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Tauschaktion
Dem Plastikmüll den Kampf angesagt

Zusammen mit ihren Mitstreiterinnen aus der Fairtrade-AG des Homburger Gymnasiums Johanneum sorgte Schülerin Ida Jung (vorne links) am Montag beim ersten von fünf „Umtauschtagen“ dafür, dass umweltschädliche Plastiktüten gegen nachhaltige Stofftaschen getauscht werden konnten.
Zusammen mit ihren Mitstreiterinnen aus der Fairtrade-AG des Homburger Gymnasiums Johanneum sorgte Schülerin Ida Jung (vorne links) am Montag beim ersten von fünf „Umtauschtagen“ dafür, dass umweltschädliche Plastiktüten gegen nachhaltige Stofftaschen getauscht werden konnten. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Schüler des Homburger Johanneums tauschten jetzt bei einer Aktion Tüten aus Plastik gegen wiederverwertbare Beutel aus Stoff. Von Thorsten Wolf

Die Aula des Homburger Gymnasiums Johanneum am vergangenen Montagmorgen um 11.14 Uhr? Ein stiller Ort. Nur wenige Minuten später und mit Beginn der großen Pause geht es dann aber zu wie auf einen bunten und lebendigen Jahrmarkt. Schülerinnen und Schüler strömen aus den Klassensälen und kreisen um einen großen Tisch inmitten der Aula. Darauf ausgebreitet liegen rund 300 Stofftaschen, verziert mit ganz unterschiedlichen Motiven. Und genau diese Stofftüten haben es den Schülerinnen und Schülern angetan, denn: wer eine Plastiktüte dabei hat, kann die gegen die nachhaltige Stoff-Variante eintauschen, ein guter Handel für alle. Alle Hände voll zu tun bei diesem Wechselspiel haben die Lehrerinnen Andrea Golz und Isabelle Niklas, die zusammen mit den Jugendlichen der Fairtrade- und der Science-AG den Umtausch managen. Die Stofftüten, die so unter das Schüler- und Lehrervolk gebracht werden, haben die eifrigen Näherinnen des „Kirkeler Nähkästchens“ erschaffen, einer Maßnahme der kreiseigenen Aquis Beschäftigungsgesellschaft und des Jobcenters Saarpfalz.


Und was die Damen da mit Nadel und Faden genäht haben, das findet reißenden Absatz bei den Jungen und Mädchen des Johanneums. Plastiktüte um Plastiktüte wird gegen Pendants aus Stoff eingetauscht. Genauso hatten es sich Golz, Niklas, Schulleiter Helmut Seiwert und Beate Ruffing vom Saarpfalz-Kreis gewünscht. Der enorme Andrang beim Tütentausch  läuft schulintern noch bis zum Freitag, überrascht dann aber doch. Mitten drin im Treiben: Hannah Bossung, Nele Wollny und Ida Jung. Alle drei sind in der Klassenstufe Fünf und erst wenige Wochen mit dabei bei der Fairtrade-AG des Johanneums. „Ich mag es einfach, wenn man Leuten hilft, die in Armut leben. Wenn Kinder da arbeiten müssen, dann finde ich das nicht gut. Deswegen habe ich mich entschieden, bei der Fairtrade-AG mitzumachen“, erzählt Nele, während sie zusammen mit Hannah und Ida für unsere Zeitung eine kleinen Pause vom „Tauschhandel“ macht.

Für Hannah, erzählt die Schülerin, sei es die Auszeichnung des Johanneums als Fairtrade-Schule im Oktober gewesen, die sie zur AG gebracht habe. Alle drei machen klar: Eigentlich wollen sie am liebsten Fairtrade-Produkte kaufen. Eben dieser Gedanke - aber auch aktiver Umweltschutz, Stichwort: Plastikmüll in den Meeren - ist der entscheidende Impuls für die einwöchige Umtauschaktion. „Im Zuge der Ernennung zur Fairtrade-Schule haben wir mit Beate Ruffing Kontakt aufgenommen. Sie hat eine solche Tauschaktion schon im Eine-Welt-Laden im Homburg durchgeführt“, erzählt Andrea Golz.



„Es geht um fairen Handel und natürlich auch um die globalen Auswirkungen der Umweltverschmutzung.“ Diese Zusammenhänge seien den Schülerinnen und Schülern inzwischen bewusst, „und die Kinder sind dann immer froh, wenn sie etwas Praktisches machen können und so das Gefühl haben, dass sie selbst etwas zur Verbesserung der Situation beitragen können.“ Dass man das Thema „fairer Handel“ nicht erst seit jüngerer Zeit besetze und das Ganze auch nicht als Schaufenster-Projekt sehe, das verdeutlichen sowohl Golz als auch Schulleiter Helmut Seiwert. „Fairer Handel ist etwas, was wir seit Jahren und ganz unabhängig vom jetzt verliehenen Titel als ‚Fairtrade-Schule‘ unterstützen“, betont Seiwert, nachdem er selbst eine Plastiktüte gegen eine aus Stoff ausgetauscht hat. Schon vor Jahren habe man auf Initiative von Andrea Golz mit einem Fairtrade-Stand an der Schule angefangen, später habe Golz dann, zusammen mit Mitgliedern des Kollegiums, Schülern und Eltern, die Fairtrade-AG gegründet „und den Gedanken so in die Schule hereingetragen.“ Mit solchen Aktionen erreiche man die Schülerinnen und Schüler. Und: Die Botschaft komme an, war sich Seiwert am Montag  sicher. Ebenso sicher wie Beate Ruffing in ihrer Antwort auf die Frage, ob die Ernennung des Saarpfalz-Kreises zum „Fairtrade-Kreis“ Positives bewirkt habe. „Seitdem wir diesen Titel haben, werden wir vermehrt aus der Bürgerschaft angesprochen und eben auch von den Schulen. Es gibt ganz viele Kontakte, es bewegt sich was.“