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Fußball
„Der Erfolg hat viele Väter“

Patrick Dulleck verpasst FCH-Chef Herbert Eder eine Bierdusche.
Patrick Dulleck verpasst FCH-Chef Herbert Eder eine Bierdusche. FOTO: Andreas Schlichter
Der FC Homburg hat seinen „Betriebsunfall“ repariert.  FCH-Chef Herbert Eder freut dies. Aber nicht unendlich. Von Ralph Tiné

Der FC Homburg ist nach dem unerwarteten Abstieg aus der Regionalliga als Top-Favorit in die Fußball-Oberliga gestartet. Die Mannschaft hat die Rolle von Anfang an angenommen, ist von Sieg zu Sieg marschiert und hat am siebtletzten Spieltag in Rekordzeit den von einigen schon als selbstverständlich erwarteten Aufstieg klar gemacht. Ist die Freude trotzdem so groß, wie das bei einer Meisterschaft zu erwarten ist?


Herbert Eder: Ja, das würde ich schon sagen. Wir wollten den direkten Wiederaufstieg und wir wussten, dass es ein schwerer Weg wird. Eigentlich hatte niemand erwartet, dass wir eine solche Siegesserie hinlegen würden. Die Freude ist entsprechend groß, weil die letzte Saison mit dem Abstieg im Hinterkopf erhalten geblieben ist.

Ist der „Betriebsunfall“ Abstieg mit dem direkten Wiederaufstieg wieder vollständig ausgewetzt?



Eder: Ich denke, so etwas kann man nicht gegeneinander aufwiegen. Wir haben den Abstieg gut verarbeitet, aber das bleibt natürlich immer im Kopf. Es gibt nichts, was einen Abstieg ungeschehen macht. Jetzt sind wir Meister geworden und wieder aufgestiegen, aber nichtsdestotrotz bleibt dieses Belastende aus der letzten Saison. Das ist wie bei einem sogenannten Revanchespiel: Auch wenn du fünfmal hintereinander gewinnst, macht das die Niederlage nicht ungeschehen. Mit der Meisterschaft sind nur die Folgen des Abstiegs korrigiert worden. Meine Freude heute ist groß. Aber in diese Freude mischt sich auch die Gedankenszenerie des letzten Jahres.

Sie haben nach dem Abstieg auch selbst viel einstecken müssen. Einige Fans bezeichneten den Abstieg hämisch als Rückkehr in die „Ederliga“. Was geht nach dem direkten Wiederaufstieg in Ihnen persönlich vor?

Eder: Nun ja, nicht jeder hat eine eigene Liga. (grinst) Die Fans dürfen mit Sicherheit diese Meinung vertreten. Es gibt dazu einen platten Spruch, der aber durchaus die Realität abbildet: Der Erfolg hat viele Väter, die Niederlage hat nur einen. Damit muss man einfach leben. Was ich letztes Jahr gemacht habe, dazu stehe ich. Ich will das nicht entschuldigen, aber es ist einfach so, dass Mannschaften, die 16 bis 18 gleichwertige Spieler haben, eine Verletzungsserie, wie wir sie in der vergangenen Saison hatten, besser kompensieren können, als wir das konnten. Und: Wenn am Ende sechs Mannschaften absteigen, dann ist das fast ein Drittel der Liga. Und wenn man in dieser Situation Pech hat, dann rutscht man in so einen Abstieg rein.

Wie geht es jetzt weiter mit Blick auf die kommende Regionalligasaison? Dass sie einen Spieler wie Daniel di Gregorio, den Vizekapitän des aktuellen Tabellenzweiten der Regionalliga Waldhof Mannheim, verpflichtet haben, lässt vermuten, dass sie in der Regionalliga mehr als nur mitkicken wollen.

Eder: Sagen wir mal so: Wir suchen nicht nach Ersatz- oder Ergänzungsspielern. Die Spieler, die wir jetzt verpflichten werden, das sind Spieler, von denen man erwarten kann, dass sie uns nach vorne bringen.

Wie weit nach vorne?

Eder: Soweit die Füße tragen. (grinst)

Wann spielt der FCH in der Dritten Liga?

Eder: Wenn es nach mir geht, bald. (lacht)

Das Gespräch führt Ralph Tiné