| 20:40 Uhr

WM-Spiel Deutschland gegen Mexiko
Das Lachen verging beim Abpfiff

Die Homburger Künstlerin Julia Johannsen war gestern mit ihrer mexikanischen Verstärkung David mitten im Public Viewing auf dem Christian-Weber-Platz unterwegs – am Ende hatte der allen Grund zur Freude, sein Team schlug historisch den amtierenden Weltmeister Deutschland.
Die Homburger Künstlerin Julia Johannsen war gestern mit ihrer mexikanischen Verstärkung David mitten im Public Viewing auf dem Christian-Weber-Platz unterwegs – am Ende hatte der allen Grund zur Freude, sein Team schlug historisch den amtierenden Weltmeister Deutschland. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Die Fans, die sich in Homburg gemeinsam den WM-Auftakt der deutschen Nationalelf ansahen, waren schon vorher zurückhaltend. Dass diese dann gegen Mexiko eine Niederlage einstecken musste, sorgte natürlich für lange Gesichter. Von Thorsten Wolf

Es ist vollbracht, die deutsche Fußballnationalmannschaft ist ins Turnier der Weltmeisterschaft in Russland gestartet. Und damit erlebte auch das neue Homburger Fandorf auf dem Christian-Weber-Platz seinen ersten richtigen Einsatz, nachdem die Premiere am Donnerstag mit dem Eröffnungsspiel des Gastgeber-Landes gegen Saudi-Arabien über die Bühne gegangen war.


Vor dem Anpfiff gegen Mexiko am Sonntagabend herrschte bei den Fans vor Ort eine nicht wirklich eindeutige Stimmung. Zwar waren sich eigentlich alle sicher, dass Jogis Elf die erste Prüfung werde bestehen können – unreflektierte Begeisterung herrschte aber wahrlich nicht überall. „Die letzte fünf Spiele haben die Deutschen nicht gewinnen können. Da fällt es mir schon jetzt ein bisschen schwer einzuschätzen, wie so ein Spiel gegen Mexiko ausgehen kann. Ich denke, es wird ein harter Arbeitssieg“, prophezeite Public-Viewing-Fan Niels. Und nicht weit von ihm kamen Thomas und Frank, stilecht gekleidet in Fußball-Trikots der Nationalmannschaft, zu einer noch nüchterneren Einschätzung: „Das gibt heute Abend maximal ein Unentschieden, wir tippen auf 1 zu 1.“ Deutlich emotionaler und zuversichtlicher ein paar weibliche Fans, die im, etwas leisen, Chor, schon mal „Finale, Finale“ anstimmten.

Darum ging’s natürlich gestern erstmal nicht. Aber der erste Eindruck zählte natürlich. Und immerhin galt es, ein Serie zu verteidigen: Seit 32 Jahre ist die deutsche Nationalmannschaft im Auftaktspiel unbesiegt. Historisch wurde es dann auch, allerdings unter dem Vorzeichen „leider“, denn: nach 93 Minuten stand es 1 zu 0 für Mexiko – und die eher zurückhaltende Einschätzung vieler deutscher Fans hatte sich angesichts der teils erschreckend schwachen Leistung der DFB-Elf bestätigt.



Immerhin zumindest einer konnte gestern lachen. Das war der gebürtige Mexikaner David, seit 22 Jahren in Deutschland zu Hause und gestern aus Ramstein angereist. Zusammen mit Julia Johannsen, der Homburger Künstlerin, war er auf und am Christian-Weber-Platz Platz unterwegs. Und während Julia im  Deutschland-Trikot kurz nach der Pause auf ein salomonisches 1 zu 1 tippte, war für David klar: Mexiko gewinnt. Mit seinem Tipp von 2 zu 1 lag er allerdings falsch, das wird ihn nach dem Schlusspfiff aber wohl kaum gestört haben.

Eine, die gestern ihren Blick weniger auf das Premierenspiel der deutschen Nationalkicker, sondern mehr auf die Abläufe in und um das neue Fandorf warf, war Dagmar Pfeiffer, die Leiterin des Amtes für Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing der Stadt Homburg. Ihr Amt ist Partner des privaten Fandorf-Betreibers. Und für Pfeiffer galt es, das Dorf unter den „scharfen“ Bedingungen eines Deutschland-Spiels ins Auge zu nehmen. Ihr Fazit: „Mit rund 2500 Besuchern beim ersten Spiel der deutschen Nationalmannschaft ist das ein wirklich toller Erfolg.“ Es freue sie ganz grundsätzlich, dass es gelungen sei, ein solches Fandorf gemeinsam mit einem privaten Betreiber auszurichten. Und auch vom Angebot jenseits des Fandorfs auf dem Christian-Weber-Platz war Pfeiffer gestern sichtlich angetan. „Es gibt für jeden etwas. Es gibt Möglichkeiten für die Menschen, in der Gastronomie die WM zu verfolgen, das finde ich ganz toll. Ich bin froh um jeden Gastronomen, der das unterstützt. Und das gemeinsame Fußball-Gucken im Fandorf ist auch eine schöne Geschichte.“ In der von Pfeiffer angesprochenen Gastronomie, so am Marktplatz bei den Wirten Giuseppe Nardi und Daniel Schlosser, folgten auch zahlreiche Gäste dem Spiel der Deutschen. Der Vorteil dort eindeutig: Man konnte die schlechte Laune in Sachen Leistung der DFB-Elf einfach gemütlich runterspülen. Und zwischen Essen und Trinken gab’s dann auch ein deutliches Urteil zu Leistung der Kicker – die sei aktuell so schlecht wie bei der Weltmeisterschaft 1994. Zur unguten Erinnerung: Damals war Deutschland als Titelverteidiger im Viertelfinale gegen Bulgarien ausgeschieden. Nun bleibt die Hoffnung, dass sich diese Geschichte nicht wiederholt!