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| 21:14 Uhr

Integrationskonzept
Chancen und Herausforderungen

Auf 18 Seiten hat die Verwaltung des Saarpfalz-Kreises in einem „Integrationskonzept“ Ziele und Umsetzungsstrategien für die erfolgreiche Integration von Zuwanderen formuliert.
Auf 18 Seiten hat die Verwaltung des Saarpfalz-Kreises in einem „Integrationskonzept“ Ziele und Umsetzungsstrategien für die erfolgreiche Integration von Zuwanderen formuliert. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Kreistag verabschiedet Integrationskonzept für den Saarpfalz-Kreis mit dem Ziel, Flüchtlingen Arbeitsplätze zu bieten. Von Thorsten Wolf

Wie soll und wie wird sich der Saarpfalz-Kreis den Herausforderungen und Chancen stellen, die mit dem großen Thema „Migration“ verbunden sind? Damit hat sich die Kreisverwaltung in den zurückliegenden Wochen beschäftigt und ein „Integrationskonzept für den Saarpfalz-Kreis“ erarbeitet. Genau das war am Dienstagabend eines der Hauptthemen der letzten Sitzung des Kreistages in diesem Jahr.

Schon vorab hatte Landrat Theophil Gallo (SPD) in einem Pressegespräch die Hintergründe und die grundsätzlichen Zielsetzungen verdeutlicht. „Das Thema sind die Migrationsbewegungen weltweit. Wir wissen nicht nur aus Basis der Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre, dass wir mit Zuwanderung rechnen müssen – mit Migranten, mit Menschen, die Asyl suchen. Wenn das auf Dauer gut gehen soll, dann müssen diese Menschen integriert werden.“

Dabei müsse es das Ziel sein, den Migranten den Arbeitsmarkt zu öffnen, „sie müssen sich fortbilden können, qualifiziert werden, damit sie nicht von Sozialleistungen abhängig sind, sondern auf eigenen Füßen stehen können“.

Dies sehe er auch als Chance, dem zunehmenden Mangel an Arbeitskräften entgegen zu wirken. „Hier würde es uns sehr helfen, wenn wir die Menschen in Lohn und Brot bringen und so integrieren.“ Dieses Ziel in seiner Umsetzung zu konkretisieren, sei der Zweck des Integrationskonzepts – und dabei gleich auch eine Vorbereitung auf weitere Zuwanderung.

Welche Instrumente sollen nun zur Anwendung kommen? Auf insgesamt 18 Seiten formuliert das Papier da – nach einer entsprechenden Ist-Beschreibung – den „Spracherwerb“, „Bildung und Ausbildung“, die „Teilhabe am Arbeitsmarkt“, die „Einbindung von Zugewanderten ins öffentliche Leben“, die „Interkulturelle Öffnung der Kreisverwaltung“ und auch die „Vernetzung“ als integrationspolitische Leitziele des Saarpfalz-Kreises. Diese sollen mit schon bestehenden Angeboten, aber auch mit neuen Ansätzen, so einer „Jugendberufsagentur“, erreicht werden. Das Konzept verdeutliche auch, dass gerade die Identifikation der Zuwanderer mit dem Gemeinwesen eine entscheidende Voraussetzung für ein Gelingen der Integration sei. Hier spielten auch Organisationsstrukturen von Migranten selbst eine wichtige Rolle.

Auch dem Ehrenamt spricht das Konzept eine außerordentliche große Bedeutung zu. Gerade in den zurückliegenden Jahren habe das Engagement von ehrenamtlichen Helfern viel zur gesellschaftlichen Integration von Zuwanderern beigetragen. Dieser positiven Entwicklung könne als ein künftiges Element auch die Entwicklung einer „interkulturellen Woche“ Rechnung tragen. So soll auch das Interesse der Zugewanderten an der Religion und der Weltanschauung in Deutschland geweckt werden.

In der eigentlichen Kreistagssitzung begrüßten sowohl SPD als auch CDU das nun bei einer Gegenstimme mit deutlicher Mehrheit beschlossene Integrationskonzept ausdrücklich und verdeutlichten, dass man die Verwaltung bei der Umsetzung des Papiers unterstützen werde.

Deutlich wurde in der Diskussion noch einmal Landrat Theophil Gallo, als er auf die Kritik und die Ablehnung des Integrationskonzeptes seitens des AfD-Kreitstagsmitglied Lutz Hecker reagierte. Der würdigte zwar die Anstrengungen der Verwaltung bei der Entwicklung des Papiers, mahnte aber unter anderem eine „Bringschuld“ der Zuwanderer bei der Integration an und attestierte aus seiner Sicht dem Konzept eine mangelnde Problemanalyse. Gallo hingegen betonte, er sehe die Menschen, „die zu uns kommen, nicht in einer ,Bringschuld‘“. Es zeuge für ihn von Überheblichkeit, dass man von Menschen, die Hilfe bräuchten, sage, es bestehe von ihrer Seite eine ,Bringschuld‘. Diese Ansicht könne er, so Gallo, nicht akzeptieren. Das habe etwas mit Menschlichkeit zu tun.

Und mit Blick auf die Chancen, die Zuwanderung für den deutschen Arbeitsmarkt und womöglich für die Pflegeberufe bringen könne, frage er sich, so Gallo, wer in 20 Jahren die Menschen pflegen solle, „die heute nicht wollen, dass solche Menschen zu uns kommen und eine solche Leistung erbringen können“.