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Homburgs Nikolaus auf Redaktionsbesuch
Der heilige Nikolaus kam in Zivil

Wolfgang Blatt ist der neue Homburger Nikolaus. Der 62-Jährige ist waschechter St. Ingberter, überzeugter Karnevalist,  und er ist noch bis zum Sonntag beim Nikolausmarkt im Einsatz.
Wolfgang Blatt ist der neue Homburger Nikolaus. Der 62-Jährige ist waschechter St. Ingberter, überzeugter Karnevalist,  und er ist noch bis zum Sonntag beim Nikolausmarkt im Einsatz. FOTO: Ulrike Stumm
Homburg. Wolfgang Blatt beschenkt noch bis Sonntag, wenn der Homburger Nikolausmarkt endet, jeden Nachmittag die Kinder. Den heiligen Mann darzustellen, ist für Blatt eine Premiere. Auch davon hat er beim Besuch in der Redaktion berichtet.

Wenn er in diesen Tagen in Homburg ist, dann trägt Wolfgang Blatt Mantel, Mitra und Bischofsstab. Heute ist das nicht so. Er kommt in Pullover und Jeans, schließlich ist er ja auch nicht „im Amt“, sondern besucht die Homburger Redaktion. Schnauzbart mit einem Dreieck überm Kinn, Brille, freundliches Lächeln: So sieht er also aus, der Mann, der Homburgs neuer Nikolaus ist. Dabei kommt er gar nicht aus der Stadt, sondern ist waschechter St. Ingberter, wurde dort geboren, ist dort aufgewachsen, lebt in der Fußgängerzone. Selbstverständlich kennt er Homburg, allerdings von einer anderen Seite, als er es heute erlebt. Blatt hat auch hier als DJ aufgelegt, in den 70er Jahren in der „Note“, später im „Village“, heute legt er nur noch bei Feiern auf.


Und dann ist da noch seine andere große Leidenschaft: Seit Jahrzehnten gehört er zur Dengmerter Narenzunft, war hier Elferratspräsident, auch lange im Vorstand. Überhaupt ist er tief in der Fastnacht verwurzelt, ist etwa Regionalvertreter des Verbands Saarländischer Karnevalsvereine im Saarpfalz-Kreis, seit 1990 Präsident des närrischen Saarpfalz-Kreises. „Karneval ist ein Hobby, das sehr viel Zeit meines Lebens beansprucht hat“, sagt er. Doch er habe immer noch andere Interessen als die Fastnacht.

Irgendwie war auch der Karneval ein bisschen mit dafür verantwortlich, dass er noch bis Sonntag täglich ab 17 Uhr auf dem Homburger Marktplatz den Nikolaus gibt. Aber nicht nur. Dazu kam seine große Erfahrung als Moderator. Als Turniersprecher  war er nämlich bei den letzten beiden süddeutschen Meisterschaften im karnevalistischen Tanz in Homburg mit dabei. Dann sei Gabi Schmitt, zweite Zunftmeisterin der HNZ, auf ihn zugekommen und habe gesagt: „Nikolaus wäre genau das Richtige für Dich.“ Nach Vorgesprächen in der Kulturabteilung wurde er es dann wirklich.



„Der heilige Nikolaus ist eine neue Aufgabe für mich“, gesteht er. Erfahrung mit weihnachtlichem Personal hat er eher nicht. Vor 20 Jahren habe er mal für Bekannte den Weihnachtsmann gegeben. Das war’s. Er hat sich daher vorbereitet, ein bisschen eingelesen in Weihnachts- und Adventsgeschichten und -gedichte. Und in die Legenden zum Nikolaus, dem Bischof von Myra. Er nimmt diese Rolle ernst, das ist zu spüren, wenn er erzählt. Steht er dann am späten Nachmittag auf der Nikolausmarkt-Bühne, trage er als Einstieg immer etwas anderes vor. Es sei ihm wichtig das Niveau des Bischofs hereinzubringen. Und er betont: „Ich spiele nicht den Weihnachtsmann, sondern den Nikolaus.“ Daher auch das Kostüm, ein neues übrigens wurde für ihn ausgeliehen von einem Ausstatter für Kirchenbedarf. Neu auch deswegen, weil er mit seinen 1,86 Meter schlicht größer ist als sein Vorgänger. Mit der traditionellen Bischofs-Kopfbedeckung, der Mitra, erreicht er dann schon eine beachtliche Höhe. Ungefähr eine halbe Stunde dauert es, bis aus Wolfgang Blatt der Nikolaus wird. Zusammen mit „seinen“ beiden Engeln hört er sich dann Gedichte und Lieder der Kinder an, verteilt Geschenktüten, geht über den Markt, lässt sich mit den Mädchen und Jungen, die das möchten, fotografieren.

Die Rolle macht ihm Spaß. Was ihm auffällt: Die Kinder seien häufig nicht mehr ganz so firm in den weihnachtlichen Gedichten und Liedern, und manchmal könnten auch die Eltern nicht mehr weiterhelfen, wenn eines stecken bleibt. Was ihm besonders gefallen hat: Am Samstag hat ihm eines der Kinder eine selbst gezogene Kerze vom Stand nebenan übereicht. „Ein Geschenk für den Nikolaus – das hat mich gefreut und überrascht.“

Und wie erinnert sich der Nikolaus an den heiligen Mann aus den eigenen Kindertagen? „Eigentlich gar nicht“, denn er sei nicht direkt ins Haus gekommen. Wobei so ein Besuch ja durchaus speziell sein kann, schließlich hat der Nikolaus auch eine Seite, die schon mal Angst machen kann.

Was Blatt übrigens ebenfalls kennt, ist der Spruch „Wenn Du nicht lieb’ bist, dann holt Dich der Nikolaus“ . Der sei doch eigentlich ein guter Mann und sogar Schutzpatron der Kinder, sagt er. Dann muss er los: Noch kurz durchatmen bevor es am Abend dann wieder ins Kostüm geht.

So sieht es aus, wenn Wolfgang Blatt mit den beiden Engeln auf dem Homburger Nikolausmarkt im Einsatz ist – natürlich in voller Montur.
So sieht es aus, wenn Wolfgang Blatt mit den beiden Engeln auf dem Homburger Nikolausmarkt im Einsatz ist – natürlich in voller Montur. FOTO: Susanne Niklas/Kulturamt