalter gehören, genau unter die Lupe genommen. Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind hatte beim Heringsessen der Stadt einen Blick auf den Feierkalender geworfen und nicht nur angekündigt, dass die Festa Italiana auf den Marktplatz umziehen soll, sondern auch von einem Fest im Herbst gesprochen, auf das "wir sicher verzichten können" (wir berichteten). Dass damit das Stadtfest gemeint war, liegt auf der Hand. Eingetütet ist aber noch gar nichts. Das bestätigte Stadt-Pressesprecher Jürgen Kruthoff auf Anfrage.

Eine Arbeitsgruppe im Haus sei dabei, sich mit allen Festen zu beschäftigen - auch mit den nicht-städtischen. Es habe bereits eine interne Besprechung gegeben, bei einer nächsten wolle man externen Sachverstand hinzuholen, etwa die Brauerei, den Gewerbeverein, eventuell Schausteller, erläuterte Kruthoff.

Vorschläge sollten zunächst in die Gremien gehen, dann in den Stadtrat. Zu welchem Ergebnis die Arbeitsgruppe komme, ist offen. Es könne bei den Beratungen herauskommen, dass auf ein Stadtfest verzichtet werden könne oder auch etwas ganz anderes, so Kruthoff. Die Gruppe könne ganz frei agieren. Die Tendenz des Oberbürgermeisters gehe dabei eher in Richtung Reduktion nach dem Motto: ein bisschen weniger, aber das umso schöner.

Zum einen sei es das Ziel, Geld zu sparen, zum anderen, gehe es aber auch darum, falls ein Fest gestrichen werde, in andere eventuell mehr zu investieren, so der Pressesprecher weiter.

Mit ersten Ergebnissen und Vorschlägen der Beratungen rechnet er noch in diesem Jahr. Allerdings: Zunächst wird wohl weiter so gefeiert wie gewohnt. "Dass es in diesem Jahr noch zu Veränderungen bei den Festen oder Terminen kommen kann, davon würde ich nicht ausgehen", betonte Kruthoff.


Meinung:
Klasse geht vor Masse



Von SZ-Redakteurin Ulrike Stumm

Sommer, Sonne, Feierlaune - kaum einer sagt einfach so Nein zu einer guten Party. Homburg hat in dieser Hinsicht allerhand zu bieten. Allerdings - und da braucht es eigentlich keine große Hintergrund-Analyse - nicht alle Feste sind gleichermaßen Publikumsmagnete, nicht jeden Termin merken sich die Menschen fürs nächste Jahr gerne vor.

An den vielen Veranstaltungen vom Mai- bis zum Stadtfest, das bis vor einigen Jahren nach ein Oktoberfest war, ist immer schon mal gedreht worden. Das ist auch gut so, denn neben Dauerbrennern gibt es eben Feste, die ihre beste Zeit hinter sich haben, die etwas muffig und angestaubt daherkommen. Es ist mehr als überfällig, dass die Stadt hier ausmistet - und sie sollte den Mut haben zu radikalen Schnitten. Sie müssen, und das ist die Kunst, an der richtigen Stelle gesetzt werden.

Wenn ein Fest gestrichen wird, dann schafft das an anderer Stelle Platz für mehr - auch beim finanziellen Engagement. Das Schlimmste, was einer Stadt passieren kann, ist nicht, dass etwas weniger gefeiert wird, sondern dass es langweilig wird und es am Ende heißt: Schon wieder 'ne Party, alles eine Soße - und kaum einer geht noch hin.