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Homburger Amateurtheater
Drei missratene Geburtstage

Das Homburger Amateurtheater zeigt das Stück „Villa Dolorosa“ mit Stefan Kohlmayer als Georg, Barbara Schneider als Mascha, Kristina Betz als Irina, Christoph Neumann als Andrej, Barbara Neumann als Olga und Heike Lismann-Gräß als Janine.
Das Homburger Amateurtheater zeigt das Stück „Villa Dolorosa“ mit Stefan Kohlmayer als Georg, Barbara Schneider als Mascha, Kristina Betz als Irina, Christoph Neumann als Andrej, Barbara Neumann als Olga und Heike Lismann-Gräß als Janine. FOTO: Gerhard Schmidt.
Homburg. Das Homburger Amateurtheater spielt das Stück „Villa Dolorosa“ Ende April im Thomas-Morus-Haus in Erbach. Rebekka Kricheldorf hat die Parodie auf Anton Tschechows „Drei Schwestern“ geschrieben.

Sie lieben die Bühne, leben ihre Leidenschaft dafür aus, investieren sehr viel Zeit in ihr Hobby, weil ihnen Qualität wichtig ist: Das Homburger Amateurtheater hat schon eine große Bandbreite an Stücken auf die Bühne gebracht. Und die Gruppe ist neben dem Applaus im vergangenen Jahr noch mit einer besonderen Auszeichnung belohnt worden: dem  ersten Platz beim Amateurtheaterpreis 2017 in Heusweiler für die  Produktion „Magnolien aus Stahl“.


Nun kann man die Truppe in einem anderen Stück auf der Bühne erleben:  „Villa Dolorosa“, eine Tragikkomödie, ist gleich mehrfach zu sehen, zum Beispiel am 27. und 28. April im Erbacher Thomas-Morus-Haus (siehe auch Infokasten).

Warum es darin geht? Um drei Mal Geburtstag und drei Schwestern, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Irina, die ewig unentschlossene Studentin, die mehr im Bett träumt, als am Leben teilzunehmen. Mascha, die den konservativen Weg in die Ehe eingeschlagen hat, wobei man schnell merkt, dass es wohl der falsche Mann ist. Olga, eine „vertrocknete“ Lehrerin die einzige, die Geld verdient, und den Laden damit aufrecht hält.



Dann gibt es noch Andrej, den Bruder im intellektuellen Haushalt, der sich als Literat versucht und auch mehr oder weniger auf der Stelle tritt. Er bringt seinen besten Freund Georg mit, ein verlorener Mensch, der aus seiner Ehe mit seiner ständig mit Selbstmord drohenden Frau nur zu gerne ausbrechen möchte. Aber es ist Andrej, der mit seiner naiven Freundin Janine Leben ins Haus bringt. Heutzutage hieße sie wohl Chantal, und nein, sie winkt nicht der Oma. Sie kommt direkt schwanger daher und krempelt sukzessive das Leben der Geschwister um. Mit Normalität, Kindern und einer ganz pragmatischen Haushaltsführung.

Unbeirrt, etwas schrill betritt sie die eingetretenen Pfade der Geschwister und lichtet nicht nur die Büsche im Garten. Mascha lässt sich auf eine Affäre mit dem besten Freund ihres Bruders ein, Irina wechselt immer wieder das Studienfach, Olga wird gegen ihren Wusch Rektorin und Andrej versucht sich tapfer als Vater. Voran kommt aber niemand. Wortgewandt, mit spritzigen, spitzen Dialogen unterhält diese Tragikomödie. Die Gefangenheit der verqueren Charaktere wird vom Ensemble kunstvoll und amüsant angelegt.

 In der Villa Dolorosa, leben die vier Geschwister zusammen, in sich gefangen, man möchte gerne die „verstaubten Gardinen“ als Zuschauer aufziehen und die Sonne herein lassen, man möchte ihnen einen Tritt in den Hintern geben und rufen: „Schaut doch, das Leben ist schön.“ Aber dies tut ja in Teilen auch schon Janine.

Villa Dolorosa von Rebekka Kricheldorf wurde uraufgeführt im Jahr 2009 in Jena, so das Amateurtheater über Autorin und Stück. Es ist eine Parodie auf Anton Tchechows „Drei Schwestern“. Die Autorin gewann 2010 den Förderpreis komische Literatur der Stadt Kassel. Rebekka Kricheldorf, geboren 1974 in Freiburg, wuchs in einer progressiven Bürgerfamilie inklusive Waldorfschulbesuch auf. Sie studierte Romanistik in Berlin und absolvierte dort von 1998 bis 2002 den Studiengang „Szenisches Schreiben“ an der Universität der Künste. Seitdem hat sie an die 20 Stücke geschrieben – hauptsächlich Satiren und Komödien – und einige elisabethanische Dramen aus dem Englischen übersetzt. Sie schrieb Auftragswerke für das Staatstheater Stuttgart, das Theater am Neumarkt Zürich, das Staatstheater Saarbrücken und für das Deutsche Theater Berlin. Ausgezeichnet wurde sie 2002 mit dem Verleger- und dem Publikumspreis beim Heidelberger Stückemarkt für „Prinzessin Nicoletta“ und 2003 mit dem Kleist-Förderpreis für „Kriegerfleisch“. Sie wurde mit ihren Stücken „Die Legende vom Nadelbaumkiller“ 2005 und „Homo Empathicus“ 2015 zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen. Von Januar bis Juni 2004 war sie Hausautorin am Nationaltheater Mannheim und erhielt im selben Jahr den Schiller-Förderpreis des Landes Baden-Württemberg. In den Spielzeiten 2009/10 und 2010/11 war Kricheldorf Dramaturgin am Theaterhaus Jena. Sie lebt in Berlin.