| 20:12 Uhr

Konzert
Freud und Leid bei Christopher Cross

Musik top, Sound flop: Sänger und Gitarrist Christopher Cross spielte mit seiner Band vor 700 Zuhörern im Homburger Saalbau.
Musik top, Sound flop: Sänger und Gitarrist Christopher Cross spielte mit seiner Band vor 700 Zuhörern im Homburger Saalbau. FOTO: Sebastian Dingler
Homburg. Der Pop-Barde und seine hervorragende Band ernteten stehende Ovationen im Saalbau – trotz miesem Sound.

Ein großartiger internationaler Star in Homburg, tolle Musiker, ein voll besetztes Haus im Saalbau – alles hätte so wunderbar sein können beim Konzert von Christopher Cross, wenn der Abend nicht einen gravierenden Schwachpunkt besessen hätte: den Sound.


Wie eine Zusammenfassung des gesamten Konzerts war da der Moment, als der Star seinen größten Hit „Ride Like the Wind“ sang und plötzlich eine üble Rückkopplung ihn und große Teile des Publikums aus dem Konzept brachten.

Dass der Saalbau nicht einfach zu beschallen ist – geschenkt. Aber es hat schon Tontechniker gegeben, die dieses Kunststück zur größten Zufriedenheit bewerkstelligen konnten, so zuletzt bei Götz Alsmann. Der mag vielleicht eine dezentere Musik machen.



Trotzdem bestand doch bei Christopher Cross und seinem sanften Pop gar keine Notwendigkeit, die ersten Reihen so dröhnend laut zu beschallen, das Schlagzeug so laut zu drehen, dass es vieles kaputt trommelte oder die Mitten in Cross’ Gesang so stark anzuheben, dass die dadurch entstehende Verzerrung schon an die Schmerzgrenze des Erträglichen ging. Hinten, in der Nähe des Mischpults, war der Klang schon besser. Aber die vorne hatten schließlich auch ein stattliches Eintrittsgeld bezahlt.

Jörg Seimetz aus Wadern war vielleicht der Wütendste, was das betraf: „Das schlechteste Konzert überhaupt!“, rief er lauthals und begründete das ausschließlich mit dem schlechten Klang. Das war natürlich eine sehr exklusive Wahrnehmung, denn die meisten Zuhörer hatten am Ende doch viel Lob übrig für die wirklich überzeugende musikalische Darbietung. An der gab es auch rein gar nichts zu bemäkeln, im Gegenteil: Christopher Cross hat im Laufe seiner Karriere erstens einfach tolle Songs geschrieben, zweitens weiß er sie noch wunderbar vorzutragen und drittens hat er eine hochkarätige Band um sich geschart. Besonders Stephane Chausse am Saxofon und Jerry Leonide am Keyboard ernteten immer wieder spontanen Applaus für ihre Soli.

Michael Seebald aus Bliekastel sagte, er sei schon sei Jahrzehnten Fan des US-Amerikaners. „Musikalisch und von der Band her war es wunderbar“, meinte er. Aber von der Akustik im Saalbau war auch er enttäuscht.

Einer der wenigen, der ein halbwegs gutes Haar am Sound ließ, war Steffen Linn aus Zweibrücken: „Anfangs war das schlecht, später aber besser.“ Er fand schade, dass Christopher Cross in letzter Zeit etwas in Vergessenheit geraten sei. „Aber wenn er schon mal in der Gegend ist, muss man ihn sich angucken.“

Manuela Stuppi aus Homburg war mit Cross’ Gesang nicht zufrieden: „Mir kam es so vor, dass er es so raushaut statt zu singen. Ich muss mir aber noch mal die ursprünglichen Lieder anhören, wie er sie als junger Mann gesungen hat. Wenn man über Jahrzehnte die gleichen Lieder singt, hat man vielleicht keine Lust mehr darauf, dann presst man sie so raus.“

Aber auch dieser Eindruck könnte an der schlechten Tonabmischung gelegen haben. Als der Sänger und Gitarrist nach der Pause zu einem Akustik-Set auf die Bühne kam, stimmten die Lautstärkeverhältnisse zwischen den Instrumenten, die Stimme jedoch war immer noch zu laut.

Am Ende kam es trotz allem zu stehenden Ovationen. Christopher Cross, der so gar nicht wie ein Popstar wirkte, hatte sie sich redlich verdient. Die hohe und für ihn typische Stimmlage schaffte der 67-Jährige immer noch mühelos, dazu spielte er mit Bravour eine seiner vielen Gitarren.

Achim Müller vom Homburger Kulturamt hatte das Kunststück fertiggebracht, den Ausnahmekünstler nach Homburg zu bringen. Dabei habe es, so Müller, gerade gut gepasst, dass im südwestdeutschen Raum keine anderen Termine auf der Tourplanung standen. Von dieser Art Konzerte dürfen sicher gerne noch mehr im Saalbau stattfinden – mit Tontechnikern, die ihr Handwerk verstehen.

(sedi)