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Blick zurück auf vergangene Tage

Gerd Spychaj vor einem seiner Werke. Foto: Thorsten Wolf
Gerd Spychaj vor einem seiner Werke. Foto: Thorsten Wolf FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Mit dem Auge des Chronisten dokumentiert der Künstler Gerd Spychaj in seiner neuen Ausstellung den Wandel der Stadt Homburg. In seinen Stadtansichten in verschiedenen Techniken überlagern sich das gemalte „Früher“ und das „Jetzt“. Thorsten Wolf

Seit Dienstag läuft in der Klinik für Urologie des Universitätsklinikums des Saarlandes in Homburg eine ganz besondere Ausstellung, denn: Wohl kaum an einem anderen Ort kann man sich derzeit solch ein Bild vom Homburg vergangener Tage machen. Der Maler Gerd Spychaj hat mit den Jahren diesen Blick zurück erschaffen, in einer ganzen Reihe von Werken, in ganz unterschiedlichen Techniken, aber immer mit dem Auge des Chronisten . So kündet das, was in den Fluren der Klinik zu sehen ist, vom Wandel; seine Stadtansichten, so vom Schlossberg, der Altstadt, der Eisenbahnstraße und vielen anderen Motiven, sind inzwischen Geschichte, wurden von der Zeit eingeholt und von Gegenwart auf Vergangenheit gesetzt. In Spychajs Bildern aber lebt diese Vergangenheit weiter und bildet einen Kontrapunkt zu den aktuellen Entwicklungen, gerade in der Homburger Innenstadt. Gefragt, ob ihm das Homburg von heute gefalle, sagt der Maler "Jein" und meint mit dem Anteil Nein darin wohl vor allem die neuen "verschachtelten" Bauten, die derzeit an vielen Orten entstehen. Dass einer wie Spychaj mit diesem Funktionscharakter der neuen Häuser durchaus seine Schwierigkeiten haben kann, das kann man verstehen, wenn man seine Werke betrachtet. Auf denen ist, abseits von beschönigender Verklärung, ein Homburg mit gewachsener Bausubstanz zu sehen.



Immer wieder setzt der Maler dabei auf signifikante Ortsmarken, so die Stadtkirche, um dem Betrachter eine Orientierung zu geben - wichtig, sind doch viele von Spychajs Ansichten so heute gar nicht mehr existent. Und gerade in diesem "Übereinanderlegen" von gemaltem "Früher" und dem "Jetzt" vor dem geistigen Auge des Betrachters gewinnen die Gemälde eine Bedeutung weit über ihre physische Begrenzung hinaus.

In ihrer kurzen Einführung in die Ausstellung nannte Privatdozentin Dr. Julia Heinzelbecker, Oberärztin an der Urologie , es eine "große Ehre", dass Gerd Spychaj eben die Urologie als Ort seiner Ausstellung gewählt habe. Heinzelbecker blickte in aller gebotenen Kürze auf das Leben des 1942 in Stuttgart geborenen, aber in Homburg aufgewachsenen Malers zurück. Heinzelbecker vergaß auch nicht darauf hinzuweisen, dass es nicht nur Ansichten aus Homburg seien, die nun in der Klinik zu sehen sind. "Auch Stillleben sind etwas, was Gerd Spychaj Freude bereitet, dies kann man an der einen oder anderen Stelle der Ausstellung sehen." Für die eigentliche Laudatio zeichnete der Homburger Fotograf Hartmut Petrus verantwortlich. Getreu seines nunmehr bekannten Mottos "Man darf bei einer Vernissage über alles reden, nur nicht über fünf Minuten" beleuchtete Petrus die Arbeit Gerd Spychajs pointiert kurz. "Gerd Spychajs Hauptmotive sind Gebäude und Stadtansichten von Homburg und seiner Umgebung - und das in den verschiedensten Techniken." Dabei zeichne den Maler dessen Blick für Proportionen und Farben aus, ebenso eine formale Prägnanz "und die Liebe zum Detail. Die Aussagekraft der Motive, gepaart mit gekonnter Bildgestaltung, bekommt hier ein ganz besonderes Gewicht und eine außergewöhnliche Authentizität."

Die Ausstellung läuft noch bis zum zum 30. September.