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Eingeschränkten Menschen helfen

Das Projekt „mobisaar“ soll Menschen mit eingeschränkter Mobilität – also etwa mit einer Geh- oder Sehbehinderung – die Nutzung von Bahn und Bus erleichtern. Unser Foto zeigt den Busbahnhof in Blieskastel. Foto: Joachim Schickert
Das Projekt „mobisaar“ soll Menschen mit eingeschränkter Mobilität – also etwa mit einer Geh- oder Sehbehinderung – die Nutzung von Bahn und Bus erleichtern. Unser Foto zeigt den Busbahnhof in Blieskastel. Foto: Joachim Schickert FOTO: Joachim Schickert
Homburg. Das Konzept „Mobisaar“ setzt auf individuelle Begleitung im Nahverkehr. Zielgruppe sind ältere oder behinderte Menschen. Derzeit wird das Projekt in Saarbrücken erprobt. Im Saarpfalz-Kreis soll es jetzt kommen. Erich Schwarz

"Mobisaar" kommt nun auch in den Saarpfalz-Kreis. In einer Auftaktveranstaltung im Foyer der Bliesgaufesthalle stellten am Mittwochabend die Kooperationspartner des neuen Lotsensystems die Konzeptidee vor. Was ist "mobisaar"? Unter dem Schlagwort verbirgt sich die Idee, Menschen mit eingeschränkter Mobilität - also etwa geh- oder sehbehindert - die Nutzung von Bahn und Bus zu erleichtern. Damit, so die Kooperationspartner in ihrer Information, werde "ein wichtiger Beitrag zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben" geleistet. Bei der - für die hochsommerlichen Verhältnisse - gut besuchten Auftaktveranstaltung, stellte Daniel Bieber das Konzept vor. Er ist als Professor am Saarbrücker Institut für Sozialforschung und Sozialwirtschaft sozusagen der "Kopf" der Projektes, das auch vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt wird.


Ausgangspunkt ist die Tatsache, dass durch den demografischen Wandel immer mehr ältere Bürger in ländlichen Regionen leben, Kinder und Enkelkinder jedoch nicht mehr in dem Maße als Unterstützung zur Verfügung stehen, wie das früher der Fall war. Und da der Öffentliche Personennahverkehr (ÖPNV) in den ländlichen Regionen auch eher bescheiden ist, sollen die Lotsen helfen, die Mobilität der beschriebenen Personengruppen zu erhöhen. So sollen die haupt- oder ehrenamtlichen Helfer ihre "Kunden" auf dem Weg zum Einkaufen, zum Arzt, zur Bank oder zu Behörden begleiten, ebenso auf dem Weg zu Bekannten, Freunden, Verwandten oder zu Kulturveranstaltungen. Sie geben Hilfestellungen beim Ein-, Aus- oder Umsteigen, bieten Orientierungshilfe an wichtigen Umstiegshaltestellen, sie bieten Unterstützung beim Bedienen der Fahrkartenautomaten und beraten beim Lesen der Fahrpläne. Die neuen "mobisaar"-Lotsen werden individuell nach einem Schulungskonzept eingearbeitet, fachlich begleitet und haben auch die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen. Und was sollten diese Ehrenamtler mitbringen? Sie müssen mindestens 18 Jahre alt sein, Freude und Interesse am Umgang mit älteren Menschen oder Menschen mit einem Handicap haben. Wichtig ist ein gepflegtes äußeres Erscheinungsbild, höfliches Auftreten sowie Zuverlässigkeit und Kontaktfreudigkeit. Sie sollen bereit sein, an vereinsinternen Qualifizierungsmaßnahmen teilzunehmen und gewohnt sein, selbstständig zu arbeiten. Wie Professor Bieber in seinem Eröffnungsreferat ausführte, ist das Projekt im Regionalverband Saarbrücken schon seit einigen Monaten in der Erprobung. Mit dem Schritt in den Saarpfalz-Kreis geht man sozusagen erstmals in eine ländliche Region. "Ich bin gerade als Bürgermeister einer ländlichen Gemeinde sehr stark an dem Konzept interessiert", unterstrich daher auch Gerd Tussing , der Bürgermeister aus dem Mandelbachtal.

Er will zusammen mit den Partnern das Konzept auch bei den Seniorentagen vorstellen. Auch Bürgermeisterin Annelie Faber-Wegener aus Blieskastel sieht die Stadt in Sachen Barrierefreiheit auf einem guten Weg und will das Projekt positiv begleiten. Ab September soll es nun mit "mobisaar" im Saarpfalz-Kreis losgehen: "Aber das Projekt ist noch im Fluss, nichts ist fertig", unterstrich Professor Daniel Bieber noch den Modellcharakter. Nach dem Saarpfalz-Kreis soll das Projekt nach und nach auf das gesamte Saarland ausgedehnt werden, hieß es.



Zum Thema:

Auf einen Blick "Mobisaar" ist eine Kooperation von der Bahnhofsmission Saarbrücken, Tel. (0681) 91 03 21 72, der LAG Pro Ehrenamt, Tel. (0681) 3 79 92 65, und dem Sozialverband VdK , Tel. (0681) 58 45 91 29. Bereits jetzt kann der Lotsendienst im Regionalverband unter der Service-Hotline (0 68 98) 5 00 40 00 gebucht werden oder per Email unter mobisaar@saarvv.de. Wie Kristina Lemke von Pro Ehrenamt mitteilte, gibt es bereits Anfragen für den ehrenamtlichen Lotsendienst im Saarpfalz-Kreis. ers

Professor Daniel Bieber stellte das Konzept „mobisaar“ in der Bliesgaufesthalle in Blieskastel vor. Foto: Erich Schwarz
Professor Daniel Bieber stellte das Konzept „mobisaar“ in der Bliesgaufesthalle in Blieskastel vor. Foto: Erich Schwarz FOTO: Erich Schwarz