| 19:17 Uhr

Eine eigene musikalische Sprache

Als Teil des Cosmopolitan Sextett servierten Evelina Pabarciute und Rick-Henry Ginkel einen stimmungsvollen, frechen und hörenswerten Querschnitt dessen, was Jazz heute ausmacht. Foto: Thorsten Wolf
Als Teil des Cosmopolitan Sextett servierten Evelina Pabarciute und Rick-Henry Ginkel einen stimmungsvollen, frechen und hörenswerten Querschnitt dessen, was Jazz heute ausmacht. Foto: Thorsten Wolf FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Einzig das Wetter konnte am Samstag dem ein oder anderen Jazz-Interessierten ein bisschen was von der Freude vermiesen. Die Musiker auf der Bühne taten dagegen alles, um ihren Zuhörern ein Jazz-Konzert von allerhöchster Güte zu präsentieren. Thorsten Wolf

Frech, musikalisch professionell, abwechslungsreich und bestens aufgelegt präsentierte sich am Samstagmorgen das Cosmopolitan-Sextett um den Homburger Gitarristen, Pianisten und Saxofonisten Rick-Henry Ginkel beim Jazzfrühschoppen. Wahrhaft international besetzt gab es Eigenkompositionen und Jazz-Standards - bei allerdings wirklich miesem Wetter. So waren es deutlich weniger Gäste als sonst üblich, die dem Konzertvormittag folgten. Wer sich aber trotz Regen auf dem Marktplatz eingefunden hatte, der wurde mit einem Jazz-Konzert von ganz besonderer Klasse belohnt.



In der Besetzung Stanislav Zhukovskyy (Oboe und Englisch-Horn), Rick-Henry Ginkel (Gitarre), Juan Sebastián Arauz (Klavier und E-Piano), Gabriele Basilico (E-Bass), Fabian Künzer (Schlagzeug) und Anton Zhuovskyy (Percussion und Synthesizer), verstärkt von Evelina Pabarciute am Mikrofon, entspann sich ein Vormittag zwischen Tradition und Moderne mit einer echten musikalischen Vielfalt.

Diese Vielfalt war es auch, die Rick-Henry Ginkel als Basis für die Musik des Cosmopolitan-Sextetts mit seinem Mitgliedern aus unterschiedlichen Ländern nannte. "Es ist dieser Mix unterschiedlicher Stile, es ist kein reiner Jazz . Es ist Klassik drin, Pop, Folklore und natürlich auch klassischer Jazz und Bebop." So gehe es darum, eine eigene musikalische Sprache zu finden, "das ist unsere Aufgabe". Da stellt sich die Frage, was Jazz heute eigentlich ist, inzwischen durchaus weit ab von der Urform der US-amerikanischen Südstaaten. Ginkel: "Es ist eben diese Vielfalt, die verschiedenen Einflüsse, das macht für mich den Jazz heute aus." Bei allen Einflüssen dürfe man ihm trotzdem traditionelle Wurzeln nicht ziehen, "den Swing dürfte man mir nicht wegnehmen".

Bei aller Freiheit des Jazz heute zeigte Rick-Henry Ginkel im Gespräch mit unserer Zeitung auch Grenzen auf, die er persönlich nicht überschreite. "Ich würde nie komponieren, um dem Publikum zu gefallen." Auch Cross-Over sei nicht seine Sache, "also nichts à la David Garrett". Was ihm auch nicht über die Notenblätter und die Saiten komme, das seien völlig freie Geschichten. "Es geht mir immer um die Aussage. Und meine Aussagen und meine Interpretationen sind so gestaltet, dass sie auch dem Publikum gefallen können. Was ich damit sagen möchte ist: Es gibt viele Musiker , die technisch sehr gut sind. Und manche von denen fangen dann an, ganz radikal und alternativ zu sein, spielen nur noch ganz frei. Und dieses Spielen ohne Struktur, das interessiert mich nicht."

Und noch eine Frage drängte sich angesichts dessen, was es am Samstagmorgen zu hören gab, beim Homburger Rick-Henry Ginkel auf: Was macht einen guten Jazzgitarristen aus, das Tragende oder das Dominante. "Beides, vor allem aber das Begleiten. Da merkt man, ob man gut Gitarre spielen kann oder nicht." Und in welchem Verhältnis stehen beim Jazz Gefühl und Wissen zueinander? "80 Prozent Gefühl, 20 Prozent Wissen."

Beim nächsten Jazzfrühschoppen am kommenden Samstag, 27. August, dürfen sich die Fans des Homburger Musiksommer auf einen ganz besonderen musikalischen Höhepunkt freuen. Dann wird mit der Formation Fanfare Ciocarlia eine 14-köpfige Balkan-Brass-Band den historischen Marktplatz in ein buntes, lebendiges und musikalisches Tollhaus verwandeln, versprechen die Veranstalter.