| 21:18 Uhr

Unruhige Zeiten für die Stadt
Ein skurriler Abend im Saalbau

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Das war schon ein sehr spezieller Abend im Homburger Saalbau. Während die Heringe im Vorraum darauf warteten, den etwas mehr als 500 Besuchern serviert zu werden, kam es im großen Saal des Kulturzentrums zu einem skurrilen Auftritt, der in der jüngeren Geschichte wohl seines Gleichen sucht. Da muss ein Bürgermeister, also der zweite Mann der Stadt, gegen den aktuell umfangreiche Ermittlungen des Staatsanwalts wegen des Verdachts auf Untreue und Betrugs laufen, die Besucher begrüßen, um anschließend das Wort an seinen Chef, den Oberbürgermeister, weiterzureichen. Der wiederum hat bereits eine Anklage der Staatsanwaltschaft wegen Untreue an der Backe. Und als ob dies an Absonderlichem nicht reichen würde, gibt der OB bekannt, dass er seinen Vertreter als Verantwortlichen der EDV-Abteilung suspendiert hat. Einmal abgesehen davon, dass eine solche Entscheidung wohl eher Sache des Stadtrates ist: Was bezweckt der OB mit der öffentlichen Verlautbarung: Will er seine Macht demonstrieren oder nur von der eigenen Causa ablenken? Wer im Glashaus sitzt... Auf jeden Fall ist dies ein unwürdiger Akt in einem drittklassigen Homburger Theaterstück, dessen Ausgang auf ein Drama größeren Ausmaßes zuzusteuern scheint. Von Peter Neuheisel

Das Heringsessen vom Mittwoch machte erneut deutlich, in welch einer vertrackten Situation sich die Kreis- und Universitätsstadt wegen der Affären befindet. Die Betroffenen scheinen nicht mehr selbst in der Lage zu sein, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Vielleicht ist die Einschätzung der Ministerpräsidentin da hilfreich: das Amt ruhen lassen, sobald Anklage erhoben wird. So einfach ist das – und so schwer zugleich.