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Hochwasserschutz
Bürgerinitiative mahnt Hochwasserschutz an

Die Bürgerinitiative gegen den Bau der B 423 neu hat fehlenden Hochwasserschutz in den Planungsunterlagen bemängelt. Am 5. Januar hatte die Initiative die Hochwasserlage an der künftigen Anschlussstelle der Umgehungsstraße und entlang des Trassenverlaufs dokumentiert.
Die Bürgerinitiative gegen den Bau der B 423 neu hat fehlenden Hochwasserschutz in den Planungsunterlagen bemängelt. Am 5. Januar hatte die Initiative die Hochwasserlage an der künftigen Anschlussstelle der Umgehungsstraße und entlang des Trassenverlaufs dokumentiert. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. In den Planungsunterlagen zum Bau der „B 423 neu“ fehle ein Beitrag zum Hochwasserschutz. Das kritisiert die Bürgerinitiative. red

Angesichts der Hochwasserlage der vergangenen Tag, von der auch die Blies betroffen war (wir berichteten mehrfach), weist der Sprecher der Bürger­initiative „gegen den Bau der B 423 neu“, Hans-Peter Breit, darauf hin, dass ein Fachbeitrag Hochwasserschutz in den Planungsunterlagen zum Bau der Umgehungsstraße fehle. Dies sei im Einwendungsverfahren ausdrücklich gerügt worden. Belange des Hochwasserschutzes und eine Gefahrenanalyse bei Starkregen seien „bei den Planungen nicht nach lege artis berücksichtigt“. Diese enthielten lediglich einen Hinweis, dass bezüglich der Trasse eine Höhentoleranz von elf Zentimetern bezogen auf das Jahrhunderhochwasser berücksichtigt sei.


Die Hochwasserlage sei an der künftigen Anschlussstelle der „B 423 neu“ und entlang des Trassenverlaufs durchaus dramatisch. Das hat die BI auch in Fotos und Videos dokumentiert, entstanden am 5. Januar. Dabei handele es sich bei diesem Wasserstand um ein sich seit Dezember wiederholendes Ereignis bei Starkregen, ohne dass dadurch bisher ein Jahrhunderhochwasser aufgetreten sei. Wie allgemein bekannt, „wird der bereits eingesetzte Klimawandel zu einem Anstieg von Starkregen-Ereignissen führen“. Begriffe wie „Jahrhunderthochwasser“ dürften sich dabei als obsolet erweisen, wie auch die mehrfache Wiederholung dieser Katastrophenlagen in Deutschland seit Ende der 1990er- und im ersten Jahrzehnt der 2000er-Jahre eindringlich belege, schreibt der BI-Sprecher weiter. Die „ohne valide Berechnungen“ in den Planungsunterlagen angegeben elf Zentimeter Hochwasserschutztoleranz dürften sehr schnell und mehrfach von Starkregen-Ereignissen überflutet werden, so die BI.

Der Anschluss soll in einem Trog einige Meter tiefer als das jetzige Bodenniveau erfolgen. Wie ein Volllaufen bei Hochwasser verhindert werden soll, sei mangels eines Fachbeitrags nicht ersichtlich. Ferner sei davon auszugehen, dass bei Hochwasser auch der Grundwasserspiegel steige, und gegebenenfalls von unten gegen die Trogwanne drückt, was zu deren Hebung und Verschiebung führen könne. Auch die Lösung dieses Problem hätte zwingend in einem Fachbeitrag Hochwasserschutz im Planungsverfahren offen gelegt werden müssen.



Bei mehrfach im Jahr auftretenden Hochwasser werde es jeweils zur Sperrung der künftigen Anschlussstelle Mastau kommen müssen. Die für die Umgehung prognostizierten, bis zu 19 000 Autos pro Tag würden dann wohl zusätzlich zu den für die B 423 alt berechneten, bis zu 14 000 Pkw pro 24 Stunden durch Schwarzenbach und Schwarzenacker umgeleitet werden müssen.

Darüber hinaus bildeten Mastau und die Auenlandschaft zwischen Einöd und Blieskastel den größten und damit wichtigsten Retentionsraum der Blies im Saarland.

Oberhalb der Mastau liege ein weiterer Retentionsraum der Blies zwischen Kirkel Limbach und dem Biotop in Beeden. Werde infolge des Baus der „B 423 neu“ insbesondere die Mastau als Rückhalteraum ganz oder teilweise verloren gehen, seien die genannten Retentionsräume wohl kaum in der Lage zusätzlichen Hochwasserrückstau bei Limbach und Beeden beziehungsweise verstärkten Talfluss nach Einöd und Blieskastel aufzunehmen. Auch hierzu hätte sich die Planungsbehörde in einem Fachbeitrag Hochwasserschutz öffentlich äußer müsssen, fordert die BI.

Die aktuellen Starkregen-Ereignisse im Dezember und im Januar sollten die Planungsbehörde nun dringend dazu veranlassen, den erforderlichen Fachbeitrag Hochwasserschutz endlich einzuholen und zu publizieren.

Die Kosten des Hochwasserschutzes sollen dabei in die Wirtschaftlichkeitsberechnung der B 423 neu mit einbezogen werden, so Breit weiter. Die BI kündigte an, dem Bundesrechnungshof zur Unterstützung seiner Prüftätigkeit entsprechendes Bildmaterial zur Hochwasserlage der vergangenen beiden Monate zuzuleiten.

Am 5. Januar hat die Bürgerinitiative die  Hochwasserlage an der künftigen Anschlussstelle der B 423 neu und entlang des Trassenverlaufs dokumentiert. Hier der Anschluss Mastau.
Am 5. Januar hat die Bürgerinitiative die Hochwasserlage an der künftigen Anschlussstelle der B 423 neu und entlang des Trassenverlaufs dokumentiert. Hier der Anschluss Mastau. FOTO: Hans-Peter Breit