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Tag der offenen Tür im AZH
„Ausbildung 4.0“ trifft auf die Werkbank

Geschäftsführer Julian Seiler (links) demonstrierte anhand von 3-D-Drucksystemen die Umsetzung von „Industrie 4.0“ in den Lehralltag beim Ausbildungszentrum Homburg.
Geschäftsführer Julian Seiler (links) demonstrierte anhand von 3-D-Drucksystemen die Umsetzung von „Industrie 4.0“ in den Lehralltag beim Ausbildungszentrum Homburg. FOTO: Thorsten Wolf
Homburg. Zahlreiche Besucher nutzten den Tag der offenen Tür, um sich die Angebote des Ausbildungszentrums Homburg anzuschauen. Von Thorsten Wolf

Wenn man ganz genau hinschaut, dann kann man schon erkennen, was einer der 3-D-Drucker auf einer Werkbank im Ausbildungszentrum Homburg (AZH) da Stück für Stück Gestalt werden lässt: einen kleinen Löwen. Was als Teil des „Tags der offenen Tür“ dabei vielleicht wie ein Extra-Bonbon für die zahlreichen Besucher wirkt, ist viel, viel mehr als das.


Tatsächlich stehen die 3-D-Drucker, gebaut von den Lehrlingen selbst, für „Industrie 4.0“ und damit für die Zukunft. Impuls für das AZH, seine Ausbildung in Richtung dieser Zukunft auszurichten, sei dabei Schaeffler Technologies als größter Kunde des Verbundausbildungsspezialisten AZH, verdeutlicht Geschäftsführer Julian Seiler. Dort habe man ein Programm unter dem Titel „Ausbildung 4.0“ aufgelegt. Eben das Schlagwort „4.0“ bündele dabei viele technische Innovationen, die es eigentlich schon lange gebe, „das Neue ist, dass man dies alles nun miteinander vernetzt“. Hier gelte es, in und mit der Ausbildung Schritt zu halten und neue Wege zu gehen. „Der 3-D-Drucker ist dabei nur ein Teil dieser ganzen Entwicklung.“ So gehörten zu diesem Prozess beim AZH auch von den Lehrlingen selbst erstellte Lehrvideos – hier werde die Lebenswirklichkeit von Jugendlichen aufgegriffen, die sich heute viel Wissen über Tutorials auf Video-Plattformen wie Youtube aneigneten. Und gerade der 3-D-Drucker als ergänzender Ausbildungsinhalt biete die Möglichkeit, für jeden Lehrling interdisziplinär zu arbeiten. „Dieser Drucker, den jeder Lehrling am Ende mit nach Hause nehmen kann, ist so etwas wie ein Symbol für das Neue. Hier wird das Moderne gezeigt und entsprechend ausgebildet.“

Seiler macht im Gespräch mit unserer Zeitung dabei auch deutlich, dass er in Sachen „Industrie 4.0“ nicht in den Chor der „Katastrophen-Propheten“ einsteigen wolle. „Wir müssen einfach mal schauen, was wirklich kommt.“



Wer den vergangenen Samstag für einen Besuch bei AZH in den Rohrwiesen nutzt, bekommt also gleich einen guten Einblick in die sich verändernde Welt der Industrie. Natürlich wird aber auch gezeigt, wie man sich ganz klassische Grundfertigkeiten in den unterschiedlichen Berufsbildern der Metall- und Elektrobranche aneignet – auch in Zeiten von „Industrie 4.0“ ist die Werkbank mit Schraubstock noch der Ort, in der man das Abc erlernt. Zahlreiche zusätzliche Informationsangebote, so eine Info-Truck der Metall- und Elektroindustrie, ein Info-Mobil der Schaeffler-Gruppe und Stände von Unternehmen wie Creos und Karlsberg runden das Angebot des „Tags der offenen Tür“ ab.

Mitten drin im Treiben in der großen Werkhalle des AZH finden sich am Samstag auch Gaby Schwartz, Schulleiterin der Galileo-Schule in Bexbach, und ihre Kollegin Stephanie Philippi. Beide wollen sich einen Eindruck vom Ausbildungsalltag beim AZH machen – um ihren Schülern kompetent Hinweise für deren Berufsentscheidung zu geben. „Für uns ist es nicht nur wichtig, was Unternehmen selbst zu bieten haben, sondern vor allem auch, was sie von zukünftigen Lehrlingen erwarten“, erklärt Stephanie Philippi. Das Ganze müsse man auch, wie Gaby Schwartz schilderte, als Teil der vertieften Berufsorientierung an der Galileo-Schule sehen. Hier schaue man sich ganz praktisch unterschiedliche Ausbildungsbetriebe an. Das Ausbildungszentrum Homburg nimmt bei der Ausbildung eine gewisse Sonderstellung ein, das Stichwort ist „Verbundausbildung“. Das System ist dabei denkbar einfach: Unternehmen, die ausbilden wollen, dies aber mit rein eigenen Mitteln aus unterschiedlichen Gründen nicht in Gänze können oder wollen, greifen auf das AZH als Ausbildungsdienstleister zurück. Dort läuft dann in der Funktion einer Lehrwerkstatt die „Grundausbildung“ in den unterschiedlichen Ausbildungsberufen, der betriebliche Teil einer Lehre erfolgt im jeweiligen Ausbildungsbetrieb. Dieses System ermöglicht es vor allem kleinen und mittleren Unternehmen, auszubilden. Doch auch Weltunternehmen wie die Schaeffler-Gruppe greifen seit Jahren auf das AZH zurück, wenn es um die Ausbildung des Nachwuchses geht.