| 22:12 Uhr

Störche werden beringt
Ein Ring, damit kein Storch verloren geht

Drei junge Störche hockten gestern brav im Nest im Beeder Biotop und ließen sich einen Ring ans Bein binden. Mehrere Zuschauer waren trotz der Hitze zu diesem Ereignis ins Biotop gekommen.
Drei junge Störche hockten gestern brav im Nest im Beeder Biotop und ließen sich einen Ring ans Bein binden. Mehrere Zuschauer waren trotz der Hitze zu diesem Ereignis ins Biotop gekommen. FOTO: Karl-Theo Dzieia
Beeden. Die Saarpfalz verfügt mit 100 Störchen und 21 Jungtieren über die höchste Dichte an diesen Zugvögeln im Saarland. Wobei nicht alle Störche wirklich wegziehen. Am Beeder Fischweiher bleiben sie gerne das ganze Jahr über. Von Christine Maack

Es war heiß, die Sonne brannte aufs Beeder Biotop, die Menschen schwitzten - nur der dort ansässige Storch konnte in luftiger Höhe sein Nest umkreisen. Dass seine drei Jungstörche, die vor etwa vier Wochen das Licht der Welt erblickt hatten, gestern Besuch von Menschen bekamen, machte ihn etwas unruhig. Der menschliche Besuch dauerte aber nur 20 Minuten und diente wissenschaftlichen Zwecken, denn die drei Jungtiere wurden jeweils mit einem schwarzen Ring am Bein ausgestattet.


 Es gibt Kleinkameras, die man seiner Hauskatze umhängen kann oder elektronische Chips, die man Löwen einpflanzt. Und es gibt Ringe, die man Vögeln ums Bein bindet. „Natürlich nur, wenn die Dicke des Beins ausgewachsen ist“, erklärt Norbert Fritsch, ehemaliger Direktor des Neunkircher Zoos und immer noch wissenschaftlicher Mitarbeiter der deutschen Vogelwarte in Radolfzell, der gestern die Beringung von drei Jungstörchen im Biotop vornahm.

Eine kleine Gruppe aus Storchenvätern und Storchenexperten hatte sich trotz sengender Sonne eingefunden, darunter Karl-Theo Dzieia und Gustav Zimmermann aus Beeden, Horst Leibrock aus Limbach und Christoph Braunberger von der landesweiten Storchen AG des Nabu. Wobei sich das Wort „landesweit“ umfassender anhört, als es ist, denn es gibt Störche überhaupt nur im östlichen Saarland an Blies und Oster, also in den Landkreisen St. Wendel, Neunkirchen und natürlich in der Saarpfalz mit dem höchsten Bestand von derzeit rund 100 Störchen und 21 Jungvögeln.



Die Storchenjungen tragen jetzt Nummern, die mit AE anfangen. Daran könne man sofort erkennen, aus welcher Gegend sie kommen, erklärt Norbert Fritsch.

Es sei gar nicht so einfach, die Beringung vorzunehmen, denn man könne nur mit einem Hubsteiger heranfahren, so Fritsch. Was gestern freundlicherweise von den Stadtwerken Blieskastel erledigt wurde. Dann müssen die Jungstörche brav und möglichst regungslos im Nest liegen, denn „wenn sie am Rand herumsitzen, können sie herunterfallen“ - und dann muss der Ring auch „klack“ machen. Wobei sich Fritsch schon öfter den Daumen eingeklemmt hat.

Wie Christoph Braunberger vermeldete, habe es seit dem Start des Storchenprojektes im Jahr 1998 mit dem ersten Storch in Beeden noch nie so viele Storchenjunge im Saarpfalz-Kreis gegeben, was an der früh einsetzenden Wärme und dem damit verbundenen guten Nahrungsangebot liege. Während Stochenfreunde mit über 30 bereits vorgefertigten Nestern in der Saarpfalz den Zugvögeln ideale Bedingungen anbieten möchten, gibt es auch ein eigenwilliges Stochenpärchen in Mimbach, das sich an der Blies sein Heim mit Pappelzweigen selbst zusammengebaut hat.  Es handelt sich dabei wohl um ein echt saarländisches Paar, das Mimbach auch so bald nicht mehr verlassen wird.    Übrigens:  Kaum war der Menschen-Pulk aus dem Biotop verschwunden, flog Vater Storch schnell herbei und kontrollierte, ob auch alles in Ordnung sei. Dass die Jungen nun kleine Plastikklötzchen am Bein tragen, dürfte er nicht bemerkt haben.

Mit einer Hubvorrichtung kommt Norbert Fritsch nahe genug ans Nest heran, um die Jungvögel zu beringen.
Mit einer Hubvorrichtung kommt Norbert Fritsch nahe genug ans Nest heran, um die Jungvögel zu beringen.