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Backes-Abriss hat begonnen

Homburg. Das Eckgebäude der alten Gießerei Backes in Homburg, in dem kürzlich Deckenteile heruntergebrochen waren, ist Geschichte. Am Samstag rückte hier der Bagger an. Die Hallen des Industrie-Komplexes stehen noch, sollen aber in den nächsten Monaten fallen. Thorsten Wolf



Langsam schiebt Hubert Knerr seinen schweren Bagger über Berge von Bauschutt nach vorne. Die große Schaufel gräbt sich in eine Wand, Knerr zieht den Ausleger seines Arbeitsgerätes zurück - und eine weitere Wand des verwahrlosten Bürogebäudes der alten Gießerei Backes fällt. Knerr will es an diesem Samstag wissen, will den Schandfleck im Kreuzungsbereich zwischen Beeder Straße und Entenmühlstraße dem Erdboden gleich machen.

Sein Engagement kommt dabei nicht von ungefähr, seit 2007 gehört dem Homburger Unternehmer ein Teil der alten Eisengießerei Backes, vormals Krempel. Und vor kurzem machte eben der Eckbau des Industriekomplexes Schlagzeilen, als aus einem oberen Stockwerk Deckenteile auf die Entenmühlstraße stürzten (wir berichteten).

Die Stadt erteilte Auflagen und Hubert Knerr entschied sich dafür, Nägel mit Köpfen zu machen. Und so fällt an diesem Samstag Mauer für Mauer - als Ergebnis von einiger Vorarbeit, hatten Mitarbeiter von Knerrs Abbruchunternehmen den Altbau doch erst einmal entkernen müssen. Die verbleibende Hülle ist dann für die schweren Bagger kein Hindernis mehr, am frühen Samstagnachmittag steht von dem Bau, der über Jahre hinweg wegen seines Zustandes die Gemüter der Bürger erhitzt hatte, nichts mehr.

In einer kurzen Arbeitspause stellt sich Hubert Knerr den Fragen unserer Zeitung. "Im Jahr 2007 haben wir dieses Gebäude gekauft. Zu diesem Zeitpunkt war der Schrottpreis sehr hoch", erläutert Knerr mit Blick auf rund 300 Tonnen Stahl, die seinen Teil der alten Gießerei für ihn damals finanziell attraktiv gemacht hatte. "Und auch das Gelände an sich ist natürlich nicht unattraktiv." Allerdings sei dann der Schrottpreis gefallen "und wir haben das Gebäude erst mal stehen lassen." Zwischenzeitlich sei der Bau aber in einem desolaten Zustand gewesen, "da war es einfach nicht mehr zu verantworten, das Gebäude weiter stehen zu lassen". So sei der Entschluss gefallen, die faktische Ruine abzureißen, bevor noch jemand zu Schaden komme. "Und das muss jetzt so schnell gehen wie möglich." Rund sechs Monate soll es dauern, bis auch die anschließenden Hallen des Teils des Industrie-Komplexes, der heute Hubert Knerr gehört (bis zu den Einspurgleisen, die hinter einem dort ansässigen Autohaus die Entenmühlstraße queren), fallen. Eine noch anstehende Herausforderung dabei: In den noch stehenden Werkhallen befinden sich so genannte Gießerei-Sande als Rest des früheren Eisengießerei-Betriebes. "Diese Sande müssen entsorgt werden, bevor wir die Halle abreißen können."

Später am Tag, am Rande der Eröffnung der Buchmesse Hombuch, äußert sich auch Homburgs Oberbürgermeister Rüdiger Schneidewind zum Abriss der Alten Gießerei Backes/Krempel. "Das ist ein guter Tag für Homburg , wenn die alte Gießerei abgerissen wird - denn es ist immer ein guter Tag für die Stadt, wenn ein solcher Schandfleck verschwindet." Dass der Bau nun endlich dem Erdboden gleichgemacht werde, habe der Stadtverwaltung schon lange am Herzen gelegen, "nur hatten wir bisher keine Handhabe. Erst nach dem Teileinsturz konnten wir entsprechende Auflagen machen und deswegen haben wir dort auch entsprechend schnell reagiert. Und das jetzt auch der Eigentümer selbst gehandelt hat, dies ist für alle Beteiligten sehr, sehr gut!"