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Die Stadtspitze steckt in der Zwickmühle

Einöd. Rüdiger Schneidewind, Oberbürgermeister von Homburg, musste sich vor den Ingweiler Bürgern rechtfertigen. Diese wollen den Erhalt bestehender Strukturen im Ort erwirken und haben kein Verständnis für eine Teilschließung des Friedhofs. Thorsten Wolf

Nein, einen leichten Stand hatte Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind am Donnerstagabend nicht. Vielmehr stand er auf dem Friedhof in Ingweiler fast schon auf verlorenem Posten. Denn: Die Bürger des Ortes hatten überhaupt kein Verständnis für die Entscheidung der Stadt, den Friedhof teilzuschließen und damit Erdbestattungen nicht mehr zuzulassen. Wie schon am Dienstag in Wörschweiler bemühte Schneidewind die Kosten für den Erhalt der Anlage, die Notwendigkeit struktureller Einsparungen und die Auflagen der Kommunalverwaltung als Gründe für den Entschluss - ohne positive Rückmeldung bei den Ingweilern. Und sein Hinweis, Urnenbestattungen in Stelen seien weiterhin möglich und damit Ingweiler auch weiterhin ein, wenn auch eingeschränkt, nutzbarer Friedhof, konnte die Bürger nicht besänftigen.

Vor allem Horst Hatzfeld machte dem Homburger Verwaltungschef aus Sicht der Ingweiler Ortsgemeinschaft eine deutliche Rechnung auf. Hatzfeld bezweifelte vor allem, dass die von Schneidewind angeführten Kosten, für das Jahr 2012 hatte der OB beispielhaft 13 000 Euro angeführt, für den Unterhalt der Anlage in Ingweiler zuträfen. Vielmehr vermutete er, dass eine von der Stadt hinter dem Friedhof gekaufte Wiese mit auf die Rechnung für die Pflege des Friedhofs gebucht werde. "Glauben Sie eigentlich, dass wir vom Lemmes gepickt sind und nicht wissen, dass das mit auf die Rechnung geht? Und ich möchte mal wissen, was noch alles auf diese Rechnung geht!" Hatzfeld mahnte Schneidewind an, er möge seinen "Stall in Ordnung bringen und die Kostenstellen auch aufschlüsseln."

Auch bezweifelte Hatzfeld die Arbeitsstunden, die der Baubetriebshof der Stadt für den Einsatz in Ingweiler angebe. Diesen Vorwurf hatte sich Schneidewind auch schon in Wörschweiler anhören müssen. Dort wie am Donnerstag in Ingweiler wies er die Grundsätzlichkeit der Vorwürfe zurück, gestand aber ein, dass an der Effizienz des Baubetriebshofes gearbeitet werden müsse. Aber: Selbst wenn die Kosten, aus welchen Gründen auch immer, mit den beispielhaften 13 000 Euro zu hoch gerechnet seien und man sich stattdessen im Bereich von 10 000 Euro bewege, führe der von der Kommunalaufsicht geforderte Anteil von 65 Prozent an den Aufwendungen zu Kosten von 6500 Euro für Angehörige bei einer Beerdigung. "Und dann möchte ich mal wissen, wer sich hier noch beerdigen lassen will?"

Einöds Pfarrerin Heide Salm brachte jenseits der durchaus kontroversen und teils auch polemischen Diskussion zu den finanziellen Aspekten der Schließung die emotionale Seite mit ins Feld. "Das Thema hat ja nicht nur etwas mit Zahlen zu tun. Man möchte gerne zu seinen Leuten auf den Friedhof. Man möchte gerne in dem Ort, in dem man lebt, seine letzte Ruhestätte finden." Vor diesem Hintergrund müssten die Gesetze für den Menschen da sein und nicht die Menschen für die Gesetze, so Salm. Dafür gab's aus der Runde der Bürger Applaus.

Es waren solche und viele andere Argumente, die das Dilemma der Stadtspitze in der Zwickmühle zwischen gefordertem Sparen und dem Wunsch der Bürger nach Erhalt von Strukturen im Ort verdeutlichten. Und so brachte der Schlusssatz von Einöds Ortsvorsteher Karl Schuberth es kurz und knapp auf den Punkt. "Eine Einigkeit ist heute hier mit Sicherheit nicht mehr zu erzielen!"