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Das Kreuz als das zentrale Element

In der Hubertuskapelle der Gustavsburg in Jägersburg ist noch bis zum 15. März Birgitta Hüttermanns Werk „Kreuzweg – eine Meditation“ zu sehen. Foto: Thorsten Wolf
In der Hubertuskapelle der Gustavsburg in Jägersburg ist noch bis zum 15. März Birgitta Hüttermanns Werk „Kreuzweg – eine Meditation“ zu sehen. Foto: Thorsten Wolf FOTO: Thorsten Wolf
Jägersburg. In der Gustavsburg stellt die Künstlerin Birgitta Hüttermann zurzeit ihren Kreuzweg aus, der sich in einem Punkt von vielen anderen Kreuzwegen unterscheidet: Er besitzt 15 statt der üblichen 14 Stationen. Mit Wachs bearbeitete Stoffe ergeben Flächen und Strukturen. Thorsten Wolf

Die Formsprache ist klar, die Aufgabe groß: Lediglich "nur" mit ihren Kompositionen textiler Elemente hat die Künstlerin Birgitta Hüttermann einen Kreuzweg geschaffen, der in seiner Klarheit und Reduktion der Passion Christi Raum lässt - Raum dafür das, was an klassischer Figürlichkeit "fehlt", durch eigene Gedanken zu füllen.

Mit ihrer Arbeit, noch bis 15. März zu sehen in der Hubertuskapelle der Gustavsburg in Jägersburg , greift Hüttermann auf die ihr eigene künstlerische Art eine große Tradition des Christentums auf. Auf welchen Spuren Hüttermann da wandelt, das erläuterte anlässlich der Vernissage der Ausstellung "Kreuzweg - eine Meditation " am Sonntag Gertrud Fickinger von der Katholischen Erwachsenen Bildung Saarpfalz in ihrer Einführung. "Der Kreuzweg in der Form, in der wir ihn heute kennen, ist mit seinen klassischen 14 Stationen im späten Mittelalter entstanden." In dieser Zeit habe sich die Frömmigkeit sehr "persönlich, sehr affektiv" gezeigt, so Fickinger. "Man betrachtete das irdische Leben Jesu. Man versuchte sich, in dieses Leben hineinzuversetzen und vor allem in die Passion Jesu. Denn diese Passion ist das zentrale Heilsereignis. Das Opfer Jesu als Erlösungstat spielte eine ungeheuer große Rolle."

Daraus habe sich neben dem Wunsch der Gläubigen nach "handgreiflichen" Glaubenssymbolen wie Amuletten und Reliquien auch das Konzept von Wallfahrten entwickelt, erläuterte die Theologin. Prägende Rollen hätten dabei die Orden der Zisterzienser und die Franziskaner gespielt, die "diese Art von Frömmigkeit gepflegt und auch diesen persönlichen Zugang zum Glauben und zu den Glaubensaussagen sehr gefördert haben". Zentraler Ort dieser Frömmigkeit sei die Stadt Jerusalem gewesen. "Man ist dort auf Pilgerfahrten den Leidensstationen Jesu nachgegangen." Daraus wiederum sei die Sehnsucht der Gläubigen entstanden, das dort erlebte in ihrer Heimat noch einmal zu erfahren; es entstanden die Kreuzweg-Darstellungen, auch als Ort der Frömmigkeit für die, die sich eine Reise nach Jerusalem nicht leisten konnten "oder zu gebrechlich dazu waren".

Über den von ihr schon im Jahr 2013 erstmals im Herz-Jesu-Kloster in Neustadt gezeigten Kreuzweg sagte Hüttermann: "Die Komposition von mit Wachs bearbeiteten Stoffen ergibt Strukturen und Flächen, die sich um das Kreuz als einzig erkennbarem Element gruppieren und sich darauf beziehen." Es solle, so die Künstlerin, Raum bleiben für die Fantasie des Betrachters.

Eine Besonderheit der Hüttermann'schen Arbeit: Über die klassischen 14 Stationen hinaus hat sie eine 15 in ihren Kreuzweg aufgenommen, die Auferstehung Jesu. Als einzige habe sie diese Tafel in weißem Holz gefasst. Hüttermann beließ es aber nicht nur mit einer generellen Einführung in ihr Werk. Abseits des eigentlichen Ausstellungsortes führte sie im Saal der Gustavsburg auch in ihre Meditation als "Sehhilfe" für die grundsätzlich abstrakten 15 Arbeiten ein - bevor die Gäste dann, angeführt von Gustl Altherr, dem Vorsitzenden des Heimat- und Verkehrsvereins Jägersburg , den Kreuzweg von Hüttermann in der Kapelle selbst erleben konnten.



Zum Thema:

Auf einen Blick Zur Ausstellung "Kreuzweg - eine Meditation " in der Jägersburger Hubertuskapelle gibt es einige Begleitveranstaltungen: Mittwoch, 4. März, ab 19 Uhr "Kreuzzeichen. Ursymbol der Menschlichkeit - Heilszeichen der Christen - Schmuckstück der Popkultur!?"; Samstag, 7. März, ab 14.30 Uhr, "Meditative Wanderung"; Mittwoch, 15. März, ab 19 Uhr "Fasten - heilsam für Leib und Seele". Die Öffnungszeiten der eigentlichen Ausstellung: Mittwoch, 4. März, von 18 bis 19 Uhr; Samstag, 7. März, ab 16.30 Uhr nach der meditativen Wanderung; Sonntag, 8. März, von 14 bis 17 Uhr; Mittwoch, 11. März, von 18 bis 19 Uhr; Sonntag, 15. März, von 14 bis 17 Uhr. thw