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Ein Schandfleck sorgt für Gefahren

Seit Montag sind Teile der ehemaligen Gießerei Backes, früher Krempel, und der Entenmühlstraße abgesperrt, da im oberen Stockwerk des Verwaltungsgebäudes Teile der Decke herabgestürzt sind. Fotos: Thorsten Wolf
Seit Montag sind Teile der ehemaligen Gießerei Backes, früher Krempel, und der Entenmühlstraße abgesperrt, da im oberen Stockwerk des Verwaltungsgebäudes Teile der Decke herabgestürzt sind. Fotos: Thorsten Wolf
Homburg. Autofahrer staunten am Montagnachmittag nicht schlecht. In der Entenmühlstraße stürzten Trümmer der heruntergekommenen früheren Gießerei Backes auf die Fahrbahn. Diese musste daraufhin teilweise gesperrt werden. Thorsten Wolf

In Sachen leer stehender Gebäude läuft es derzeit in Homburg nicht wirklich gut. Nachdem kürzlich ein Bereich der Eisenbahnstraße vor der Passage Schreiner gesperrt werden musste, weil Teile des Daches in die Fußgängerzone gefallen waren (wir berichteten), hat es am Montag nun die alte, seit Jahren leer stehende Gießerei Backes "erwischt". Dort war ein Teil der Decke des oberen Stockwerks eingestürzt, Steine fielen bis auf die Entenmühlstraße. Der Baubetriebshof musste den Bereich unmittelbar vor dem Gebäude und die Rechtsabbiegespur der Entenmühlstraße in Richtung Stadtmitte sperren (wir berichteten kurz).

Seit Jahren fällt das, was sich in und an der Gießerei Backes, ehemals Krempel, abspielt, unter die Rubrik "städtebaulicher Missstand". Das nun betroffene Verwaltungsgebäude und die alten Werkhallen im Bereich Beeder Straße/Entenmühlstraße wirken insgesamt so, als könnten sie jeden Moment noch weiter einstürzen. Ein Passant brachte es am Montag angesichts der Sperrung so auf den Punkt: "Man sollte das Ganze schnell abreißen, bevor Menschen gefährdet werden."

Doch wie groß ist die Gefahr tatsächlich? Wir fragten gestern bei der Stadt Homburg nach. Die ist zwar nicht Eigentümerin des Gebäudekomplexes - der befindet sich in privater Hand - doch hat in der Stadtverwaltung die Untere Bauaufsicht ihren Sitz. Jan Emser von der Pressestelle der Stadt gab einen kurzen Einblick in das, was nach dem Teileinsturz nun geboten ist. "Der Eigentümer des Gebäudes wurde über den Schaden informiert und hat sich auch schon vor Ort ein Bild gemacht." Seitens der Unteren Bauaufsicht sei er zudem dazu aufgefordert worden, einen Sachverständigen hinzuzuziehen, um die Tragfähigkeit des Gebäudes überprüfen zu lassen und das bestehende Gefährdungspotenzial für den öffentlichen Raum festzustellen. Dafür habe man dem Eigentümer eine sehr kurze Frist gesetzt. Alles Weitere ergebe sich nun aus dem, was der Sachverständige feststelle.

Dass Kommunen mit baufälligen Privat-Gebäuden durchaus ihre liebe Mühe haben, zeigen einige Fälle in der Region, so auch der des so genannten "Roten Hauses" in Altstadt, einer leer stehenden Ruine in der Ortsstraße. In solchen Fällen bewegen sich Bauaufsicht und Ortspolizeibehörden immer auf einem schmalen Grat zwischen der Wahrung der Rechte der Gebäudeeigentümer (Artikel 14 Grundgesetz) und dem nötigen Schutz der Öffentlichkeit. Dieser Schutz beschränkt sich in einem ersten Schritt darauf, den Eigentümer zu einer angemessenen Absicherung des Gebäudes zu bewegen. Kommt der dem nach, haben Kommunen erst mal keine weitere Handhabe - städtebaulicher Missstand hin oder her.



Zum Thema:

Auf einen Blick Seit vielen Jahren stehen die Gebäude und Hallen der alten Eisengießerei Backes, früher Krempel, im Bereich Beeder Straße/Entenmühlstraße leer und sind dem Verfall preisgegeben. Schon mehrfach berichtete unsere Zeitung über den Zustand der Gebäude, die sich in privater Hand befinden. Das Areal ist in Zusammenhang mit dem Gelände des anschließenden und ebenfalls aufgegebenen DSD-Werkes auch Teil des städtebaulichen Entwicklungskonzeptes 2004 bis 2020 der Stadt Homburg als Bestandteil der Planungen für eine mögliche B 423-Umgehungsstraße. thw

Durch eines der Fenster kann man die Schäden des Deckeneinsturzes recht genau erkennen.
Durch eines der Fenster kann man die Schäden des Deckeneinsturzes recht genau erkennen.