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Bekämpfung im Kanal
Der Kampf gegen Ratten im Kanalnetz

Neben Ratten im Kanalnetz gibt es solche, die sich oberirdisch ihre Nahrung suchen, normaleweise eher nachts. Sie halten sich normalerweise dort auf, wo sie geschützt sind, also an dicht bewachsenen Stellen.
Neben Ratten im Kanalnetz gibt es solche, die sich oberirdisch ihre Nahrung suchen, normaleweise eher nachts. Sie halten sich normalerweise dort auf, wo sie geschützt sind, also an dicht bewachsenen Stellen. FOTO: dpa / Bernd von Jutrczenka
Homburg. Etwa 30 000 Euro investiert die Stadt Homburg, um im Kampf gegen Ratten mit weniger Gift auszukommen. Dazu werden unter anderem die Standorte der Köder digital erfasst und stärker kontrolliert. Von Ulrike Stumm

Es ist nicht so, dass der Begriff „Ratten“ ausschließlich negativ besetzt wäre: Mit Leseratten werden Menschen beschrieben, die gerne in Büchern schmökern, Ballettratten sind kleine Nachwuchstänzerinnen. Dennoch lösen die Nager bei den meisten Menschen wenig Freude aus, wenn man sie sieht, ekelt man sich. Neben anderem Unschönem können sie Krankheiten übertragen.


Ratten gibt es auch in Homburg. Da die Sache mit dem Rattenfänger von Hameln heute nicht mehr funktioniert, müssen andere Methoden her, um sie zu bekämpfen. Zur Erinnerung: In der Sage lockte der Mann mit seiner Flöte/Pfeife die Tiere weg, entführte dann aber, als ihm der Lohn verweigert wurde, auf dieselbe Art und Weise die Kinder. Das Rattenproblem existiert in Städten also schon seit Jahrhunderten und bis heute. Nun ging es um Homburgs Ratten auch in der Februar-Sitzung des Vergabeausschusses. Der beschloss die öffentliche Ausschreibung der Rattenbekämpfung im Kanalnetz. So weit so üblich.

Allerdings gibt es doch eine Änderung und die trägt das Schlagwort „Rattenbekämpfung 4.0“. Was dahinter steckt: Die Giftstoffe, die ja letztlich auch in die Umwelt abgegeben werden, sollen deutlich reduziert werden, erläutert Pressesprecher Jürgen Kruthoff. Und er erklärt auch, wie das funktionieren soll. Bislang habe man die Giftköder alle einzeln ausgelegt nach der Methode: Kanaldeckel hoch, Köder rein, Deckel wieder zu. Das Problem: Bei Starkregen seien die Köder teilweise weggespült worden. Im neuen System sollen sie nun mit einem Stecksystem unterhalb des Kanals befestigt werden. Zudem will die Stadt alle Standorte der Köder digital erfassen. Das Auslegen selbst wird über ein Mobilgerät mit GPS aufgezeichnet. Anschließend sollen die Infos dann in die Datenbank eingespielt werden, so die Erklärung in den Ausschuss-Unterlagen.



Die Umstellung auf die „Rattenbekämpfung 4.0“ beinhaltet darüber hinaus stärkere Kontrollen als bisher, erläutert Kruthoff. So werde mehrfach nachgesehen, ob der Köder aufgefressen, angefressen oder überhaupt nicht angerührt worden sei. Daraus würden dann entsprechende Schlüsse gezogen: Nachlegen oder die Stelle eventuell ein Jahr lang auslassen. In Zukunft soll, so Kruthoff, nach dem Verzeichnis gezielter vorgegangen werden, um „mit weniger Gift gute Ergebnisse zu erzielen“.

Zum Hintergrund: Ratten sind schlaue Tiere, sie meiden etwa Standorte, an denen bereits Tiere getötet wurden. Manchmal würden Köder überhaupt nicht angefressen, weil die Tiere sie nicht mögen. Dann könne man eine ganze Marge vergessen. Zudem sind sie gegen manche Gifte resistent. Übrigens: Der Erfolg einer Köderaktion in Homburgs Untergrund lasse sich auch in den Kläranlagen nachweisen: Hier würden, wenn eine Aktion laufe, im groben Rechen mehr tote Tiere angespült, erläutert Kruthoff.

Das Problem hat dabei in Homburg ziemlich große Ausmaße, obwohl die Population in den vergangenen Jahren ziemlich konstant geblieben sei, sagt Kruthoff, aber: Allein 330 Kilometer lang ist der Hauptkanal, in dem Köder verteilt würden. Dazu kommen etwa 22 000 Hausanschlüsse. Der Weg von der Wohnung zum Kanal sei dabei zwischen fünf und 15 Meter lang, sodas hier auch noch einmal ordentlich viele Kilometer hinzukämen.

 Kosten soll die neue Rattenbekämpfung nach derzeitigem Stand 30 000 Euro. Das sei etwas mehr als in der Vergangenheit, doch man spare dann auf Dauer bei der Anzahl der Köder ein, so der Pressesprecher. Laufen soll die Aktion ab dem 1. Juni und bis Ende des Jahres. Anschließend will man den Auftrag dann wieder wie bisher als Jahresvertrag ausschreiben.

Mit Schuld an der Vermehrung der Ratten in den Städten und in den Kanälen sind Essensreste. So warnen Entsorger stets davor, feste und flüssige Abfälle über die Toilette oder den Ausguss zu entsorgen. Weggespülte Lebensmittel tragen dazu bei, dass sich Ratten in der Kanalisation vermehren. Neben den Kanalratten gebe es, so Kruthoff, Wanderratten, die sich ihre Nahrung auch oberirdisch suchten, vornehmlich in der Dunkelheit. Viele Menschen konsumieren Lebensmittel gerne unterwegs. So landen auch mehr Essensreste auf der Straße. Wer den Rest seiner Bratwurst oder seines Brötchens in dicht bewachsene Stellen werfe, der sorge dort für mehr Rattenzulauf. Zubereitete Nahrungsreste gehören außerdem nicht auf den Kompost, wo sie Ratten anlocken, sondern in den Mülleimer.

Die Stadt, sagte Kruthoff, gehe auch allen individuellen Hinweisen von Menschen nach, die Ratten beobachten und werde dort gegebenenfalls aktiv. Melden kann man dies unter Tel: (0800) 6 64 24 00.