| 20:22 Uhr

Fußball
Ein „Jahrhundert-Spiel“ im Winter

LIMBACH/ROHRBACH. Palatia Limbach schlägt den SV Rohrbach mit 4:3 – nach einem 0:3-Rückstand. Von Stefan Holzhauser

In der Fußball-Verbandsliga Nordost sollen Gerüchten zufolge einige Zuschauer bei der Partie zwischen dem FC Palatia Limbach und dem SV Rohrbach von einem „wahren Jahrhundert-Spiel“ gesprochen haben. Die abstiegsbedrohte Palatia lag zur Pause gegen den Tabellenzweiten im dichten Schneegestöber noch schier aussichtslos mit 0:3 zurück. Doch am Ende sollten die Limbacher nach einer unglaublichen Aufholjagd noch mit 4:3 triumphieren.



Im Verlauf der ersten Halbzeit war den Gastgebern nach dem bislang wenig erfreulichen Saisonverlauf deutlich die momentane Verunsicherung anzumerken. „Wir hatten reichlich Weihnachtsgeschenke verteilt“, kommentierte der Limbacher Trainer Alexander Ogorodnik das Geschehen bis zur Pause. Für die Rohrbacher trafen Sven Pfeifer (18.) sowie Norman Schmitt (20., 38.). Zu diesem Zeitpunkt hatten die Gäste von der SG Marpingen-Urexweiler die Tabellenführung erobert und sahen bereits wie der sichere Wintermeister aus.

In der Limbacher Kabine gab es nur eine ganz kurze Ansprache des Trainers. „Ich musste nicht viel sagen und habe nur an ihre Ehre appelliert. Es gab im Hinblick auf die zweite Halbzeit nur zwei Alternativen: Entweder fortan richtig Gas geben und alles raushauen, was geht – oder sich abschießen zu lassen“, sagte Ogorodnik.

Seine Spieler versammelten sich dann noch einmal selbst im Kreis und schafften das, was in die Palatia-Geschichtsbücher wahrscheinlich als „Das Wunder von Limbach“ eingehen wird. Der Treffer von Tim Mohr (59.) war der berühmte Dosenöffner. Nachdem Rohrbachs Simon Ikas aufgrund eines Handspiels auf der Linie vom Platz flog, verwandelte Jens Menzer den fälligen Strafstoß zum 2:3 (68.). In Überzahl drehte die Palatia schließlich komplett die Partie. Die weiteren Torschützen waren Luckas Wemmert (85.) sowie Julian Lauer (88.). „Nun können wir etwas entspannter in die Winterpause gehen“, freute sich Ogorodnik.

Beim SV Rohrbach herrschte dagegen Fassungslosigkeit. „Beide Mannschaften wollten spielen. Der Kunstrasen war zu Beginn noch ziemlich grün“, meinte Rohrbachs Spielausschuss-Vorsitzender Renzo Ortoleva. Man habe drei Punkte liegen lassen, die quasi bereits auf der Habenseite waren. Dementsprechend groß sei die Enttäuschung bei der Mannschaft nach dem Spiel gewesen. „Wir sind eine Mannschaft, die nicht einen Schritt zurückgehen darf. Wir haben ein paar Prozent nachgelassen und der Gegner hatte nichts mehr zu verlieren. Hinzu kam, dass wir zwei Mal verletzungsbedingt wechseln mussten. Das soll aber keine Entschuldigung dafür sein, dass wir die Ordnung verloren haben“, sagte Ortoleva. Die Entscheidung mit der Roten Karte bei einem Schuss aus kurzer Distanz an den Oberarm sei schon etwas hart gewesen. Insgesamt wäre ein Remis aufgrund der beiden verschiedenen Halbzeiten laut Ortoleva gerechter gewesen.