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Die Zeit zwischen den Jahren
Eine schöne Zeit zwischen den Jahren

Der Tannenbaum ist der traditionelle Begleiter der Weihnachtszeit.Deshalb sollte man sich an ihm  erfreuen, denn schon bald verliert er die Nadeln.
Der Tannenbaum ist der traditionelle Begleiter der Weihnachtszeit.Deshalb sollte man sich an ihm  erfreuen, denn schon bald verliert er die Nadeln. FOTO: Oliver Krato / dpa/dpaweb
Homburg. Heute beginnt die Woche zwischen den Jahren. Fast vier Wochen hat man sich auf die Festtage vorbereitet, nun geht alles schnell vorbei.

Die Vorweihnachtszeit mit ihren Konzerten, Krippenspielen und den traditionellen Zimtwaffel- und Glühweingerüchen wird so ausgiebig begangen, dass man am Ende froh ist, dass endlich die echten Festtage da sind. Und dass man sich nun mit ruhigem Gewissen über den Gänsebraten hermachen darf.



Denn eigentlich ist die Vorweihnachtszeit streng genommen ja eine Fastenzeit. Und nach dem Fasten schmeckt ein Gänsebraten allemal besser, als wenn man sich schon Wochen vorher mit Stollen und Plätzchen vollgestopft hat. Aber wer fastet schon angesichts vorweihnachtlicher Köstlichkeiten?

Doch ob Fasten oder Plätzchen essen, in der kommenden Tagen ist kulinarisch alles erlaubt, man sollte die Woche also ausgiebig genießen, denn nur wenige Tage währt die schöne, besinnliche Zeit zwischen den Jahren, die heute beginnt.

Als Kinder spielten wir nie so hingebungsvoll mit unseren neuen Geschenken wie in der wunderbaren Zeit zwischen Weihnachten und Neujahr.  Die neue Barbie wurden hundertmal am Tag an- und ausgezogen, während die Jungs selbstvergessen vor ihrer ihrer Carrera-Bahn hockten und den Ruf zum Essen geflissentlich überhörten. Im Fernsehen liefen alte Filme, allen voran „Sissi, die junge Kaiserin“, die gleich mal mit Barbie als Sissi und Ken als Kaiser Franz-Josef nachgespielt wurde.

Die Eltern hatten Zeit, im Sessel zu sitzen und in den neuen Büchern zu blättern, wenn nicht gerade Verwandtschaft zu Besuch kam, die zwischen den Jahren irgendwie auch immer viel netter war als sonst.

Doch schon sehr bald werden die ersten Böller und Knaller, die auf den Straßen gezündet werden, die Silvesternacht ankündigen. Frostige, ärmellose Abendkleider, glitzernde Damenschuhe mit hohen Absätzen und dekorativ umgekippte Champagnergläser zieren die Schaufensterauslagen und wirken im Vergleich zur gerade erst weggeräumten, heimeligen Kerzenromantik regelrecht beängstigend. Kein sanftes Übergleiten in den Alltag, nein, die laute und bunte Silvester-Party und die darauf folgende erste Januarwoche sind der nüchterne Kehraus der Weihnachtszeit.

Die Stadtverwaltung vermeldet schon jetzt, wo man seinen Tannenbaum loswerden kann, das Wohnzimmer wird mit Hilfe eines laut brummenden Staubsaugers von den Nadeln befreit, die Krippenfiguren auf dem Dachboden verstaut - und was folgt, ist mal wieder die große Leere. Jedes Jahr eine schreckliche Vorstellung!

Ab und zu findet man beim Osterputz dann noch einen vom Staubsauger nicht erfassten Lametta-Streifen. Ach, Weihnachten, das war ja vor einer Ewigkeit...

Vielleicht bleibt es da als schwacher Trost, dass dies so gar nicht der alten Tradition entspricht. Denn ein Höhepunkt im Reigen der schönen Weihnachtszeit ist früher auch der Dreikönigstag gewesen.

Bis ins 18 Jahrhundert wurde bis in den Januar hinein gefeiert, gelacht und Komödie gespielt. Shakespeare verfasste sogar ein komisches Stück dazu, Twelfth Night genannt – aufzuführen in der zwölften Nacht nach Weihnachten, also am Epiphania-Tag, dem 6. Januar.

Und es gab am Epiphania-Tag sogar Geschenke. Eine Tradition, die in Italien und Frankreich bis heute gepflegt wird. Wem die kommenden Festtage allzu schnell vorbeifliegen, der kann sich ja ein paar Gaben auf die Seite legen und sie am 6. Januar verteilen. Und sei es nur, um die schöne Weihnachtszeit nicht wieder so schnell und so sang- und klanglos zu versenken.

Wer möchte, kann auch eine kurze Fahrt nach Frankreich über die Grenze unternehmen, denn dort gibt es meist schon nach dem Neujahrstag überall  in den Bäckereien und Supermärkten die „Galette des rois“, ein Blätterteig-Kuchen, der wahlweise mit Apfelmus, Marzipan oder Frangipane (eine Mandel-Vanille-Creme) gefüllt ist und der traditionell am 6. Januar serviert wird. Allein die süße Füllung wäre noch nicht der Grund, warum Kinder die Galette so mögen, nein, im Innereren versteckt sich eine Bohne – heute meist ein kleines Porzellan-Figürchen – das man in einem Strück erwischen muss. Hat man dies geschafft, ist man König für einen Tag und kann seinen Tischgenossen alle möglichen verrückten Befehle erteilen.

Nach dem Dreikönigstag muss man sich in unserer Region nicht grämen, dann kommt traditionell die Fastnacht so richtig in Fahrt. Und danach wird wieder gefastet. Aber bis dahin ist noch viel Zeit.

In der Woche zwischen Weihnachten unmd Neujahr kann man in Ruhe die neuen Spielsachen ausprobieren.
In der Woche zwischen Weihnachten unmd Neujahr kann man in Ruhe die neuen Spielsachen ausprobieren. FOTO: Nicolas Armer / dpa