| 20:54 Uhr

Deutsch-syrischer Abend
Die Freundschaft kommt beim Essen

Leckereien aus Syrien: Gemeinsames Essen schafft Gemeinschaft, besonders von einem Büfett, das mit Spezialitäten aus dem Orient bestückt ist.
Leckereien aus Syrien: Gemeinsames Essen schafft Gemeinschaft, besonders von einem Büfett, das mit Spezialitäten aus dem Orient bestückt ist. FOTO: Cordula von Waldow
Homburg. Beim „Mittwochs-Café“ in der Homburger Stadtmission durften die Gäste die syrische Küche für sich entdecken. Von Cordula von Waldow

Fast alle Reservestühle standen bereits rund um die drei langen Tafeln bei der Homburger Stadtmission, und noch immer strömten Menschen in den großen Raum. Die meisten von ihnen waren syrischer Herkunft. Sie kamen allein, mit Freunden, paarweise oder mit der ganzen Familie, inklusive der Kinder in jedem Alter. „Mit so vielen Leuten haben wir nicht gerechnet. So viele waren wir noch nie“, freuten sich die Gastgeber des „Mittwochs-Cafés“, allen voran das Ehepaar Bärbel und Wolfgang Thoellner von dem gemeinnützigen Verein „Homburger wollen helfen“, über rund 100 Gäste. Statt zur Kaffeezeit, hatten sie diesmal zu einem deutsch-syrischen Abend mit einem üppigen Büfett vor allem arabischer Spezialitäten und mit einem bunt gemischten Programm eingeladen.


Den Refrain des modernen Begrüßungs-Liedes „Wir haben Gott zum Freunde“ sangen und klatschten bald alle mit. „Mein arabisches Lieblingswort ist Salam“, erklärte Pfarrer Hartmut Laubert in seiner Begrüßungsansprache. Es bedeute außer „Guten Tag“ zugleich auch Frieden. „Gemeinschaft und Frieden entstehen, wo Mauern der Entfremdung überwunden werden“, erinnerte er. Dolmetscherin Daad Bender vermittelte auf sprachlicher Ebene, obwohl viele der Neubürgerinnen und Neubürger bereits gut Deutsch verstehen und sprechen.

Die Tische bogen sich fast unter Spezialitäten wie Kichererbsenmus und Auberginencrème, gefüllten Weinblättern, diversen deutschen und syrischen Salaten, gefüllten Teigtaschen und Nachspeisen von Honig-Nuss-Röllchen bis zu Rhabarber-Quark. Hier kamen die Menschen zwanglos ins Gespräch, empfahlen sich Köstlichkeiten und tauschten sich aus. Mit zwei Auftritt-Blöcken und deutschen wie arabischen Liedern, sorgte der zwölfköpfige deutsch-syrische Chor unter Leitung von Osama Fathy für Stimmung im Saal: Auch die rund 20 Kinder klatschten, wippten und sangen die bekannten Weisen, wie das arabische Heimatlied, mit. Die original syrischen Instrumente entführten in das Land aus 1001 Nacht. „Die Syrer lernen so Deutsch und wir arabisch“, sagte eine der Sängerinnen, begeistert von der fremdländischen Musik. Ein kurzer Videofilm zeigte die Kulturschätze des arabischen Landes. Bei einem Foto-Quiz mit bekannten Bauwerken aus Homburg und aus Syrien zeigte sich, dass sich vor allem die zugezogenen „syrischen Homburger“ in ihrer neuen Heimat gut auskennen. Schnell erkannten sie aus wenigen frei gelegten Fotostücken das jeweilige Gebäude und wurden mit kleinen Preisen belohnt.
Der Abend war gleichzeitig auch eine Art Abschiedsfeier: Das Ehepaar Bärbel und Wolfgang Toellner, die sich in besonderem Maße für das „Mittwochs-Café“ engagierten, hört aus Altersgründen auf. Ende 2015 wurde das Treffen gemeinschaftlich von der evangelischen Freikirche, der Stadtmission und dem Verein „Homburger wollen helfen“ ins Leben gerufen. „Wir kommen nach wie vor und stehen gerne bratend zur Seite“, versprachen die beiden. Wer ihre Aufgabe übernimmt, ist noch nicht geklärt, doch eines ist sicher: Das „Mittwochs-Café“ wird fortgeführt. Nächster Termin ist am Mittwoch, 22. August.



Der Algerier Brahim Idjeri, ein Mann der ersten Stunde, bedankte sich in einer emotionalen Rede in sehr gutem Deutsch bei dem Rentnerpaar und den Gastgebern für das große Engagement und die massive Unterstützung. Der 30-Jährige, der mit einer Deutschen verheiratet ist, kann sich gut vorstellen, künftig auch die Organisation mit zu übernehmen. Tatkräftig unterstützt wird der Helfer bereits jetzt von den beiden jungen Syrern Ahmad Dahvur und Moraz Al Dabee (beide 21). Wie eine große Familie empfinden auch die deutschen Gäste die multikulturelle Gemeinschaft. Hella Lang beispielsweise nimmt immer wieder an solchen gemeinsamen Veranstaltungen teil. „Mein Mann unterrichtet Deutsch, wir kennen viele Familien und daraus haben sich Freundschaften entwickelt“, sagt sie. Nicht zuletzt warb der deutsch-syrische Chor, der jeden Dienstag von 16.30 bis 19 Uhr im Frauencafé am Scheffelplatz probt, um neue Mitsänger.