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Alexander Ziegler geht
Ein „Macher“ sagt den Schülern adieu

Mit Ablauf des Monats Januar geht Alexander Ziegler, seit elfeinhalb Jahren Rektor der Luitpoldschule in Erbach, in den Ruhestand. Damit endet eine mehr als 44-jährige Laufbahn im Schuldienst, die Ziegler auch an die Grundschule Jägersburg und die Hohenburgschule geführt hatte.
Mit Ablauf des Monats Januar geht Alexander Ziegler, seit elfeinhalb Jahren Rektor der Luitpoldschule in Erbach, in den Ruhestand. Damit endet eine mehr als 44-jährige Laufbahn im Schuldienst, die Ziegler auch an die Grundschule Jägersburg und die Hohenburgschule geführt hatte. FOTO: Thorsten Wolf
Erbach. Der Rektor der Luitpoldschule in Erbach, Alexander Ziegler, wird am 31. Januar in den Ruhestand verabschiedet. Von Thorsten Wolf

Am kommenden Mittwoch,  31. Januar, hat er ganz offiziell seine letzte Schicht, Alexander Ziegler, der Rektor der Luitpold-Grundschule in Erbach. Fasst man zu diesem durchaus einschneidenden Tag die mehr als 44 Jahre währende Laufbahn von Ziegler mit einem Begriff zusammen, dann wäre „Marke Ziegler“ wohl ziemlich passend – denn genau das ist er, eine echte Marke. Und noch einiges mehr: geradeaus, leutselig, angenehm, aber nicht angepasst, klar in der Ansprache. So hat er sich im Laufe der mehr als vier Jahrzehnte seinen Ruf erarbeitet. Und der hallt weit in der Stadt.



Angefangen hat alles allerdings in der Pfalz, dort trat Alexander Ziegler seinen Dienst als Lehrer an, „weil es im Saarland keine Stelle gab“. Damit habe er quasi im „Ausland“ begonnen, lacht der gebürtige Köllerbacher. „Das war eine schöne Schule. Da hat man noch zwei Klassen in einem Raum gehabt, eine dritte und eine vierte als Kombiklasse. Das kann man sich heute gar nicht mehr vorstellen. Aber das war ganz einfach, da war Zucht und Ordnung.“ Damit kommt Ziegler am Freitag dann auch gleich auf ein Thema, das ihm sehr am Herzen liegt: Disziplin. Mit den Jahren habe man feststellen können, dass immer weniger Wert auf Werte gelegt worden sei. Wo aber Disziplin und Respekt fehle, da werde es mit dem Lernen schwierig. Zwischenzeitlich merke er aber, dass man wieder mehr Wert auf eben diese Werte lege.

Sein schulischer Weg führte ihn aus der Pfalz dann zuerst an die Grundschule Jägersburg, „17 Jahre lang, das war ein Paradies“. Später dann wechselte er, zuerst als Konrektor, später als Rektor, an die Hohenburgschule. Als diese Schule geschlossen wurde, habe er zunächst mit dem Angebot, als Rektor an die Erbacher Luitpoldschule zu gehen, gehadert. Erst ein Gespräch mit dem damaligen CDU-Landtagsabgeordneten Klaus Roth und dem früheren Kultusminister Jürgen Schreier hätten ihn zu einem „Ja“ bewogen – eine Entscheidung, die er augenscheinlich und nach elfeinhalb Jahren als Schulleiter nicht bereut, auch mit Blick auf ein „tolles Team. Ob wir was draus gemacht haben, das müssen andere beurteilen“.

Im Gespräch am Freitag schildert Ziegler, ganz der Pädagoge, ein in vier Jahrzehnten deutlich verändertes Anforderungsprofil an den Betrieb einer Grundschule. Mehr verhaltensauffällige Kinder als früher, zusätzliche Aufträge wie die Inklusion, mehr Notwendigkeit, neben Wissen auch Erziehung zu vermitteln – das alles stehe heute mit auf dem Stundenplan.

Und nicht nur das. So sei man als Schulleiter heute auch Manager im Dienst der Schüler und der Schule. Dabei gehe es, gesteht Ziegler ein, vor allem auch darum, über Sponsoren Gelder für zusätzliche Schulausstattung zu aquirieren. Und genau das scheint Alexander Ziegler richtig Spaß zu machen. Ganz der „Diplomat und Finanz-Akquisiteur im Schuldienst“ gibt er ein bisschen Einblick in die Kunst, Dritten den einen oder anderen Euro für die gute Sache, sprich Nötiges für einen modernen und abwechslungsreichen Schulalltag, zu entlocken. Dass auch das Zieglers Ding ist, dass spürt man. Sein Geheimnis: „Man muss eben Gott und die Welt kennen“, lacht er. „Das macht mir richtig Freude. Und ich weiß zu 99 Prozent, dass ich das bekomme, was ich will. Man darf eben nicht mit der Tür ins Haus fallen.“

So elegant wie Ziegler hier in den zurückliegenden Jahren agiert hat, so deutlich ist auch seine Sprache, wenn es um aktuelle Probleme geht. Gefragt, was er sich für seine Schule in der Zukunft wünsche, sagt Ziegler ganz klar, dass aus seiner Sicht die Inklusion an den Grundschulen wegfallen müsse. „Diese Inklusion muss man rückgängig machen und stattdessen die Förderschule stärken. Die Inklusion können wir in Klassen mit 24, 25 Kindern nicht leisten, wenn da noch drei, vier Förderkinder sitzen.“ So sei die aktuelle Situation „Blödsinn“. Diese Kinder brauchten individuelle Betreuung. „Waren es Idioten, die die Förderschule ins Leben gerufen haben? Mit Sicherheit nicht! Wir können das nicht leisten, auch wenn wir uns die Beine ausreißen.“

Doch trotz dieser Einschätzung und den vielen Herausforderungen, die die Arbeit in einer Grundschule prägen – wirklich aufhören will  Ziegler eigentlich nicht. Aber er muss, nachdem seine Dienstzeit schon dreimal um jeweils ein Jahr verlängert wurde. Aber vielleicht ist ja doch noch nicht ganz Schluss – könnte es doch sein, dass ihm das  Bildungsministerium noch ein paar Lehrerstunden genehmigt. Die will er dann gerne an der Grundschule in Bruchhof einbringen. Vielleicht ist Alexander Zieglers Geschichte also noch gar nicht ganz erzählt.