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Ein Urgestein des Klinikums geht

Homburg. Als Professor Werner Schmidt, 65, nach Homburg kam, da spielte der FC noch in der Bundesliga. Dem Verein ist er bis heute treu geblieben, "auch jetzt in der Oberliga". Gelegentlich besuche er noch Spiele - "zur Entspannung", berichtet er im Gespräch mit unserer Zeitung Von SZ-Redakteurin Ulrike Stumm

Homburg. Als Professor Werner Schmidt, 65, nach Homburg kam, da spielte der FC noch in der Bundesliga. Dem Verein ist er bis heute treu geblieben, "auch jetzt in der Oberliga". Gelegentlich besuche er noch Spiele - "zur Entspannung", berichtet er im Gespräch mit unserer Zeitung.Beharrlichkeit hat er auch in seiner Funktion als Direktor der Uni-Klinik für Frauenheilkunde, Geburtshilfe und Reproduktionsmedizin bewiesen. Gut 20 Jahre hat er diese geleitet, dabei "alle Hauptdisziplinen der Frauenheilkunde entwickelt und gestaltet". Heute, sagt er, "zählen wir schon zu den großen Frauenkliniken in Deutschland, obwohl Homburg keine Großstadt ist". Wenn er jetzt geht, dann hat er in seiner Amtszeit neben vielen anderen auch ein besonders sichtbares Zeichen hinterlassen: das neue, kombinierte Gebäude von Frauen- und Kinderklinik, das mit seinem Brunnen ein markanter Punkt auf dem Homburger Campus ist. "Mit der Option, dass für Frauen- und Kinderklinik ein Neubau vorgesehen ist", sei er damals nach Homburg gelockt worden, erinnert er sich. Als er kam, war das alles noch auf drei Gebäude verteilt, die mit Gängen untereinander verbunden waren. Es sollte einige Jahre dauern, bis der Neubau stand: 1995 war es dann soweit. "Es war für mich faszinierend, mich selbst in die Planung einbringen zu können", und damit die Klinik so mitzugestalten, "wie ich es als richtig empfand". Alle drei Säulen, die Gynäkologie samt Onkologie und Brustzentrum, die Reproduktions- und die Perinatalmedizin seien nun unter einem Dach vereint. Dass Frauen- und Kinderklinik im gleichen Haus waren, hat sich auch auf die Geburtenzahlen ausgewirkt. Zwar seien direkt als er kam, deutlich mehr Kinder an der Homburger Uniklinik auf die Welt gekommen. Doch mit dem Neubau seien die Geburtenzahlen noch mal sprunghaft nach oben gegangen, auf bis heute etwa 1400 pro Jahr, erinnert sich Schmidt. Erfolgreich sei auch die Reproduktionsmedizin, zu der etwa die künstliche Befruchtung zählt, die eingeführt wurde. Ausgebaut wurde zudem die Onkologie, ob bei der Behandlung von Gebärmutterhalskrebs oder anderen großen Operationen in diesem Bereich. Das Ziel: das wichtigste onkologische Zentrum im Südwesten zu werden. Parallel dazu lief die Einrichtung und Weiterentwicklung des Brustzentrums und damit verbunden deutlich mehr Patientinnen. Dazu gehörten auch die wieder aufbauenden plastischen Operationen, wenn etwa wegen einer Krebserkrankung eine Brust abgenommen werden muss. "Das gab's damals in unserer Region gar nicht." Und besonders stolz ist er auf die Zertifizierung von der Deutschen Krebsgesellschaft. Die Liste des Erreichten ist also lang, Zeit neben dem Beruf war knapp. 14 bis 16 Stunden haben er täglich gearbeitet, meist sei er erst zwischen 21 und 22 Uhr heimgekommen. Raum blieb manchmal noch für den Sport: Tennis, Rennradfahren und ein bisschen Golf. In Homburg will Schmidt bleiben, allerdings wird er wohl viel unterwegs sein. Denn mit dem Abschied vom Klinikum hört das Arbeitsleben nicht auf. Es zieht ihn weit weg: In Bahrain, Saudi-Arabien und Katar will er mithelfen, onkologische Zentren aufzubauen und die Frauenheilkunde richtig auf den Weg zu bringen. Dazu lernt er auch Arabisch. In Homburg übernimmt ab heute Professor Erich-Franz Solomayer von der Uni-Frauenklinik in Tübingen. Dem wünscht Schmidt viel Glück und Erfolg und verbindet damit die Hoffnung, dass der Nachfolger den Standort noch weiterentwickeln kann. "Homburg zählt zu den großen Frauenkliniken in Deutschland." Professor Werner Schmidt




Zur PersonGeboren wurde Professor Werner Schmidt am 5. Oktober 1943 im badischen Waghäusel bei Bruchsal. Nach Studienjahren in Frankfurt am Main und Heidelberg, Promotion und Approbation arbeitete er an der Heidelberger Universitäts-Frauenklinik, unter anderem als leitender Oberarzt, später als Chef, nachdem der vorherige Leiter verstorben war. In diese Jahre fällt auch eine zweijährige Gastprofessur an der Yale-University im US-amerikanischen Bundesstaat Connecticut. Seit dem 1. Oktober 1989 ist er Chef der Homburger Uniklinik für Frauenheilkunde, Geburtshilfe und Reproduktionsmedizin. Schmidts Arbeit wurde auch mit mehreren Ehrendoktorwürden ausgezeichnet, unter anderem von der Semmelweis-Universität im ungarischen Budapest. Schmidt hat zwei erwachsene Kinder und lebt mit seiner Frau in Homburg. ustZur PersonGeboren wurde Professor Werner Schmidt am 5. Oktober 1943 im baden-württembergischen Waghäusel bei Bruchsal. Nach Studienjahren in Frankfurt am Main und Heidelberg, Promotion und Approbation arbeitete er an der Heidelberger Universitäts-Frauenklinik, unter anderem als leitender Oberarzt, später als Chef, nachdem der vorherige Leiter verstorben war. In diese Jahre fällt auch eine zweijährige Gastprofessur an der Yale-University im US-amerikanischen Bundesstaat Connecticut. Seit 1989 war er Chef der Homburger Uniklinik für Frauenheilkunde, Geburtshilfe und Reproduktionsmedizin. Schmidts Arbeit wurde auch mit mehreren Ehrendoktorwürden ausgezeichnet, unter anderem von der Semmelweis-Universität im ungarischen Budapest. Er ist zudem der Vorsitzende der Homburger Frauenhilfe nach Krebs. Schmidt hat zwei erwachsene Kinder und lebt mit seiner Frau in Homburg. ust