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Kreis-Delegation in der Ukraine
Ein kurzfristiger Besuch im Dienste Europas

Die Delegation des Saarpfalz-Kreises in der Feuerwache Pustomyty (von links): Stefan Munz, Ulrike Mauß, Violetta Frys, Dieter Hamm, Theophil Gallo, Igor Melnyczuk und Dieter Knicker.
Die Delegation des Saarpfalz-Kreises in der Feuerwache Pustomyty (von links): Stefan Munz, Ulrike Mauß, Violetta Frys, Dieter Hamm, Theophil Gallo, Igor Melnyczuk und Dieter Knicker. FOTO: Foto: Tetjana Woloschynska
Saarpfalz-Kreis. Delegation des Saarpfalz-Kreises mit Landrat Theophil Gallo an der Spitze informierte sich in der Ukraine. Von red

Zur Zeit der offiziellen Einladung des Saarpfalz-Kreises in die Ukraine Anfang November des vergangenen Jahres bewegten Nachrichten über die Ankunft unzähliger Militär-Lkw und bewaffneter Einheiten in der ostukrainischen Stadt Luhansk unweit von Donezk die europäische Presse. Szenen, die Unbehagen bereiteten. Man verließ sich jedoch auf die Zuversicht der Landrätin des westukrainischen Bezirks Pustomyty, Halyna Hytschka, die ihre Einladung an den Saarpfalz-Kreis aufrecht erhielt. Die Kooperationsmöglichkeiten in den vergangenen Jahren waren schwierig, das Überqueren der Grenze vom polnischen Partnerkreis Przemysl zur Ukraine war nicht sicher, teilweise wegen konkreter politischer Umstände in der Ukraine sogar unpassierbar


Es war ein ebenso kurzer wie kurzfristiger Besuch im Dienste Europas, abzüglich der Hin- und Rückreise hielten sich die Vertreter des Saarpfalz-Kreises eineinhalb Tage in Lemberg und im angrenzenden Bezirk Pustomyty auf. Die Teilnehmer der Delegation des Saarpfalz-Kreises um Landrat Theophil Gallo waren die Kreistagsmitglieder Dieter Knicker (Kreisbeigeordneter), Dieter Hamm (Fraktionsvorsitzender) und Ulrike Mauß, Fachbereichsleiter Stefan Munz und die Partnerschaftsbeauftragte Violetta Frys.

„Wenn ein Landkreis aus der Ukraine einlädt, um eine Kooperation zu suchen oder anzubahnen, sage ich nicht nein. Es war im Interesse einer vertrauensvollen Zusammenarbeit auf unserer beider Ebenen ein notwendiges Zeichen, die Einladung anzunehmen, auch wenn dafür bereits feststehende Termine abgesagt oder verschoben werden mussten“, so Landrat Gallo. Auf dem Programm stand ein Besuch in der staatlichen Kreis-Feuerwache in Pustomyty, der einzigen in dem gesamten Bezirk, der 110 000 Einwohner zählt und flächenmäßig mehr als doppelt so groß wie der Saarpfalz-Kreis ist.



Da es dort keine freiwillige Feuerwehr gibt, sind die staatlichen Feuerwehrmänner, die umgerechnet etwa 200 Euro pro Monat verdienen, sehr ausgelastet. Sie präsentierten der Delegation stolz ihr Kamaz-Tanklöschfahrzeug. Der Besuch der Gesamtschule in Pustomyty, in der Schülerinnen und Schüler zwischen sechs und 17 Jahren unterrichtet werden, war nicht weniger eindrucksvoll. Die Schulklassen sind mit Computern und digitalen Tafeln ausgestattet, die allerdings durch die Eltern finanziert wurden, heißt es in der Pressemitteilung der Kreisverwaltung.

Manches kann aber auch nachdenklich machen, sogar erschüttern. So ein zufälliges Treffen mit einem Kriegsveteranen, der zusammen mit seinen zwei Söhnen in der Ostukraine gekämpft hatte. Auf seinem Handy hatte er Fotos von der Front. Bilder, die man nicht vergisst.

Ein wichtiges Ereignis war die Teilnahme an der feierlichen Sitzung des Bezirksrates Pustomyty, an der auch Delegationen aus den beiden polnischen Landkreisen Przemysl und Lublin teilnahmen. Am 7. Dezember, dem Tag, der jährlich der Arbeit der lokalen Selbstverwaltung gewidmet wird, wurde der Grundstein für eine künftige Zusammenarbeit gelegt. Zu den möglichen Kooperationsbereichen im Interesse der Menschen beider Regionen gehören Bildungswesen, Kultur und Natur.

Da die kommunale Selbstverwaltung europaweit und besonders in Deutschland einen hohen Stellenwert genießt, würdigte Landrat Theophil Gallo in seiner Ansprache die lokale Selbstverwaltung. „Die kommunale Stimme in Europa tritt sehr stark hervor, gerade weil die länderübergreifenden Partnerschaften auf kommunaler Ebene ihr das notwendige Gehör auf der internationalen Bühne verschaffen. Die wirkungsvolle Vernetzung bedeutet auch einen großen Gewinn für die Kommunen innerhalb ihres Kompetenzbereiches und ist erklärtes Ziel unseres Kreises“, fasste Gallo zusammen, der für den saarländischen Landkreistag unter anderem im Rat der Gemeinden und Regionen Europas, in dem gerade das Thema der länderübergreifenden Kooperationen auf kommunaler Ebene eine ganz zentrale Rolle spielt. „Wir reden aber nicht nur darüber, sondern wir wollen diesen Dialog und die Partnerschaften durch solche Treffen wie in Lemberg aktiv gestalten und voranbringen“, so Landrat Theophil Gallo, der vor wenigen Tagen zudem zum Vorsitzenden der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Saar gewählt wurde. Die Teilnehmer erlebten einen informativen Kurztrip.