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Ein Hoch auf die Musikschule

Erbach. Es war ein besonderer Moment für die jungen Musiker, aber auch für die Leiterin der Homburger Musikschule, Carola Ulrich. Denn gestern wurde nach jahrelangem Warten endlich die neue Musikschule eingeweiht. Thorsten Wolf

Lächelnd stellt sich Musikschülerin Hannah mit ihrer Geige hinter eine der großen Glasscheiben in der Aula der neuen Musikschule in Erbach in Position. Dass sie fürs Foto gerade da steht, das hat seinen Grund, denn vor ihr auf dem Glas aufgeklebt prangt ein wahrlich philosophischer Satz: "Musik ist die Melodie des Lebens." Dass genau das so ist, wird an diesem Sonntagnachmittag keiner der Gäste der offiziellen Einweihung des Millionenbaus auf dem Gelände des ehemaligen Landesaufnahmelagers bestreiten - nicht Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind , nicht Saar-Bildungsminister Ulrich Commercon, nicht Staatssekretär Christian Seel aus dem saarländischen Innenministerium, nicht Dieter Boden als Vorsitzender des Verbandes deutscher Musikschulen Saar - und am allerwenigsten Carola Ulrich, die Leiterin der Einrichtung.

Jahrelang hat sie für den Neubau gekämpft. Nun, am Tag der offiziellen Einweihung kann man ihr die Anspannung schon anmerken. "Ich habe die ganze Nacht nicht geschlafen, ich bin völlig nervös", gesteht Ulrich vor Beginn des offiziellen Teils ein. Und natürlich hört sich Ulrich um, wie die Menschen an diesem Nachmittag auf den Neubau reagieren. "Es gibt viele die sagen: wunderschön, hell, modern. Aber natürlich gibt's auch Stimmen, die immer noch kritisch auf den Standort Erbach reagieren." Ulrich selbst hatte sich zu Beginn der Planungen erst mit dem neuen Zuhause anfreunden müssen, am Sonntag aber macht sie klar: "Bei mir hat sich das Negative sehr schnell gelegt." Auch aus der Elternschaft gebe es keine Klagen mehr.

Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind greift eine gute halbe Stunde später in seinem Grußwort ebenfalls das Thema Standort auf und würdigt die Entscheidung so: "Hier in Erbach haben wir ein wahres Schmuckstückchen geschaffen. Das hat der Stadtteil Erbach verdient, das hat die Musikschule verdient." Zudem sei Erbach der Stadtteil mit den meisten jungen Menschen, "deswegen sind wir hier auch genau richtig!"

Schneidewind verteidigte im Schatten der aktuellen Spardiskussionen auch die Entscheidung, einen Millionen-Betrag in den Neubau gesteckt zu haben - und unterschied dabei zwischen der Notwendigkeit von Kürzungen im strukturellen Bereich und nötigen Investitionen, um Homburg zukunftsfähig zu halten.

Die Botschaft aller Redner des Nachmittags, einschließlich der von Professor Reinhard Larsen, Vorsitzender des Förderkreises der Musikschule und Moderator des Sonntags,: Musikschule heißt Bildung - und Bildung ist das höchste Gut. Das, was das Projektorchester der Musikschule über den Nachmittag hinweg bot, griff dieses "Gut" wortspielend auf und verwandelte es unter der Leitung von Carola Ulrich und Anja Wirbel in ein "beeindruckend", "wunderschön" oder auch "ganz hervorragend". Und so verwunderte es nicht wirklich, dass Carola Ulrich nach dem von ihr dirigierten zweiten Stück, Pomp and Circumstances, in Richtung des Orchesters beide Daumen nach oben streckte.

Und als dann noch zum guten Schluss Andreas Bouranis "Ein Hoch auf uns" im eigens für den Anlass von Hermann Müller geschaffenen Arrangement erklingt, da ist die Musikschule endgültig in Erbach angekommen.


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Auf einen BlickAuf einer Gesamtfläche von 1 200 Quadratmetern, alleine die neue Aula umfasst davon 300, ist auf dem Gelände der ehemaligen Landesaufnahmestelle an der Lappentascher Straße in Erbach die neue Homburger Musikschule entstanden. Die Gesamtkosten belaufen sich dabei auf rund 5,7 Millionen Euro, rund drei Millionen trägt die Stadt Homburg abseits von Drittförderungen selbst. In der Zukunft sollen die zwei verbliebenen Altgebäude der Landesaufnahmestelle abgerissen werden und das Gelände so weiter aufgewertet werden. thw