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Kaffee-Kultur
Die Kaffeekultur wird hier gelobt

Katja (links) und Amina bei der Zubereitung von Anis-Plätzchen, rechts Chef Günter Zöllner, der als gelernter Konditormeister alles im Auge hat.
Katja (links) und Amina bei der Zubereitung von Anis-Plätzchen, rechts Chef Günter Zöllner, der als gelernter Konditormeister alles im Auge hat. FOTO: Christine Maack
Bexbach. Das Magazin „Der Feinschmecker“ erwähnt in seinem neuen Heft die Bäckerei Zöllner mit ihren Spezialitäten. Von Christine Maack

Andreas van der Haar balanciert gerade ein volles Blech mit frischen Anis-Plätzchen in Richtung Ofen. Anis-Plätzchen sehen zwar klein aus, aber es verbirgt sich eine Menge Arbeit dahinter: „Die Masse muss erst warm, dann kalt gerührt werden, sie muss gut getrocknet sein, bevor sie in den Ofen kommt“, erklärt Günter Zöllner, der stolz ist, dass das Plätzchen-Rezept seit 150 Jahren unverändert seine Liebhaber findet, „das ist alles handgemacht, das schmeckt man auch“.


Die Traditions-Bäckerei Zöllner, 1955 in Altstadt gegründet, hat sich nur äußerlich radikal erneuert, die Tradition guter Back- und Konditorkunst wurde nicht aufgegeben: Die Bäckereien nennen sich zwar „The art of bakery“, aber die Weihnachtsplätzchen sind eher „the art of Oma“. Und nun wurde Zöllners neues Konzept von berufener Stelle sogar ausgezeichnet, nämlich vom renommierten Magazin „Der Feinschmecker“. Unter dem Titel „Kaffeekult im Saarland“ lobt das Magazin das spezielle Konzept Zöllners, vor allem seine adventlich aromatisierten Latte-Spezialitäten, Zimtwaffel-Latte oder Vanillekipferl-Macchiato. Besonders stilvoll sei der Jamaica-Blue-Mountain-Kaffee, eine besondere Spezialität unter Kaffee-Kennern.

Merkt man es, wenn das Feinschmecker-Magazin jemanden lobt? Ohne Zweifel, betont Zöllner, „vor allem bei auswärtigen Kunden. Es gibt ja viele Vertreter oder Geschäftsleute, die im Saarland unterwegs sind, die schauen im Internet oder lesen solche Tipps und kommen daraufhin zu uns“. In der Tat ist das Café am Ortseingang von Bexbach in der Kleinottweilerstraße am Vormittag gut gefüllt, „es kommen Lehrer, die hier Konferenzen abhalten, Kolleginnen, die zusammen frühstücken, natürlich Beerdigungs-Gesellschaften, aber auch einzelne Leute, die in Ruhe an ihrem Notebook arbeiten. Kürzlich kamen 13 Kunden, die eine 70 Kilometer lange Anreise hatten“.



Günter Zöllner betreibt die Bäckerei in Form einer GmbH zusammen mit Helmut Schunk, beide Fachleute: Zöllner ist Konditor- Schunck Bäckermeister, „und wir haben 60 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, alles richtige Stellen, wir arbeiten nicht mit Leiharbeitern“, so Zöllner. Dass seine Preise nicht mit Discountern mithalten können, weiß er, „aber dafür bieten wir hier auch eine Qualität, die man dort nicht findet“. Damit seine Tee- und Kaffee-Spezialitäten immer gleichbleibend gut sind, hat er auch eine Wasseraufbreitungsanlage angeschafft, „denn wenn das Wasser nicht perfekt ist, nützen auch die besten Kaffeebohnen und Teesorten nichts. Es muss alles passen“.

Sein großes Cafè an der Kleinottweiler Straße besteht seit über zwei Jahren, landesweit bekannt geworden ist es durch eine eher skurrike Sache, denn Zöllner musste seine Schaufensterreklame  zurückfahren, weil dies laut Satzung der Stadt Bexbach nicht erlaubt war (wir berichteten). Was die übrigen Betriebe in der Nachbarschaft ebenfalls betraf. „Damit wurden wir auch sehr bekannt“, amüsiert er sich, auch wenn er für diese Verordnung wenig Verständnis hat. „Das ganze Areal umfasst 500 Quadratmeter, wir betreiben hinter dem Verkaufsgeschäft auch die ganze Produktion unserer süßen Sachen, also Torten, Kuchen und Plätzchen.“ Vorher habe an dieser Stelle eine Videothek gestanden, „die schon längst leer stand.“

Was Günter Zöllner besonders freut: Mit Nathalie Schnell aus Bexbach hat sein Betrieb die Landessiegerin im Konditorhandwerk ausgebildet. Sie bereitet sich jetzt auf den Bundesentscheid vor. Allerdings wird sie nicht bei Zöllner in Bexbach bleiben, „das ist eben so im Handwerk, man verändert sich. Aber ein guter Lehrbetrieb bleibt dennoch ein ganzes Leben.“

Wenn im „Feinschmecker“ ein Betrieb gelobt wird, kommen Kunden auch von weiter her.
Wenn im „Feinschmecker“ ein Betrieb gelobt wird, kommen Kunden auch von weiter her. FOTO: Christine Maack