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Bergab für das Gefühl der Freiheit

Mit seinem Sportgerät: Dominik Jost aus Einöd hat sich dem Downhill-Fahren verschrieben, den Traum von einer Profikarriere hat er schon im Hinterkopf.
Mit seinem Sportgerät: Dominik Jost aus Einöd hat sich dem Downhill-Fahren verschrieben, den Traum von einer Profikarriere hat er schon im Hinterkopf. FOTO: Felix Lampert
Einöd. Eine Profikarriere hat er schon im Kopf, weiß aber um die Problematik, deswegen war zuerst das Abitur wichtig: Der Einöder Dominik Jost ist Downhill-Fahrer aus Passion. Der Downhill-Saarlandmeister rast die Berge Europas hinab und empfindet dabei die große Freiheit. Felix Lampert

. Viele Menschen sind in ihrer Freizeit auf der Suche nach Abenteuern oder actiongeladenen Erlebnissen, um für eine erhöhte Dosis Nervenkitzel zu sorgen. Bungee Jumping, Fallschirmsprünge oder Wildwassertouren stehen exemplarisch für die Befriedigung dieser Bedürfnisse.



Ein junger Mann aus Einöd verzichtet jedoch ganz bewusst auf diese Form der Grenzüberschreitung, da er sich eine Leidenschaft verschrieben hat, die ebenfalls Mut erfordert. Dominik Jost, Downhill-Fahrer, fegt seit vier Jahren mit seinem Mountainbike die Berge Europas hinunter. Er liebe den Kick dieser Radsportart, so Jost, bei der es darum geht, eine abgesperrte und ausschließlich bergabführende Strecke in der schnellstmöglichen Zeit zu bewältigen. Dabei werden Geschwindigkeiten von bis zu 60 Kilometern pro Stunde erreicht.

Der Einstieg in diesen Sport lag quasi vor der Haustür. Wenige Meter von seinem Zuhause entfernt befindet sich ein Radladen. Mit dem Sohn des Besitzers sei er oft Skateboard gefahren, schildert Jost die Anfänge, und irgendwann nahm Ladenbesitzer Pascal Horn die beiden Jungs mit auf den Berg zum Radfahren. Kleine Sprünge markierten somit die ersten Berührungspunkte des 19-Jährigen mit der Materie Downhill, die ihn danach nicht mehr loslässt. "Downhill gibt mir das Gefühl von Freiheit", beschreibt der ehemalige Torwart der Saarlandauswahl. Er entschied sich für diese Sportart und gegen Fußball, "weil die Atmosphäre auf dem Platz durch ein ständiges Gegeneinander geprägt war". In der Downhill-Szene verlaufe es hingegen harmonischer, es gebe ein Miteinander, wodurch sich selbst größte Konkurrenten im Ziel fair die Hand reichten. Nichtsdestotrotz spielt Jost hobbymäßig ab und zu Fußball. Auch als Abwechslung zum harten Trainingsalltag, der sich gerade in den Wintermonaten, nach der abgelaufenen und vor der neuen Saison, von seiner harten Seite präsentiert. Dann heißt es fünf Mal pro Woche schwitzen, egal ob im Fitnesstudio oder auf dem Rennrad. Das bringt viele Entbehrungen mit sich. "Bei Dingen wie Ausgehen oder Zeit mit Freunden verbringen muss ich oft zurückstecken und Nein sagen", erklärt der Sportbegeisterte, der sich nebenbei noch für Astronomie interessiert und gerne neue Sportarten , wie beispielsweise Squash, ausprobiert. Deswegen kommt er zu der Feststellung, dass "Sport mein Leben ist."

An diesem Punkt kommt sein Vater ins Spiel, der ihn bei all seinen sportlichen Aktivitäten immer unterstützt habe, "ohne ihn wäre das alles nicht drin gewesen", räumt der Downhill-Saarlandmeister von 2015 ein. Dieser Titel steht für ihn auf einer Stufe mit einigen Podestplätzen in einer belgischen Serie und der Nominierung für den Weltcup in der U 19-Klasse, als einer von nur sechs Fahrern deutschlandweit.

Auch wenn sich der Traum einer Profilaufbahn nach wie vor in seinem Kopf befindet, weiß er, dass dieses Unterfangen schwierig wird. "Es gibt", bemerkt Jost, "viele Konkurrenten, und im Saarland sind die Trainingsmöglichkeiten mit Ausnahme am Hoxberg nicht die Besten." Deshalb sei es ihm wichtig gewesen, das Abitur zu machen, was in diesem Sommer auch erfolgreich über die Bühne ging. Neben dem deutschen Abitur erwarb der Schüler des Johanneums Homburg außerdem das französische Abibac. Die Schule kam Jost bei seinen Rennen häufig entgegen.

"Die Lehrer waren nicht immer begeistert, aber meistens kulant", erläutert er. Mit einem Ferienjob versucht der Einöder, derzeit Geld zu verdienen, um im November nach Neuseeland zum Trainieren fliegen zu können. Nach seiner Rückkehr will er ein Studium im Bereich "Sport und Leistung" in Angriff nehmen. Dazu zieht es ihn in den südlichen Raum Deutschlands, nach Freiburg oder München. Dennoch ist es sein Bestreben, den Sport nicht aus den Augen zu verlieren. "Optimal ist es, wenn ich Downhill und Studium kombinieren kann", wünscht sich Jost.

Da er die ersten Rennen dieser Saison wegen des anstehenden Abiturs auslassen musste und ihn im Moment ein gebrochener Fuß außer Gefecht setzt, ist sein Hauptziel, erst wieder richtig fit zu werden. Diese Fitness wird auch nötig sein, um mit Schwung über Stock und Stein die eigenen Erwartungen und Ambitionen zu erfüllen. Denn er ist einer der Sportler, die sich mit dem Erreichten nicht zufrieden geben. Jost will sich weiter verbessern.

Zum Thema:

Auf einen Blick Downhill, zu deutsch "Abfahrt", ist eine spezielle Variante des Radsports, bei der die Fahrer eine abgesteckte und bergabführende Strecke so schnell wie möglich zurücklegen müssen. Vergleichbar ist diese Sportart mit dem alpinen Skirennsport. Sprünge über eine Distanz von bis zu 15 Metern sowie Wurzeln und Steine erfordern ein hohes Maß an Kontrolle und Mut. Unter dem Dach der Union Cycliste Internationale (UCI), des internationalen Radsportverbands, finden sowohl internationale als auch nationale Rennen , wie zum Beispiel die IXS-Cup Serie in Deutschland, statt. Der Verein Soulrider aus St.Ingbert ist einer der größten Mountainbike-Clubs und fördert Talente aus dem Saarland. fla