| 00:00 Uhr

Bunte Keramik macht Lust auf Ostern

Homburg. Bunte Vasen, Keramik-Blumen, Schmuck und Gartenskulpturen: Beim Homburger Keramikmarkt blieben wieder keine Wünsche offen. Viele Besucher freuten sich schon seit Wochen auf diese beliebte Veranstaltung. Christine Maack

Das Wetter ist selten gerecht. Während in der vergangenen Woche das Thermometer bis auf fast 18 Grad geklettert war, kam ausgerechnet am Wochenende eine Kaltluftströmung herein und sorgte dafür, dass man angesichts der bunten Frühlingskeramik dennoch Wintermantel und Mütze hervorkramen musste.

Doch der Nordwind hielt die Besucher nicht davon ab, in Scharen in die Stadt zu strömen. Besonders am Sonntag füllte sich die Innenstadt nach 12 Uhr stetig mit Menschen. "Wir würden nicht nach Homburg kommen, wenn wir hier nicht jedes Jahr gute Verkaufszahlen verzeichnen würden", sagt Volker Billmann aus Deggenhausen, seit Jahren ein treuer Anbieter seiner Töpferware, die so urwüchsig aussieht, als habe sie schon auf den Tischen wohlhabender Renaissance-Kaufleute gestanden.

Der Renner waren diesmal Schmuckstücke aus Keramik und zarte Keramik-Blumen in allen Farben, die, auf dünne Drähte montiert, zwischen die Beete oder in Blumentöpfe gesteckt werden können. "Das sieht bunt und originell aus", betont eine Kundin, "viel schöner als Plastikblumen".

Viele Stammhändler waren wieder in Homburg zu Gast - und es war unübersehbar, dass auch die Besucher genau wussten, zu wem sie diesmal wieder gehen wollten. Wie immer, erfreuten sich die schwimmenden Keramik-Frösche oder -Schildkröten aus der Walsroder Werkstatt Gorlewski großer Beliebtheit. Ein dickbäuchiger Frosch, der mit verschränkten Armen gemütlich auf dem Wasser trieb - das war genau das, was Irmgard Bernd schon lange suchte: "Den Frosch wollte ich schon letztes Jahr haben, da war ich aber zu knickerig. Den ganzen Sommer habe ich mich darüber geärgert, jetzt wird er gekauft und kommt in unseren Teich". Auch eine grinsende Keramik-Katze, die einen Fisch verputzt, fand schnell eine Käuferin, denn es war die Enkelin, die "unbedingt, unbedingt diese Katze" haben wollte.

Wie immer, war neben den Handwerkern und Händlern auch der Europäische Kulturpark Bliesbruck-Reinheim mit einem Stand vertreten, an dem die Kinder auch selbst töpfern konnten. Dieser Stand auf dem Historischen Marktplatz ist beim Keramik-Markt nicht wegzudenken, denn mit den Römern und ihrer Kunst, Ton mit einer Glasur zu überziehen, kam zum ersten Mal feuerfestes Geschirr in größeren Mengen in unsere Region.

Doch das ist lange her, längst wird brandtechnisch über den Tellerrand hinausgeblickt. Denn neben der europäischen Keramikkunst waren auch wieder Künstler vertreten, die die japanische Kunst des Raku-Brandes beherrschen. Das Verfahren ist aufwändig, die Glasuroberfläche reißt beim Abkühlen, wodurch das typische Krakelee entsteht. Färbende Oxide sind meist Eisenoxid und Kupferoxid, auch Metallsalze werden verwendet. Das erkläre den höheren Preis dieser Objekte, betonte ein Experte.

So reichte die Palette wieder von winzigen Vasen für Gänseblümchen, das Stück für einen Euro, bis zu künstlerischen Skulpturen, für die man schon mal bis zu 500 Euro hinblättern musste.

Einige Kunden hatten sich genau vorgenommen, was sie wollten und waren auch bereit, dafür tiefer in die Tasche zu greifen. Die meisten Besucher bummelten jedoch durch die Stände und kauften spontan, was ihnen ins Auge sprang. Und das waren meistens bunte und fröhliche Frühlingsobjekte. Den Keramikmarkt mit einem verkaufsoffenen Sonntag zu verbinden, ist seit jeher ein Erfolgsrezept. Denn beides zusammen, nämlich bunte Stände mit Vasen, Tellern und Bechern und dazu noch Frühjahrsmode, ergibt eine Mischung, der die Besucher kaum widerstehen konnten. Auch nicht bei kaltem Nordwind. Und so stellten die Homburger Geschäftsleute schon kurz nach 13 Uhr ihr Warenangebot auf die Straße. Glück für diejenigen, die es im unmittelbaren Umkreis der Keramik-Stände tun konnten, denn so bummelten die Besucher von Schüsseln zu Schuhen, von Raku zu Röcken, ohne dass sie dafür Umwege in Kauf nehmen mussten.

Dass das Einkaufserlebnis im Doppelpack, nämlich Keramik und Homburger Warenangebot, gut ankam, sah man schon daran, dass nach 12 Uhr die Innenstadt so richtig voll wurde, auf dem Christian-Weber- und auf dem Historischen Marktplatz war kaum noch ein Durchkommen. Doch das war der Sinn der Sache, denn man traf sich, winkte alten Bekannten zu und freute sich, nach den öden Wintermonaten endlich mal wieder ins Freie zu kommen und durch die Stadt zu bummeln. Ab heute soll's wieder wärmer werden. Der Frühling liegt in der Luft, das war gestern in Homburg deutlich zu spüren.