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Kunst in der Fabrik
Beeindruckende Kunst in der alten Schuhfabrik

Vereinsvorsitzender Karl-Heinz Hillen und Projektleiterin Birgit Heil freuten sich über den guten Zuspruch bei der Ausstellung „Kunst in der Fabrik“ des Blieskasteler Kulturstammtischs.
Vereinsvorsitzender Karl-Heinz Hillen und Projektleiterin Birgit Heil freuten sich über den guten Zuspruch bei der Ausstellung „Kunst in der Fabrik“ des Blieskasteler Kulturstammtischs. FOTO: Sebastian Dingler
Schwarzenacker. In einer ehemaligen Fabrikhalle in Schwarzenacker stellten Mitglieder des Vereins „Kulturstammtisch“ ihre Werke aus. Von Sebastian Dingler

Beeindruckend war auf jeden Fall schon mal der Raum, der am Wochenende zum ersten Mal Kunst beherbergte: In der einstigen Produktionshalle der ehemaligen Schuhfabrik in Schwarzenacker stellten die Mitglieder des Blieskasteler Vereins „Kulturstammtisch“ ihre Werke aus. Auch wenn die Veranstaltung ein bisschen unter den immer noch arg winterlichen Temperaturen litt, denn das Gebäude besitzt bisher weder Heizung noch Isolation, erlebten die zahlreichen Besucher ein wunderbares Zusammenspiel zwischen alter Industriearchitektur und moderner Kunst. Ein wie für den Raum geschaffenes Metallgitter war mit Holztafeln versehen worden, so dass die Vorder- und Rückseite von sechs Stellwänden genutzt werden konnten.


Daneben war auch noch Platz für Skulpturen, für ein Café und ein musikalisches Rahmenprogramm; letzteres gestaltet von Marion Kaufmann, die sowohl ihre Kunst ausstellte als auch Saxofon spielte und sang. Von vielen Besuchern wurde vor allem die Schönheit des Raumes gelobt, der Licht von drei Seiten bekam und somit wenig künstliches Licht benötigte. Außerdem erlebten die Besucher sehr unterschiedliche Kunst.

Erwin Büch aus Bübingen etwa meinte: „Die Vielseitigkeit hier ist der Wahnsinn. Holz, Malerei, Fotografie, Skulpturen — und es gibt Kaffee und Kuchen.“ Der Musiker Bernd Russy war aus Niederbexbach gekommen. Ihn hatte es einfach interessiert, dass es in Schwarzenacker eine alte Schuhfabrik gibt. Aber auch die bildende Kunst hatte es ihm angetan: „Das ist tolles Material hier und sehr variantenreich, das gefällt mir gut.“ Russys Partnerin Uschi Bauer äußerte ihren Respekt vor den Leuten, die hier etwas aus dem Raum gemacht hatten. „Wenn das hier dem Abriss zum Opfer gefallen wäre, wäre das doch sehr schade gewesen. Gerade für so eine Ausstellung ist das doch ideal von der Lage und vom Licht her. Toll ist auch, dass man sich hier wunderbar mit den Künstlern austauschen kann – und die musikalische Untermalung ist echt klasse.“

Insgesamt 35 Künstler konnten am Samstag und Sonntag ausstellen, alle sind Mitglieder des Kulturstammtischs. Eine von ihnen, Birgit Heil, hatte die Projektleitung übernommen. „Ich habe im vergangenen Jahr in Blieskastel ausgestellt, da kamen Oliver Werner und Christina Lentes auf mich zu, weil sie da so eine Räumlichkeit hätten.“ Nachdem sich der Vorstand des Vereins ein Bild vom Gebäude gemacht hatte, wurde der Plan „Kunst in der Fabrik“ umgesetzt.

Vorsitzender Karl-Heinz Hillen dankte in seiner Ansprache zur Eröffnung neben Heil auch der Helferin Stephanie Birster. Außerdem meinte er launig: „Sie können hier Kunst kaufen, das ist eine ganz tolle Gelegenheit: Es geht hier nämlich direkt ab Fabrik“. Wobei bei all dem industriellen Flair nicht unerwähnt bleiben sollte, dass der Raum schon seit 1988 nicht mehr als Fabrik genutzt wurde. Danach verwendete nämlich die evangelische Kirchengemeinde das Gebäude, bis sie es 2012 nicht mehr tragen konnte. Drei Jahre später zogen Oliver Werner und Christina Lentes ein, bauten einen Teil zu Ferienwohnungen um und planen nun, mit der Halle eine Begegnungsstätte für Kunst und Kultur zu schaffen. „Das hatte es zu Zeiten der Kirche ja auch schon gegeben“, meinte Werner.



Einige Anfragen zur weiteren Nutzung der alten Fabrikhalle mit dem besonderen Flair habe er schon erhalten – für Musikveranstaltungen, Kleinkunst oder einen Tanzkurs. Vergipsen und neu streichen wolle man den Raum, Teilbereiche isolieren. Doch schon jetzt funktionierte das Ganze, zeitweise waren über hundert Besucher gleichzeitig anwesend - gelungener Einstand für eine neue Heimstätte der Kultur in Homburg.